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Mildes Urteil für Sex mit Zwölfjähriger

Ein Zittauer steht wegen sexuellen Kindesmissbrauch vor Gericht - doch der Fall ist besonders.

Das Amtsgericht Zittau verurteilte einen 30-jährigen Zittauer wegen sexuellen Missbrauchs eines Kindes.
Das Amtsgericht Zittau verurteilte einen 30-jährigen Zittauer wegen sexuellen Missbrauchs eines Kindes. © Matthias Weber (Archiv)

Die kindliche Seele ist ein empfindsames Wesen. Verletzungen, die zunächst scheinbar spurlos an ihr vorübergehen mögen, können Jahre später tiefe Wunden aufreißen. Der Gesetzgeber schützt daher insbesondere die sexuelle Entwicklungen von Kindern. Sexuelle Handlungen an Kindern unter 14 Jahren sind ausnahmslos verboten - und werden als Sexueller Kindesmissbrauch nach Paragraf 176 Strafgesetzbuch (StGB) geahndet. Mit einem nicht ganz einfach zu beurteilenden Fall dieser Art hatte es nun das Amtsgericht Zittau zu tun.

Angeklagt war ein 30-jähriger Mann aus Zittau. Aber der Mann ist keiner von der Gattung böser Kinderschreck. Laut eines Gutachtens ist er mit einem Intelligenz-Quotienten von 64 "leicht intelligenzgemindert". Der Mann steht unter Betreuung, will bald eine Tätigkeit in einer Zittauer Behindertenwerkstatt aufnehmen. Im November 2018 traf er laut Anklage in der Wohnung eines Freundes in Zittau auf ein Mädchen, das dort zu Gast war. Gemeinsam rauchten die drei dort einen Joint - doch das war nur ein Nebenpunkt der Anklage.

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Immer wieder ausgerissen

Jenes Mädchen ist mittlerweile gewissermaßen gerichtsbekannt - nicht als Täterin, sondern als Opfer. Ebenfalls im November 2018 hatte die Polizei das Mädchen aus der Wohnung eines Mannes in Löbau geholt, nachdem sie aus dem Kinderheim in Görlitz ausgebüxt war. Der Mann wurde später wegen Kindesentziehung verurteilt. Denn das Mädchen war damals erst zwölf Jahre alt. Doch im Falle des nun Zittauer Angeklagten wurde es massiver.

Im Dezember 2018 entwickelte sich eine kurzzeitige Beziehung zwischen der Zwölfjährigen und dem Mann. Immer wieder hielt sie sich in dessen Zittauer Wohnung auf - und es kam immer wieder zum Geschlechtsverkehr. Einvernehmlich, wie das als Zeugin geladene heute 14-jährige Mädchen vor Gericht aussagte. Die Anklage ging von Dezember 2018 bis Februar 2019 von 25 Fällen aus, das Mädchen selbst sprach von "oft", konnte sich aber an eine genaue Häufigkeit nicht erinnern. Der Angeklagte selbst räumte zumindest drei Taten ein.

Milde trotz besonders schweren Falls

Auch die Staatsanwältin ging davon aus, dass der Mann das Mädchen nicht sexuell ausgenutzt habe. "Sie haben sich verstanden, auf einer Ebene", erklärte sie - ein intelligenzgeminderter Mann eben etwa auf dem intellektuellen Stand eines zwölfjährigen Mädchens. Dennoch: Jeder Geschlechtsverkehr stellt einen besonders schweren Fall des sexuellen Kindesmissbrauchs dar. Mindeststrafe: ein Jahr. Wegen einiger mitangeklagter kleinerer Straftaten forderte die Staatsanwältin eine Verurteilung zu zwei Jahren auf Bewährung.

Die Verteidigerin des Mannes beantragte das gleiche Urteil. Auch sie betonte: "Er hat das als Beziehung gesehen - mit seinen Einschränkungen." Der Angeklagte gestand, sich falsch verhalten zu haben. Mittlerweile aber habe er eine erwachsene Freundin. Das Gericht folgte mit seinem Urteil den übereinstimmenden Anträgen von Staatsanwaltschaft und Verteidigung und erkannte auf eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren. Da beide Seiten Rechtsmittelverzicht erklärten, wurde das Urteil sofort rechtskräftig.

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