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So oder so wird es teurer - aber wer zahlt die Zeche?

Weil Sachsen jetzt keine Fördermittel für den Kanalbau mehr gibt, stehen Zittau und sieben weitere Gemeinden vor einer schweren Entscheidung.

An der Weststraße in Zittau muss der alte Mischwasserkanal durch einen neuen ersetzt werden. Jetzt gibt es dafür vom Land Sachsen aber keine Fördermittel mehr. Acht Orte stehen deswegen vor einem Problem.
An der Weststraße in Zittau muss der alte Mischwasserkanal durch einen neuen ersetzt werden. Jetzt gibt es dafür vom Land Sachsen aber keine Fördermittel mehr. Acht Orte stehen deswegen vor einem Problem. © Matthias Weber/photoweber.de

Der Abwasserzweckverband (AZV) "Untere Mandau" steht vor einem Problem, für das er eigentlich hellseherische Fähigkeiten braucht. Auch der geplante Mischwasser-Kanalbau an der Äußeren Weberstraße/Weststraße in Zittau ist jetzt von der Fördermittel-Streichung des Landes Sachsen für Altkanäle betroffen. Das berichtete Heike Neumann, die Geschäftsführerin der Süd-Oberlausitzer Wasserversorgungs- und Abwasserentsorgungs mbH in Zittau, kurz Sowag. Das Zittauer Unternehmen führt die Geschäfte des Abwasserzweckverbandes, dem acht Mitglieder angehören.

Nun müssen Zittau, Olbersdorf, Mittelherwigsdorf, Großschönau, Hainewalde, Jonsdorf, Oybin und Bertsdorf-Hörnitz entscheiden, wie es an der Weststraße weiter geht. Dort hat die Stadtwerke Zittau GmbH ein Grundstück, dass sie neu strukturieren will. Nicht nur deswegen wäre es besser, wenn der AZV seinen Kanal, der durch das Gelände in Richtung Mandau führt, vorher erneuert. Und wie sich nach einer Kamera-Befahrung zeigte, ist der Kanal in einem schlechten Zustand. Grob geschätzt wird ihm noch eine Haltbarkeit von fünf bis sieben Jahren gegeben.

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Für die Verbandsorte heißt es jetzt abwägen. Verlegen sie hier jetzt einen neuen Kanal, so wie eigentlich geplant, sparen sie einerseits Baukosten, weil ja eh schon an der Äußeren Weberstraße gebaut wird. Aber dafür bekommen sie keine Fördermittel. Letztendlich wird es also teurer.

Eventuell noch teurer könnte es aber werden, wenn sie mit dem Projekt noch warten. Der Doppelhaushalt für Sachsen läuft noch bis 2022. Frühestens 2023 könnte also doch noch mit Fördermitteln gerechnet werden. Wobei es nicht sicher ist, ob es dann für den Kanalbau welche gibt. Im ungünstigsten Fall gibt es auch 2023 keine Fördermittel, die Baukosten sind gestiegen und weil es eine separate Baustelle ist, kann nicht so günstig gebaut werden.

Wenn sich Heike Neumann die Kosten für Bauarbeiten seit 2015 anschaut, rechnet sie fest mit höheren Kosten. "Seit 2018 kann man richtig sehen, wie plötzlich die Preise für Tiefbauarbeiten in die Höhe schossen", schildert sie.

Bevor die Mitgliedsgemeinden nun eine Entscheidung treffen, wird die Sowag erst einmal ein Kostenszenario aufstellen. Die Finanzierung könnte sich dann auf die Umlagen an die Mitglieder und die Abwassergebühren für die Bürger auswirken.

Das gesamte Rohrnetz des Abwasserzweckverbandes hat eine Länge von reichlich 1.000 Kilometern. "Wir sind bemüht, jedes Jahr etwa ein Hundertstel davon zu erneuern. Das muss dann immer 100 Jahre halten, um den Ist-Stand zu erhalten", sagt Heike Neumann. Zehn bis zwölf Kilometer Kanalbau werden meist jährlich geschafft.

2020 hatte der AZV einen Wasserverlust von 11,1 Prozent. Das sind etwa 46 Liter pro Stunde und Kilometer. Ziel ist, eigentlich nicht über zehn Prozent zu kommen. "Dabei gab es im vergangenen Jahr mit rund 150 noch nicht mal so viele Rohrbrüche", schildert die Geschäftsführerin. Aber das kann verschiedene Ursachen haben.

Seit Corona steigt in den Haushalten der Wasserverbrauch

Gestiegen ist 2020 gegenüber dem Vorjahr ebenso der Trinkwasserverbrauch in den acht Mitgliedsorten. Durch Corona sind die Leute mehr zu Hause gewesen. Der Wasserverbrauch stieg deshalb in den Haushalten mehr an, als der gesunkene Verbrauch in der Industrie während dieser Zeit. "Das hat schon ein bisschen verwundert, weil es ja nicht so ein heißer und trockener Sommer wie 2019 war", sagt die Geschäftsführerin.

Außerdem gab es beim Wasserverbrauch 2020 deutliche Schwankungen zwischen Zittau und den anderen sieben Gemeinden. In den Gebirgsorten Jonsdorf und Oybin sank der Wasserverbrauch enorm, was sicherlich mit den geschlossenen Ferienwohnungen, Bauden und Hotels zu tun hat, während er in den Kommunen anstieg.

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