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Leutersdorf vor kniffligem Straßen-Projekt

Die Bauarbeiten sind dringend notwendig. Aber die Händler an der Straße würden sie möglichst gern weit hinausschieben.

Auf der Spitzkunnersdorfer Straße in Leutersdorf sind Bauarbeiten geplant. Vielleicht sogar unter Vollsperrung. Die Gewerbetreibenden fürchten um ihre Kunden.
Auf der Spitzkunnersdorfer Straße in Leutersdorf sind Bauarbeiten geplant. Vielleicht sogar unter Vollsperrung. Die Gewerbetreibenden fürchten um ihre Kunden. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Es gibt durchaus schlechtere Straßen, als die Ortsverbindungsstraße zwischen Spitzkunnersdorf und Leutersdorf, könnte man meinen. Doch der Schein trügt. Der Fahrbahnbelag ist abgenutzt. Deshalb will das Landesamt für Straßenbau- und Verkehr - kurz Lasuv - die Asphalt-Decke der Spitzkunnersdorfer Straße vom Zittauer Platz bis zur Fleischerei Herzog in den folgenden Jahren erneuern. Darüber hat das Landesamt jetzt die Gemeinde informiert.

Bürgermeister Bruno Scholze (CDU) würde am liebsten sofort bauen lassen. Aber er weiß auch um die Brisanz des Themas. Die Gewerbetreibenden entlang der Straße fürchten drastische Umsatzeinbußen bei einer möglichen Vollsperrung. Bruno Scholze hatte das Projekt vor geraumer Zeit schon mal angesprochen. Denn noch dringender als ein neuer Straßenbelag sind in diesem Bereich der Straße die Regenwasserdurchlässe und -einläufe. Hier muss unbedingt etwas gemacht werden. "Sie könnten langsam einbrechen", sagt er.

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Die Gemeinde ist in einer Zwickmühle. Niemand spricht es offen aus. Aber die ersten Auswirkungen der Kosten wegen der Corona-Pandemie zeichnen sich ab. Das Land Sachsen hat drastisch die Ausgaben für den Straßenbau gekürzt. Die Gemeinde Leutersdorf braucht deshalb für ihren Teil des Projektes erst gar keine Fördermittel beantragen, hieß es. "Deshalb sollten wir nicht zu lange warten und froh sein, wenn das Landesamt bei uns bauen will", so der Bürgermeister.

Logisch, dass alles in einem Zug erledigt werden soll. Das Lasuv soll zudem anteilig an den Kosten für den Neubau der Regenwasserdurchlässe und -einläufe beteiligt werden. Darüber will die Gemeinde mit dem Landesamt eine Vereinbarung abschließen.

Aber, so notwendig die Arbeiten auch sein mögen, den Geschäftsinhabern an der Spitzkunnersdorfer Straße kommen die Bauarbeiten zum jetzigen Zeitpunkt sehr ungelegen. Das wissen die Gemeinderäte. Deshalb sollten sie nun beschließen, in welchem Jahr gebaut werden soll. Darüber wurde jetzt auf der Ratssitzung ausgiebig diskutiert. Angesichts möglicher weiterer Preissteigerungen schlugen einige Gemeinderäte vor, möglichst schnell, also gleich 2022 zu bauen. Dagegen gab es jedoch heftigen Widerstand von Gewerbetreibenden.

Große Existenzsorgen

"Lasst uns doch nach Corona wenigstens ein Jahr etwas Luft holen. Wenn wir sofort nach der Corona-Zwangspause die Straße zu uns voll sperren, dann bin ich erledigt", schilderte Gemeinderat Thomas Ratzmann (Freie Wähler). Er betreibt an der Straße ein Fahrradgeschäft mit Werkstatt.

Für das komplette nächste Jahr hat er schon sein Kontingent für Fahrräder und Zubehör ordern müssen. "Ich habe acht Mitarbeiter, für die ich verantwortlich bin", sagt er. In seinem Fahrradgeschäft haben neben ihm noch zwei weitere Mitarbeiter einen Vollzeit-Job, dazu kommen ein Lehrling und vier Mitarbeiter in Teilzeit.

Auch Gemeinderat Sebastian Herzog (Freie Wähler) sprach sich für einen späteren Baubeginn aus. Seine Fleischerei liegt ebenfalls an der Straße. "Wenigstens einen Puffer von einem Jahr nach der schwierigen Zeit jetzt, sollte man uns lassen", berichtete er. Er fragte auch, wie lange die Bauarbeiten dauern und in welchen Abschnitten gebaut wird.

Länge der Bauzeit nicht absehbar

Aber auf all das gibt es noch keine Antworten. Anders als bei der Hauptstraße (jetzt Sachsenstraße) in Leutersdorf plant das Projekt diesmal nicht die Gemeinde, sondern das Lasuv. Die Gemeindeverwaltung fühlt sich dazu derzeit nicht in der Lage. "Wir können nicht sagen, ob es drei Monate dauert, ein Jahr oder noch länger, weil wir nicht wissen, was uns erwartet, wenn wir die Straße aufmachen", berichtet der Bürgermeister. Ein Teil der Straße zwischen der Kreuzung am Zittauer Platz und der Fleischerei Herzog wird sicherlich grundhaft ausgebaut. Auch deshalb ist völlig offen, ob unter voll- oder teilweise halbseitiger Sperrung gebaut wird.

"Wir müssen gut miteinander kommunizieren, damit wir planen können", riet Sebastian Herzog. Zeitige Informationen wünscht sich Ines Hockauf. Sie betreibt an der Spitzkunnersdorfer Straße das Geschäft "Hockauf's Schuhe und Lederwaren". "Diesmal sollte es anders laufen, als bei der Baustelle an der Hauptstraße", sagt sie. Sie möchte nicht erst informiert werden, wenn schon alles feststeht. Gar nicht gut fand sie, dass bei den Arbeiten an der Hauptstraße schon kurz nach Zittau und in anderen Orten darauf hingewiesen wurde, dass Leutersdorf gesperrt ist. "Da müsste gleichzeitig auch stehen, wie man die Geschäfte dennoch erreicht", sagt sie.

Bürgermeister Bruno Scholze schlug als möglichen Baubeginn 2023 vor. Dem Beschlussvorschlag schlossen sich die Gemeinderäte einstimmig an. "Aber eine Umleitung zu finden, wird schwierig, weil das Umfeld eben aus vielen kleinen Anliegerstraßen besteht", erzählt er.

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