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Schwerer Abschied vom Speisewagen

Sandra und Wolfgang Jordan können die Erlebnisgastronomie im Boahnl nicht weiter betreiben. Auch das Café Engel im Bahnhof Oybin müssen sie schließen.

Vor fünf Jahren, im Sommer 2015, hatten Sandra und Wolfgang Jordan den Speisewagen der Zittauer Schmalspurbahn übernommen.
Vor fünf Jahren, im Sommer 2015, hatten Sandra und Wolfgang Jordan den Speisewagen der Zittauer Schmalspurbahn übernommen. ©  Archiv: Matthias Weber

Diesen Abschied haben sich Sandra und Wolfgang Jordan anders vorgestellt. "Es ist wirklich sehr traurig, aber nicht zu ändern", sagt Sandra Jordan leise. Nachdenklich sitzt die 44-Jährige zu Hause an ihrem Küchentisch und nippt an ihrer Kaffeetasse. Zu Hause war sie bisher selten. Und Kaffee war bis vor Kurzem ihr Lebensinhalt. Köstliche Kuchen und Torten dazu. Aber damit ist nun Schluss.

"Ich weiß auch noch gar nicht, was ich künftig machen werde", sagt sie. "Aber vielleicht ist das ja auch noch mal eine Chance auf etwas ganz Neues." Es ist jetzt fünfeinhalb Jahre her, als Sandra und Wolfgang Jordan schon einmal eine neue Chance beim Schopfe gepackt haben. Als man die beiden langjährigen Inhaber des beliebten Café Engel in Oderwitz damals fragte, ob sie sich vorstellen könnten, den Speisewagen der Zittauer Schmalspurbahn zu übernehmen, sagten sie spontan zu.

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Die Geschäfte mit der Erlebnisgastronomie in der Bimmelbahn liefen so gut, dass Jordans aus Kapazitäts-, Logistik- und Zeitgründen ihr Café Engel von Oderwitz in den Bahnhof Oybin verlegten - Stammkunden inklusive. "Es war eine sehr schöne Zeit und eine Arbeit, die uns viel Spaß gemacht hat", sagt Wolfgang Jordan. "Es ist ja der vielleicht kleinste Speisewagen Europas - und der einzige noch bewirtschaftete einer Schmalspurbahn in Deutschland."

Jordans Erlebnisgastronomie während der Fahrt wurde schnell zum Kult: Gourmetfahrten mit Drei-Gänge-Menüs, rustikales Heizer-Frühstück, Weihnachtsmannfahrten, Silvesterbuffets - die Veranstaltungen waren meistens schon lange im Voraus ausgebucht.

Es ist alles zu viel geworden

Aber inzwischen, sagt Sandra Jordan, sei das alles zu viel geworden. Auch, weil der Betrieb des Speisewagens immer abhängig von der Soeg war. "Wenn gesagt wurde, die Züge fahren so und so, mussten wir mit." Wolfgang Jordan ist jetzt 64, bekommt nach 47 Arbeitsjahren verdient seine Rente. "Ich möchte jetzt auch mal kürzer treten", sagt er.

"Wir haben lange überlegt, wie wir das machen, und uns schließlich entschieden, den Speisewagen abzugeben und nur noch das Café zu betreiben", sagt er. Doch das wollte man bei der Soeg nicht. Mit der Begründung, dass man die Betreibung in einer Hand haben will, hat die Soeg, nachdem Jordans den Vertrag für den Speisewagen gekündigt hatten, ihrerseits den Vertrag für das Café gekündigt.

"Das war ein ziemlicher Schock für mich", sagt Sandra Jordan. "Das ist ja meine Existenz, ich wollte ja nicht aufhören." Besonders nahe sei es ihr gegangen, als sie ihre fünf langjährigen Mitarbeiter kündigen musste. "Ich hoffe, dass sie vielleicht bei unserem Nachfolger eine Chance haben", sagt sie.

Nach Auskunft von Soeg-Vertriebsleiter Danny Lehmann ist der Nachfolger bereits gefunden. Der Mittelherwigsdorfer Fleischermeister Andreas Wagner wird den Speisewagen und das Café im Bahnhof Oybin übernehmen. Nach dem Lockdown und der anstehenden Hauptuntersuchung des Speisewagens soll beides am 1. April wieder öffnen.

Sandra und Wolfgang Jordan freuen sich jetzt aber trotz allem auf die Zeit mit ihrer Familie, die in den letzten Jahren viel zu kurz gekommen ist. Sohn und Tochter, 21 und 17 Jahre alt, mussten schnell selbstständig werden. Und die fünf Enkel aus Wolfgangs erster Ehe hatten bisher auch nicht viel von ihrem Opa. "Wir sind unseren Kindern sehr dankbar, dass sie das die ganzen Jahre alles so mitgemacht haben", sagt Sandra Jordan. Es gab keinen Feierabend, keinen Urlaub, keine Wochenenden. Unbedingt möchte sie sich auch bei den vielen Stammgästen, den Reiseleitern und vor allem auch beim Zugpersonal bedanken.

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