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So schlecht sind Seifhennersdorfs Brücken

Drei sind jetzt bereits gesperrt. Weitere könnten folgen. Die Stadt ist in Zugzwang.

Diese gesperrte Brücke an der Arno-Förster-Straße in Seifhennersdorf ist wichtig. Aber vielleicht gibt es nach ihrem Abriss eine ganz andere Variante - überlegt Bürgermeisterin Karin Berndt.
Diese gesperrte Brücke an der Arno-Förster-Straße in Seifhennersdorf ist wichtig. Aber vielleicht gibt es nach ihrem Abriss eine ganz andere Variante - überlegt Bürgermeisterin Karin Berndt. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Eigentlich ist die Leutersdorfer Straße in Seifhennersdorf in Höhe der Hausnummer 42 mit der Arno-Förster-Straße durch eine Brücke verbunden. Die gibt es zwar noch, aber weder Autofahrer noch Fußgänger dürfen sie benutzen. Seit dem Jahreswechsel ist sie wie zwei weitere in der Stadt voll gesperrt worden.

An den Sperrungen ist zu erkennen, dass Seifhennersdorf ein großes Brückenproblem hat. Die großen über die Mandau sind saniert und in Ordnung. Auch die von den beiden Hochwassern 2010 und 2013. Für insgesamt 31 Brücken ist die Stadt Seifhennersdorf zuständig. 14 davon sind für Autos und Lkw zugelassen, acht kleine Stege und neun Brücken in Verantwortung des Landes. "Alle, die über eine halbe Million Euro kosten, sind gemacht. Aber die kleinen Brücken in der Stadt kamen dabei etwas zu kurz", sagt Bürgermeisterin Karin Berndt (UBS). Und dazu zählt auch die Brücke an der Arno-Förster-/Leutersdorfer Straße.

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Der Zustand des Bauwerkes ist mit der Note 3,9 bewertet worden. Die Noten 3,5 bis 4,0 bedeuten Gefahr in Verzug und dringenden Handlungsbedarf. Die Brücke hier ist zwar nicht groß, aber sie ist wichtig. Für die Kinder aus dem Ortsteil Seifen dient sie als Schulweg. Der ist nun seit der Sperrung wegen der Umleitung nicht mehr so sicher, schildert die Bürgermeisterin.

Der schlechte Zustand der Brücke an der Leutersdorfer Straße in Seifhennersdorf, in Höhe der Hausnummer 42, in Richtung Arno-Förster-Straße ist nicht zu übersehen.
Der schlechte Zustand der Brücke an der Leutersdorfer Straße in Seifhennersdorf, in Höhe der Hausnummer 42, in Richtung Arno-Förster-Straße ist nicht zu übersehen. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de
Auch die Schutzrohre für die Leitungen sind verrottet.
Auch die Schutzrohre für die Leitungen sind verrottet. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

"Wir haben überlegt, ob wir sie wenigstens noch für Fußgänger öffnen können, aber selbst das ist zu gefährlich", sagt sie. Und der Prüfbericht zum Bauwerk liest sich wie ein Todesurteil für die Brücke. Ausgeprägt durchgerostet, Lochfraß, durchgebogen, Zwischenraumfüllungen sind lose beziehungsweise herausgefallen, steht da unter anderem. Der Prüfer vermutet sogar, dass die Gesamtkonstruktion nur durch die eventuell bewehrte Betonplatte noch gehalten wird.

Jedes Bauteil ist mit einer langen Mängelliste versehen. Stellenweise sind die unter der Brücke lang führenden Leitungen ebenfalls verrottet und in ihren Schutzrohren im Rost als Bündel verschmolzen. Deshalb muss die Stadt die Versorgungsträger sofort darüber informieren.

Die Brücke kann nur abgerissen und wieder neu aufgebaut werden. Nach einer ersten groben Schätzung sind dafür etwa 280.000 Euro notwendig. Als die Brücke vor fünf Jahren geprüft wurde, war wenigstens noch eine eingeschränkte Nutzung möglich. Das geht nun nicht mehr.

Zwei weitere Brücken gesperrt

Die Stadt nimmt sich vor, jährlich fünf bis sechs Brücken prüfen zu lassen. Finanziell konnte sie das aber nicht immer stemmen. Ebenso wie notwendige Reparaturen, zu denen nach den Brückenprüfungen geraten wurde. " Wir haben 2008, 2009, 2013, 2015, 2016 und 2020 Brücken prüfen lassen. Allein die Prüfung einer Brücke kostete 2020 etwa 700 Euro ", berichtet Karin Berndt. Neun sind im vergangenen Jahr untersucht worden.

Drei davon mussten nach dem Prüfungsbericht gesperrt werden. Neben der Brücke an der Arno-Förster-Straße betraf das noch eine weitere Autobrücke an der Volksbadstraße sowie eine Fußgängerbrücke am Wilhelm-Stolle-Weg. "Wir bewegen uns bei einigen weiteren Brücken ebenfalls in die Richtung, dass bald eine sofortige Sperrung notwendig ist", gesteht Karin Berndt.

Die Stadt will möglichst schnell prüfen, was an den Bauwerken gemacht werden muss und was sie sich davon leisten kann. Als es vor etwa sechs Jahren an der Brücke am Mauerweg starke Mängel gab, hatte die Stadt damals bereits für dieses Gebiet ein Brückenkonzept erstellt. "Das hilft uns nun aber nicht wirklich weiter", sagt Karin Berndt.

Vielleicht kann eine Brandruine gleich mit verschwinden?

Für die gesperrte Brücke an der Arno-Förster-/Leutersdorfer Straße würde sie am liebsten eine ganz andere Lösung finden. Obwohl sie für den Ortsteil Seifen so wichtig ist, hält sie es für überlegenswert, die Brücke abzureißen und nicht wieder aufzubauen. "Dafür müsste es allerdings möglich sein, über ein Grundstück ein paar Meter weiter eine Straße von der Leutersdorfer zur Arno-Förster-Straße zu bauen. Diese endet nämlich dort in einer Sackgasse.

Diesem Gedanken steht aber in erster Linie eine Brandruine im Wege. "Aber vielleicht könnten wir die in diesem Zusammenhang gleich mit loswerden", sagt die Bürgermeisterin. Wegen der schlecht einsehbaren Kurve in der Leutersdorfer Straße in diesem Bereich, müsste hier eine Einbahnstraßenregelung erfolgen. "Aber warum sollten wir diese Möglichkeit nicht mit prüfen. Vielleicht kommen wir so sogar billiger als mit einem Brückenneubau", so die Bürgermeisterin.

So wurden die neun 2020 geprüften Brücken benotet:

Autobrücken:

  • Brücke Mönchsbergweg/Leutersdorfer Straße - Zustandsnote 2,2
  • Brücke Conradstraße in Richtung Rumburger Straße - Zustandsnote 2,4
  • Brücke Lessingstraße - Zustandsnote 2,4.
  • Brücke am Wiesenweg in Richtung Zollstraße - Zustandsnote 2,5.
  • Bücke an der Volksbadstraße - Zustandsnote 3,8.
  • Brücke am Ohmannweg in Richtung Mittelwehr - Zustandsnote 3,8.
  • Brücke Arno-Förster-Straße Richtung Leutersdorfer Straße 3,9.

Fußgängerbrücken:

  • Brücke Mauerweg 4/Stolleweg 5 - Zustandsnote 4,0
  • Brücke Am großen Wehr/Jentschstraße - Zustandsnote 4,0

Die Noten 3,5 bis 4,0 bedeuten Gefahr in Verzug und dringenden Handlungsbedarf.

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