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Skilift an der Lausche bleibt geschlossen

Es ist ein Traumwinter. Doch die neue Corona-Verordnung versetzt dem alpinen Skiverein den Todesstoß. Trotz Hygienekonzept. Hilft Michael Kretschmer?

Zum Haare-Raufen: Frank Hirschmann würde normalerweise jetzt den Lauschelift bedienen. Doch der wird in diesem Winter nicht laufen.
Zum Haare-Raufen: Frank Hirschmann würde normalerweise jetzt den Lauschelift bedienen. Doch der wird in diesem Winter nicht laufen. © Matthias Weber

Es ist einfach nur noch zum Haare-Raufen! Und Frank Hirschmann weiß nicht mehr, was er sagen soll: Jetzt liegt hier auf dem Skihang an der Lausche ein halber Meter Schnee, es ist alles vorbereitet für den Skibetrieb, im November hat der Lift das neue Tüv-Siegel bekommen. Und Hirschmann würde jetzt hier stehen und den Skifahrern die Liftbügel reichen. Das wäre jetzt normalerweise sein Saison-Job.

Doch in diesem Winter bewegen sich die Bügel höchstens im Böhmischen Wind. Der Alpine Skiverein Lausche, kurz ASVL, braucht seine Saisonkraft nicht. Und wenn noch so traumhaftes Winterwetter herrscht, so traumhaft wie seit Jahren nicht - der Skilift an der Lausche wird sich in dieser Saison definitiv nicht in Bewegung setzen.

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Zu Hause an seinem Schreibtisch sitzt Tilo Knöbel, der Vereinsvorsitzende. Es ist ihm anzusehen, wie ärgerlich er ist. Dass nun definitiv die gesamte Skisaison nicht stattfinden darf, hat er am Mittwoch aus der Zeitung erfahren. Tourismusministerin Barbara Klepsch (CDU) hatte das in einer Videokonferenz mit den Liftbetreibergesellschaften der großen Skigebiete im Erzgebirge und im Vogtland besprochen und ihnen dafür finanzielle Unterstützung zugesichert.

"Uns Kleine hat keiner gefragt", sagt Knöbel. "Man hat uns einfach übergangen." Dabei hatte der ASVL dem Gesundheitsamt ein ausgeklügeltes Hygienekonzept vorgelegt. Das aber wurde gleich von vornherein abgewiesen. Es sei ja explizit verboten, "Skiaufstiegsanlagen" zu betreiben.

Das aber versetzt dem Verein jetzt den Todesstoß. Denn auf eine Hilfe, wie sie die Ministerin den großen privaten Liftgesellschaften versprochen hat, kann der kleine Verein nicht hoffen. "Wir fallen als Verein aus allen Hilfsprogrammen", erklärt der Vorsitzende. Schon in der vergangenen Saison hatte der ASVL keinen einzigen Euro Einnahmen, weil es nicht geschneit hat. Dafür aber laufende Ausgaben für Kredite, den Tüv oder Wartungsarbeiten.

Videokonferenz mit dem Ministerpräsidenten

Tilo Knöbel hat einen Brief verfasst und an mehrere Kommunal- und Landespolitiker geschickt: an den Bürgermeister und den Landrat, an Landtagsabgeordnete und an Sachsens Ministerpräsidenten. Als erster hat sich gleich noch am Mittwochmorgen Großschönaus Bürgermeister Frank Peuker (parteilos) gemeldet und auch gleich den Kontakt zum Ministerpräsidenten hergestellt.

Und Michael Kretschmer (CDU) habe auch versprochen, dem Verein zu helfen. Nur wie genau, das müsse noch geklärt werden. "Ich war sehr überrascht. Es war ein gutes und konstruktives Gespräch", erzählt Tilo Knöbel. "Ich habe auch meine Kontaktdaten in der Staatskanzlei hinterlassen und warte jetzt auf eine Rückmeldung." Er hofft, dass der Verein eine angemessene Pauschale bekommt, die ihm ein Weiterleben ermöglicht."

Das hofft auch Großschönaus Bürgermeister. "Der Verein braucht dringend eine Perspektive für die Zukunft und eine Sicherheit, mit der er weiter wirtschaften kann", sagt Frank Peuker. Er sei sehr froh und dankbar über das ehrenamtliche Engagement an der Lausche, das weit über die eigenen Vereinsinteressen hinausreiche. "Das kleine Skigebiet ist wichtig für die ganze Region."

Rodelhang ist präpariert

Am Lauschehang hat Frank Hirschmann derweil die Pistenraupe aus der Garage geholt. Ganz zur Untätigkeit will sich der Waltersdorfer nicht verdammen lassen. "Wenigstens sollen die Kinder einen schönen Rodelhang bekommen", sagt der 55-Jährige. Und das Pistengerät müsse ja auch mal eine "Bewegungsfahrt" machen, damit es nicht einrostet. Den Diesel haben Vereinsmitglieder und Skifreunde gesponsert. So lange der reicht, will Hirschmann den Hang wenigstes halbwegs präparieren.

Das freut auch den Bürgermeister. "Wenn wir schon nicht viel tun können, so wenigstens dass, was möglich ist", sagt er. Auch die Skiwanderwege werden von einem Großschönauer Wintersportfreund soweit wie möglich gespurt. "Wenn schon mal Winter ist im Zittauer Gebirge, dann müssen wir das ja auch nutzen", sagt Frank Peuker, der sich an diesem Tag nach der Arbeit seine Langlaufskier schnappt.

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