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Große Sorge um Umgebindehaus

Was plant der Eigentümer mit dem denkmalgeschützten Gebäude in der Großschönauer Bergstraße? Im Herbst wurde das Dach abgedeckt. Seitdem verfällt es.

Lutz Hoffmann fragt sich, warum dieses denkmalgeschützte Umgebindehaus in der Bergstraße in Großschönau nicht wenigstens notgesichert wird, um es vor dem Verfall zu retten.
Lutz Hoffmann fragt sich, warum dieses denkmalgeschützte Umgebindehaus in der Bergstraße in Großschönau nicht wenigstens notgesichert wird, um es vor dem Verfall zu retten. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Lutz Hoffmann ärgert sich jedes Mal aufs Neue, wenn er an diesem Umgebindehaus in der Bergstraße in Großschönau vorbeifährt. 1824 steht auf dem Türstock. Seit dem Herbst vergangenen Jahres ist das denkmalgeschützte Haus immer mehr dem Verfall preisgegeben. Noch mehr, als schon die Jahre zuvor.

Dabei schien es im vergangenen Jahr schon so, als ob Bewegung für die Rettung des Gebäudes in Gang käme. Im Oktober 2020 war das Haus eingerüstet. Dann wurde das Dach abgedeckt und auch einige Wände abgerissen. Die alten Biberschwänze vom Dach liegen gestapelt hinter dem Gebäude. So, als hätte sie jemand für einen späteren Verwendungszweck bergen wollen. Ringsherum wuchert hohes Gras. Ein Schild am Baugerüst verriet damals noch, das der Freistaat Sachsen die Sanierung des Umgebindehauses mit Fördermitteln unterstützt, erinnert sich Lutz Hoffmann.

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Die Planen, die das Umgebindehaus in der Bergstraße in Großschönau wegen des abgedeckten Daches schützen sollten, hängen zerfetzt herum. Eine Plane hat der Wind um die Straßenleuchte vor dem Gebäude gewickelt.
Die Planen, die das Umgebindehaus in der Bergstraße in Großschönau wegen des abgedeckten Daches schützen sollten, hängen zerfetzt herum. Eine Plane hat der Wind um die Straßenleuchte vor dem Gebäude gewickelt. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de
Nicht nur das Dach wurde abgedeckt, sondern auch einige Wände abgerissen.
Nicht nur das Dach wurde abgedeckt, sondern auch einige Wände abgerissen. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de
So ist das Haus nun schon seit Längerem Wind und Wetter ausgesetzt.
So ist das Haus nun schon seit Längerem Wind und Wetter ausgesetzt. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de
Auch auf der anderen Stirnseite des Umgebindehauses gibt es viele offene Stellen.
Auch auf der anderen Stirnseite des Umgebindehauses gibt es viele offene Stellen. © Holger Gutte
Dieses Schild soll noch mit am Bauzaun gehangen haben.
Dieses Schild soll noch mit am Bauzaun gehangen haben. © privat

Seit dem Herbst steht das Umgebindehaus mit offenem Dach da. Um es vor Witterungseinflüssen zu schützen, ist das Dach ursprünglich mit großen Planen abgedeckt gewesen. "Doch die haben nicht lange gehalten", schildert er.

Der Wind spielt mit den zerfetzten Überresten der Planen. Eine hat sich um die Straßenleuchte vor dem Haus gewickelt und hängt seitdem von ihr herab. Vor sechs Wochen hatte sich der 52-Jährige wegen des Hauses bereits an die Untere Denkmalschutzbehörde im Landratsamt gewandt. "Ich will nicht draufhauen. Aber ich würde gern mal wissen, wie die Denkmalschutzbehörden und die Fördermittelstellen so arbeiten", gesteht er. Denn ein dreiviertel Jahr hat sich hier anscheinend niemand mal umgesehen. Zumindest ist seither nichts passiert, berichtet der Handwerksmeister.

"Aber irgendetwas muss doch passieren", sagt er. Für ihn ist es auch eine Frage der Glaubwürdigkeit. Einerseits müssen Eigentümer von denkmalgeschützten Gebäuden bei Bauarbeiten genaue Auflagen erfüllen, andererseits gibt es Fälle wie diese.

Wenigstens eine Notsicherung des Umgebindehauses müsste doch in Erwägung gezogen werden, findet er. Nicht weit weg von dem Haus in der Bergstraße ging es in der Theodor-Haebler -Straße 49 doch auch. Dort wurde das Umgebindehaus auf der Rückseite notgesichert, obwohl es anscheinend schwer vermittelbar ist, erzählt er.

Hier ging es doch auch. Zum Erhalt dieses Umgebindehauses in der Theodor-Haebler-Straße in Großschönau wurde die Gebäuderückseite notgerettet.
Hier ging es doch auch. Zum Erhalt dieses Umgebindehauses in der Theodor-Haebler-Straße in Großschönau wurde die Gebäuderückseite notgerettet. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Am Umgebindehaus in der Bergstraße ist nun allerdings seit etwa drei Wochen auch das Baugerüst wieder weg. Es wurde wegen ausstehender Zahlungsaufforderungen abgebaut. Das bestätigte die Gerüstbaufirma gegenüber der SZ.

Ganz untätig sind die Ämter jedoch nicht. Vor einigen Tagen gab es einen Vororttermin in der Bergstraße mit Vertretern der Denkmalschutzbehörde und der Gemeinde Großschönau.

Dem Fachamt im Landratsamt ist der Zustand des denkmalgeschützten Gebäudes bekannt. "Da es sich jedoch um ein laufendes Verfahren handelt, können weitergehende Auskünfte leider nicht gegeben werden", antwortet Pressesprecherin Julia Bjar auf eine Anfrage der SZ. Wie auf dem Schild ersichtlich, wurden die Fördermittel an der Baustelle entsprechend ausgewiesen, fügte sie noch hinzu.

Die SZ hätte auch gern den Hauseigentümer über seine Pläne zu dem Gebäude gefragt beziehungsweise ob und wie er es noch retten will. Namentlich ist er bekannt. Doch die auf der Internetseite seiner Oderwitzer Firma angegebene Handy-Nummer ist nicht vergeben, teilt eine elektronische Stimme per Telefon mit. Auch Mail-Anfragen kommen mit dem Hinweis "unzustellbar" zurück.

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