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Kostet Corona die Sportvereine Mitglieder?

Überall hat der Trainingsbetrieb wieder angefangen. Nun beginnt das Hoffen und Bangen für Fußballer, Leichtathleten oder Boxer in der Region Löbau/Zittau.

Überall, so wie hier bei den Mädchen vom TSV 1861 Spitzkunnersdorf, wird in den Sportvereinen wieder trainiert. Trainerin Nicole Ehrentraut (vorn links) ist froh, dass es wieder losgeht.
Überall, so wie hier bei den Mädchen vom TSV 1861 Spitzkunnersdorf, wird in den Sportvereinen wieder trainiert. Trainerin Nicole Ehrentraut (vorn links) ist froh, dass es wieder losgeht. © Matthias Weber/photoweber.de

Saisonabbruch, keine Spiele, kein Training. Radikaler ging's nicht. Während im Fußball die Profis um Meisterschaft, Klassenerhalt und Aufstieg spielen konnten, war im Amateurbereich - von den Kindern bis zu den Erwachsenen - wegen der Corona-Pandemie die Saison mit einem Schlag abgebrochen worden. Und das galt für die Wettkämpfe und Spiele in allen Sportarten. Jetzt, wo die Inzidenzwerte auch im Landkreis Görlitz unter zehn liegen, geht es mit dem Training überall wieder los. Aber ist alles so wie vorher?

Deutschlandweit fürchten Vereine, Mitglieder nun im Nachwuchsbereich zu verlieren. Kinder wurden von ihren Eltern abgemeldet, um Beiträge nicht für Monate zahlen zu müssen, in denen kein Sport getrieben werden kann. Aber melden sie ihre Kinder nun wieder an?

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"Trau dich und komm vorbei. Unser Team sucht Verstärkung. Wir freuen uns über jede Spielerin", wirbt zum Beispiel gerade der TSV 1861 Spitzkunnersdorf für seine Mädchen- und Damen-Mannschaften. Der Verein sucht vor allem Mädchen ab dem Jahrgang 2010. Aber auch alle anderen Altersgruppen sind beim TSV herzlich willkommen. Die Spitzkunnersdorfer sind im Damenfußball das Non­plus­ul­t­ra im Landkreis. Und das wollen sie natürlich auch bleiben.

"Wir trainieren immer mittwochs und freitags ab 17 Uhr", erzählt Susann Schwarze. Zusammen mit Nicole Ehrentraut trainiert sie die Mädchen der B-Jugend. Noch sind nicht wieder alle an Bord. "Abgemeldet hat sich aber bisher keine der Mädels. Aber einige sind auch noch vorsichtig oder haben Angst wegen Corona schon zum Training zu kommen", schildert Susann Schwarze.

Dennoch sind die Spielerinnen froh, dass es endlich losgeht. "So, wie es aussieht, halten uns aber alle die Treue. Und wir haben auch Gott sei Dank keinen Sponsor verloren", fügt der Abteilungsleiter für Frauen- und Mädchenfußball, Heiko Kropp, hinzu.

Mitglieder im Männerbereich verloren

Peter Latuszek, der Vereinschef vom VfB Zittau, hofft, dass im Nachwuchsbereich alle wieder an Bord kommen. Allerdings sind im Männerbereich sechs bis sieben Spieler weg. "Das hat aber nichts mit Corona zu tun. Bei Studenten besteht immer die Gefahr, dass sie den Verein irgendwann verlassen werden", sagt er. Nach sieben Monaten Pause ist auch beim erfolgreichsten Zittauer Fußballverein der Trainingsbetrieb wieder losgegangen. Peter Latuszek hätte es gut gefunden, wenn die Sportverbände während der Pandemie ein Zeichen an die Vereine gesetzt hätten. "So aber mussten wir an den Landessportbund und andere die Gebühren in voller Höhe bezahlen, obwohl es kein Training oder Spiele gab", schildert er. Die Fußballvereine in Großschönau, Ostritz, Bertsdorf, Ebersbach, Schönau-Berzdorf, Oberseifersdorf haben zum Glück kaum Spieler verloren - auch nicht im Nachwuchsbereich. Der Abteilungsleiter Fußball vom TSV Großschönau geht davon aus, dass jetzt nach und nach auch im Nachwuchsbereich wieder alle Spieler kommen. "Wir sind auch froh, dass uns in der Corona-Zeit nur ein Sponsor abgesprungen ist", sagt er.

Ähnlich sieht es in anderen Sportarten aus. "Wir haben zurzeit keine großen Mitgliederrückgänge", berichtet beispielsweise Anita Strauch. Sie ist die Abteilungsleiterin für die Leichtathletik "Die Eisernen" beim OSC Löbau. Sofort, als es wieder möglich war, haben auch die Leichtathleten mit dem Training begonnen. "Natürlich unter der Einhaltung der AHA-Regeln und unseres Hygiene-Konzeptes", erzählt sie.

"Wir starten wieder voll durch", wirbt auch die HSG Turbine Zittau auf ihrer Internetseite für ihre Sportabteilungen. Wie in den anderen Vereinen erhalten hier die Mitglieder über WhatsApp-Gruppen beziehungsweise die Homepage die Informationen, wann wie trainiert wird. "Wir haben einige Abmeldungen", sagt Ina Zscherper. Der HSG-Geschäftsführerin bereiten aber vor allem die sehr wenigen Neuanmeldungen Sorgen.

Boxer setzen ein Zeichen und übernehmen Tierpatenschaft

Hart getroffen hat das Corona-bedingte Wettkampf- und Trainingsverbot auch die Boxer der HSG Turbine. "Wir hatten seit Mai 2020 keine Wettkämpfe mehr", sagt der HSG-Abteilungsleiter vom Boxclub Dreiländereck, Stefan Brussig. Jetzt gibt es seit etwa einem Monat wenigstens Einzeltraining. "In den nächsten Tagen wollen wir aber auch wieder mit Sparringspartnern trainieren", sagt er. Boxen ist ein Zweikampfsport. Die Ringerfahrung ist da sehr wichtig, um erfolgreich einen Wettkampf bestreiten zu können. Der Boxclub Dreiländereck will zwar in diesem Jahr wieder an Wettkämpfen teilnehmen, selber in Zittau wird er aber diesmal keine ausrichten, so Stefan Brussig.

Eigentlich wollte der Boxclub Dreiländereck in der Zeit der Corona-Zwangspause die Mitgliedsbeiträge erlassen. Aber das ist steuerlich schwierig. Mit dem Geld haben die Boxer dafür etwas anderes getan. Von einem Teil des Mitgliedsbeitrages übernahmen sie für ein Jahr die Patenschaft für einen Pinguin im Zittauer Tierpark. "Wir wollten ein Zeichen setzen und jemanden helfen, den es durch Corona noch schlechter geht. Und im Tierpark ist das Geld gut aufgehoben, dachten wir", sagt Stefan Brussig.

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Mit zehn Boxern hat die Abteilung der HSG immerhin quer durch alle Altersgruppen etwa 20 Prozent ihrer Mitglieder während der Zwangspause verloren. "Jedes verlorene Mitglied tut weh. Wir wollen jetzt eine Werbeaktion starten und hoffen auch, dass es sich rumspricht, dass man bei uns wieder boxen kann", schildert er.

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