merken
PLUS Zittau

Juristischer Warnschuss nach Sex mit 13-Jähriger

Ein 20-Jähriger geht eine strafbare Beziehung mit einem Mädchen ein - das Amtsgericht Zittau beleuchtet auch die andere Seite der Medaille.

Symbolbild
Symbolbild © Symbolfoto: David-Wolfgang Ebener/dpa

Bei der Wahl eines jungen Sex-Partners ist mitunter Vorsicht angebracht - denn nicht immer lässt sich vom Aussehen auf das wahre Alter schließen. Und wenn ein erwachsener Mann Sex mit einem Mädchen unter 14 Jahren ausübt, dann ist das ein Fall für den Staatsanwalt und ein Verbrechen, das mit einer Mindeststrafe von einem Jahr bedroht ist. Mit einem solchen Vorwurf des sexuellen Missbrauchs eines Kindes sah sich nun ein 20-jähriger Oberseifersdorfer vor dem Amtsgericht Zittau konfrontiert.

Anzeige
Die Stadt der Zukunft
Die Stadt der Zukunft

Angela Mensing-de Jong denkt berufsbedingt schon immer an das, was kommt. Für unsere Städte hat sie gleich mehrere Ideen.

Wie der junge Mann dem Gericht schilderte, hatte er im Frühjahr 2020 über die Internet-Plattform Instagram ein Mädchen aus dem Raum Zittau kennengelernt. Man habe sich wiederholt bei ihr daheim getroffen und einvernehmlich miteinander Sex gehabt. Mehrere Monate lang habe man eine Beziehung geführt. Das Problem: Das Mädchen war zu dieser Zeit erst 13 Jahre alt und daher nach dem Buchstaben des Gesetzes noch ein Kind. Er habe sich damals keine Gedanken über das Alter des Mädchens gemacht, erklärte der Angeklagte. "Ich weiß nicht, ob die Schutzgrenze von 14 Jahren heute noch zeitgemäß ist, aber wir müssen hier nach Recht und Gesetz handeln", sagte Richter Holger Maaß - mit Hinsicht auf den Umstand, dass junge Menschen heute geschlechtlich mitunter schneller reifen als etwa zu der Zeit, als dieses Gesetz beschlossen wurde, nicht aber zwingend auch geistig.

"Manche muss man vor sich selber schützen"

Klar war auch: Bei dem Angeklagten handelt es sich nicht um einen gefährlichen Sexualtäter. Und Richter Maaß wies auch darauf hin, dass ja durchaus zwei Personen an dem einvernehmlichen Sex mitgewirkt hätten. "Das Mädchen scheint ja auch kein Kind von Traurigkeit gewesen zu sein, das muss man ja auch mal sagen", sagte der Richter mit Verweis auf den Umstand, dass das Mädchen damals gleichzeitig noch eine sexuelle Beziehung zu einem anderen erwachsenen Mann unterhalten hatte. Gegen diesen Mann wird gesondert verhandelt.

Der Verteidiger brachte vor, dass die Eltern des Mädchens damals sogar von der Beziehung gewusst hätten. Das freilich macht das Verhalten des Mannes nicht straflos. "Manche Menschen muss man eben vor sich selber schützen", betonte die Staatsanwältin den Zweck des gesetzlichen Schutzalters. Der Angeklagte stand noch nie vor Gericht, seine Akte enthielt aber dennoch einige kleinere Einträge - einen wegen Verwendens von Nazisymbolen vor mehreren Jahren. "Ich weiß ja nicht, ob sie dem rechten Gedankengut noch anhängen, aber den Plakaten nach fordern die ja ,Kinderf... Kopf ab!'", sagte die Staatsanwältin mit Verweis auf rechtsradikale Wahlkampf-Plakate, die auch in Zittau gehangen hätten.

Weil das Mädchen damals bei Beziehungsende kurz vor dem 14. Geburtstag stand und der Sex völlig einvernehmlich erfolgte, einigten sich Staatsanwaltschaft und Verteidigung auf eine Einstellung des Verfahrens gegen eine Geldauflage von 1.000 Euro zugunsten des Opferfonds des Internationalen Bundes in Ebersbach.

Mehr zum Thema Zittau