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Wenn Mamas ihre Babys verlieren

Eine Hebamme kümmert sich in Zittau um Mütter von Sternenkindern. Zwei von ihnen erzählen, wie es ihnen geholfen hat.

Hebamme Renate Fiebiger im Kursraum der Hebammenpraxis Zittau mit Susann Zabel und Elisa Scholz (von rechts).
Hebamme Renate Fiebiger im Kursraum der Hebammenpraxis Zittau mit Susann Zabel und Elisa Scholz (von rechts). © Matthias Weber/photoweber.de

Susann Zabel und Elisa Scholz vereint der größte Verlust, den eine Mutter haben kann. Die 31-jährige Zittauerin und die 33-jährige Oybinerin haben beide während der Schwangerschaft ihr Kind verloren. "Ich bin in der zwölften Schwangerschaftswoche gewesen, als plötzlich beim Ultraschall kein Herzschlag festgestellt wurde", erzählt Elisa Scholz. Es wäre ihr erstes Kind gewesen.

Die heute 33-Jährige ist von Anfang an offen damit umgegangen. Wenn es auch noch so schrecklich war, dass Thema ist nie ein Tabu gewesen, weder in der Verwandtschaft noch bei Freunden. Auch wenn es ihr schwerfiel, den Verlust ihres Babys zu verarbeiten. "Ich habe ein Lied gehabt und ein Symbol, die mir in dieser Zeit sehr geholfen haben, und die mir immer noch sehr viel bedeuten", sagt sie. Ihr Symbol ist ein Schmetterling.

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Kurze Zeit, nachdem sie ihr Baby verloren hatte, flatterte eine Woche lang immer ein Schmetterling in ihrem Zimmer herum. Und auch danach hatte sie das Gefühl, als ob sie plötzlich häufiger einen Schmetterling sehen würde, als früher. Auch ihren Mann nahm die Nachricht, dass sie ihr Kind verloren haben, sehr mit. Zusammen hatten die beiden damals immer wieder ihr Lied gehört und irgendwie hat es ihnen geholfen, den Verlust etwas besser zu verarbeiten.

Damals, im Jahr 2016, wäre sie froh gewesen, wenn es die Selbsthilfegruppe "Sternenkinder Zittau und Umgebung" bei Hebamme Renate Fiebiger in Zittau schon gegeben hätte. "Wir hatten uns irgendwann gesagt, dass so eine Gruppe für Frauen wichtig ist", erzählt sie. Und seit 2019 gibt es sie nun. Viele junge Muttis, die ihr Baby verloren haben, brauchen und nutzen dieses Angebot.

Plötzlich schlug auch bei ihrem Kind das Herz nicht mehr

So wie Susann Zabel. Die 31-jährige Zittauerin sitzt heute ganz glücklich in der Runde im Kursraum der Hebammenpraxis von Manuela Otto, zu der Renate Fiebiger gehört. Instinktiv hält Susann Zabel ihre Hände über ihren Bauch. "Ich hoffe, ich bekomme in zwei Monaten ein gesundes Baby", sagt sie. So lange wünscht sie sich das nun schon mit ihrem Mann. Und diesmal verläuft alles gut. Aber auch sie musste schon eine schwere Zeit durchmachen.

2019 schlug in der 18. Schwangerschaftswoche plötzlich bei ihrem Kind das Herz nicht mehr. Davor hatte sie schon mal ein Embryo verloren. Weil es beim zweiten Mal schon in der 18. Woche war, musste sie das tote Kind zur Welt bringen. "Ich dachte auch das noch", erinnert sie sich. Ihr Mann stand ihr zur Seite und war bei der Geburt dabei.

Sie hätte ihr totes Kind gern sehen wollen, aber die Hebamme und Oberärztin im Krankenhaus rieten ihr davon ab. Dennoch wird ein Foto von dem Neugeborenen gemacht. Das hat sich Familie Zabel schicken lassen. Monate später hat sie sich das Foto zu Hause angesehen. "Mein Mann hat es sich zuerst angeschaut und es mir dann gegeben. Ich bin froh, dass ich es gesehen habe", schildert sie.

Solche Fotos werden in einem Krankenhaus natürlich nur nebenbei gemacht. Weil sich Susann Zabel aber für die Fotografie interessiert, weiß sie inzwischen, dass es deutschlandweit Fotografen gibt, die kostenlos Frühchen, die den Weg in die Welt nicht geschafft haben oder von Fehlgeburten auf freiwilliger und kostenloser Basis für die Eltern fotografieren. Bundesweit haben sich über 500 Fotografen dafür in der "Dein-Sternekind-Stiftung" zusammengeschlossen - auch in Sachsen.

"Die machen wirklich richtig gute und einfühlsame Fotos", erzählt Susann Zabel. Je nachdem, wie das Kind schon entwickelt war, fotografieren sie es ganz, nur ein Detail wie etwa ein kleines Händchen oder ein Erinnerungsstück, was die Eltern mit dem kleinen Wesen, dass es nicht geschafft hat, verbindet.

"Auch so etwas hilft einem, den Verlust besser zu verarbeiten", fügt Elisa Scholz hinzu. Sie hat inzwischen mit ihrem Mann zwei Jungs bekommen. Der Jüngste ist erst fünf Monate alt. Mütter, die nach Fehlgeburten wieder Kinder bekamen, sind sonst eigentlich nicht mehr in der "Sternenkinder-Gruppe" von Renate Fiebiger. "Das könnte vielleicht unter den betroffenen Frauen zu Irritationen führen", befürchtet die Hebamme.

Darüber zu reden, fällt oft schwer

Elisa Scholz macht es dennoch, aber aus einem anderen Grund. Sie unterstützt zusammen mit Constanze Wolf die Hebamme bei der Selbsthilfegruppe. Bis aus Görlitz suchen Frauen, die ihr Baby verloren haben, bei ihnen Hilfe und Rat. Kürzlich ist sogar mal ein Vati dabei gewesen.

Über die Gruppe hinaus, helfen die drei Frauen auch bei der Feierstunde und der Beerdigung für die verstorbenen Kinder. Alle still geborenen Kinder mit einem Gewicht unter 500 Gramm werden in Deutschland nämlich ebenso beerdigt. Und das immer zusammen einmal im Jahr am ersten Sonntag nach dem Totensonntag auf dem städtischen Friedhof in Görlitz. Die Anzahl der Kinder liegt jährlich im dreistelligen Bereich. Allerdings sind da auch die Schwangerschaftsabbrüche mit dabei.

Übrigens ist die "Sternenkinder-Gruppe" auch für Frauen, die einen Schwangerschaftsabbruch hinter sich haben, eine Anlaufstelle. Schließlich gibt es Frauen, die es bereut haben oder aus den unterschiedlichsten Gründen abbrechen ließen und im Nachhinein damit nicht fertig werden.

Jeden ersten Dienstag im Monat treffen sich die "Sternenkinder"-Muttis um 20 Uhr im Kursraum der Hebammenpraxis in der Rathenaustraße 18A in Zittau. Auch unangemeldet kann man hier dazu kommen. Auf Wunsch sind ebenso Einzelgespräche möglich. Oftmals melden sich auch bei Hebamme Renate Fiebiger betroffene Mütter nur am Telefon, um über ihren Verlust zu reden. Meist gesellen sie sich dann aber zu der Gruppe hinzu. Zusammen ist es oft einfacher, darüber hinwegzukommen.

Denn Renate Fiebiger gewinnt schnell das Vertrauen der Leute. Und Susann Zabel und Elisa Scholz wissen auch warum. Sie ist Hebamme, einfühlsam, glaubhaft und hat selbst vier Kinder.

Übrigens haben auch Frauen nach Totgeburten Anspruch auf Hebammen-Betreuung. "Viele betroffene Mütter wissen das leider nicht. Aber ihre Hebammen oder wir als Sternenkinder-Gruppe würden ihnen helfen", sagt Renate Fiebiger. Die Sternenkinder-Gruppe ist auch auf Facebook erreichbar.

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