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Auf verschollener "Platte" ausgerutscht

Vier dekorierte Postamente standen einst im englischen Garten des Hainewalder Schlosses. Sie galten als verschollen. Eine ist jetzt entdeckt worden.

Was stand im früheren englischen Garten des Hainewalder Schlosses mal auf diesem Sockel? Vielleicht das Postament, das Jan Zimmermann jetzt gefunden hat?
Was stand im früheren englischen Garten des Hainewalder Schlosses mal auf diesem Sockel? Vielleicht das Postament, das Jan Zimmermann jetzt gefunden hat? © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Manchmal kann sogar ein Sturz etwas Gutes haben. Jan Zimmermann ist es jetzt im Park des Hainewalder Schlosses so gegangen. Der Schmerz im Bein, als er beim Rundgang durch den Garten an einem Hang ausgerutscht war, ist jedenfalls schnell verflogen gewesen. "Ich wollte wissen, warum es hier plötzlich so glatt war und habe mit dem Fuß das Laub beiseite geschoben", schildert der Vorsitzende des Fördervereins für den Erhalt des Kanitz-Kyaw'schen Schlosses.

Und als er da plötzlich ein Stück Sandstein zum Vorschein kommen sah, kam der Hobby-Archäologe in ihm durch. Wenig später legte er die Fundstelle mit einer Mauerkelle frei. Jan Zimmermann erkannte sofort, dass hier nicht irgendein Stein liegt - und aus Sandstein schon gar nicht. Mit einer Waschbürste befreite er die Oberfläche des etwa 80 x 50 Zentimeter großen Sandsteins vom Dreck. Immer mehr kam dabei eine Inschrift zum Vorschein.

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Teile der Anschrift auf dem gefundenen Postament.
Teile der Anschrift auf dem gefundenen Postament. © Zimmermann
Der frei gelegte Sandstein mit der historischen Inschrift aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.
Der frei gelegte Sandstein mit der historischen Inschrift aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. © Zimmermann
Die Vereinsmitglieder haben jetzt im früheren englischen Garten am Hainewalder Schloss viel Totholz und Wildwuchs beseitigt.
Die Vereinsmitglieder haben jetzt im früheren englischen Garten am Hainewalder Schloss viel Totholz und Wildwuchs beseitigt. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Jan Zimmermann hatte ein so genanntes Postament gefunden. Es stammt wahrscheinlich aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Postamente wurden einst in Verbindung mit einem Sockel aufwendig dekoriert oder mit Inschriften versehen. So hatte beispielsweise der römische Kaiser Trajan auf einer nach ihm benannten Bildsäule in Rom, seine Kriegserfolge darstellen lassen. Auch das Reiterstandbild Friedrichs des Großen von 1851 in Berlin besitzt eine solche Sockelkonstruktion. Das nun am Hainewalder Schloss gefundene Exemplar ist natürlich viel kleiner.

Nach den bisherigen Recherchen des Vereins, hatte es mal vier solcher Postamente im Garten des Kanitz-Kyaw'schen Schlosses gegeben. Alle galten bisher als verschwunden. "Wir haben auch Gartenbau-Dozenten im Verein, die haben gut recherchiert", erzählt Jan Zimmermann. Die vier Postamente standen einst auf dem Hang des früheren englischen Gartens des Schlosses. Ihr Sockel war aus Granit, damit das Postament aus Sandstein darauf vor aufsteigender Feuchtigkeit geschützt war. Lediglich ein Sockel ist noch erhalten geblieben.

Bisher war auch der kaum wahrgenommen worden. Jetzt, nach einem Arbeitseinsatz der Vereinsmitglieder, fällt er schon eher auf. Wegen der Corona-Maßnahmen sind die Arbeitseinsätze schwierig geworden und können nur familienweise oder in Zweiergruppen durchgeführt werden. "Ich kann deshalb unseren Mitgliedern und Unterstützern nicht genug für ihr tolles Engagement in diesen komplizierten Zeiten danken", sagt er.

Verschlungenes Wegenetz soll entstehen

In dem früheren englischen Garten des Schloss-Areals, wo jetzt das Postament gefunden wurde, haben sich die Vereinsmitglieder viel vorgenommen. "Unser Ziel ist es dort mal wieder eine Art englischen Garten herzurichten", sagt Jan Zimmermann. Naturnah soll er sein. Das geht natürlich nicht von heute auf morgen. Jetzt wurde erst einmal jede Menge Totholz und Wildwuchs aus dem Gelände abgesägt und herausgeholt.

Reste vom Wegenetz, das mal auf und um den Hang des Gartens am Schloss führte, sind ebenfalls sichtbar geworden. "Wir wollen, dass die Besucher hier mal wieder richtig schön Flanieren und Verweilen können", sagt der Vereinsvorsitzende. Dazu gehört auch, dass sich durch diesen Gartenbereich schlängelnde Wegenetz wieder herzustellen.

Einen ganz alten Rhododendron-Strauch haben sie unter anderem auch frei gelegt. Der kann sich nun hoffentlich wieder schön entfalten. Ebenso die "Zukunftsbäume" die jetzt mehr Licht zum Wachsen haben.

Während eines Parkseminars ist bereits 2011 die alte Treppe zum Hang frei gelegt worden. Ob das Postament zu dem noch erhalten gebliebenen Sockel gehört, ist bisher nicht belegbar. Wahrscheinlich eher nicht, vermutet Jan Zimmermann.

Die Inschrift auf dem gefundenen Postament könnte von einem der Schlossherren stammen, schildert Jan Zimmermann. Die hatten unter anderem eine Reihe von Gedichten und Epigrammen verfasst.

Das erste Wort, was Jan Zimmermann am Stein wieder lesen konnte, war bezeichnenderweise das Wort Natur. "Das passt gut, die Natur hatte sich den Stein zurückgeholt und naturnah soll der Garten hier wieder angelegt werden", berichtet der Vereinsvorsitzende.

Und das ist noch längst nicht alles. In diesem Jahr sind eine Reihe von Sanierungsarbeiten im Schloss geplant.

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