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Jubel

Nie im Leben mache ich das noch mal

Redakteure zeigen zum 75. SZ-Geburtstag Erinnerungsstücke von besonderen Recherchen. Warum Holger Gutte für einen Artikel nicht mehr alles macht.

Diesen Artikel wird SZ-Redakteur Holger Gutte nicht vergessen.
Diesen Artikel wird SZ-Redakteur Holger Gutte nicht vergessen. © Matthias Weber/photoweber.de

Als Redakteure erleben wir jeden Tag spannende Geschichten und haben interessante Begegnungen. Manche bleiben besonders in Erinnerung. Hier zeigen die Mitarbeiter der Redaktion Löbau-Zittau Erinnerungsstücke aus ihren Schreibtischschubladen, die sie von einer Recherche mitgebracht haben und erzählen, was sie damit verbinden.

Nie im Leben hätte ich das gemacht, wenn ich vorher gewusst hätte, auf was ich mich da einlasse. Und auch unser Fotograf nicht. Es war Ende Juli 2001, einen Tag vor der Eröffnung des Gierschdurfer Schissn. Damals arbeitete ich in der Löbauer Lokalredaktion. Ein Österreicher hatte die Attraktion der Rummelszene nach Neugersdorf gebracht. "Das Highlight schlecht hin", wurde es groß angekündigt. Wir wollten in der SZ darüber berichten und den Jakobimarkt ankündigen.

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Etwas Wortkarg musterte uns der Besitzer. Sein über eine Million teures Slingshot ist nigelnagelneu. Mehr will er aber dazu nicht verraten. "Das ist wie im Raumschiff. Nur, wenn du selber fliegst, kannst du auch darüber schreiben", sagte Bremens damalige 77-jährige Schaustellerlegende Manfred Löwenthal und grinst.

Ich zuckte mit den Schultern, und ließ mich darauf ein, wie auch unser Fotograf. Wir hatten keine Ahnung was passiert. Also, warum nicht mal für ein paar Minuten einen Adrenalinschub mitnehmen. Wir legten Notizheft, Stift und Fotoapparat beiseite und setzten uns in diese, mit wenigen Rohren geformte Metallkugel. Es gibt auch nur zwei Sitze darin.

Die beiden haben ihren Spaß im Slingshot. Aber sie wussten, worauf sie sich einlassen.
Die beiden haben ihren Spaß im Slingshot. Aber sie wussten, worauf sie sich einlassen. © Steffen Scholz/Repro-Archiv

"Das reicht nicht, ihr müsst schon sicherheitshalber eure Hosentaschen richtig leer machen", sagte einer der Mitarbeiter, während ein anderer schon darauf wartete, endlich den Bedienknopf für den Testflug drücken zu können. Also gab ich ihm auch noch meinen Autoschlüssel. Mit Überrollbügeln und Sicherheitsgurten gehalten, kippte man uns langsam in Liegeposition nach hinten.

Gespannt schauten ein paar Mitarbeiter zu, die das Slingshot mit aufgebaut hatten. Da werden Sekunden zur Ewigkeit und trotzdem bleibt keine Zeit, darüber nachzudenken wie die sechs Tonnen Zugkraft der Stahlseile, an denen man gerade hängt, auf einen wirken. Nur einen Wimpernschlag später weiß man es.

Aus dem Stand heraus mit 150 Kilometer pro Stunde wird die Kugel in die Höhe katapultiert. 65 Meter über Neugersdorf bleibt man ruckartig stehen und hat keine Chance, die Aussicht zu genießen, weil der Schwung den Sitz kopfüber eine 360 Grad Drehung und noch ein paar Schaukeleinlagen machen lässt.

Dann saust man wieder ab in die Tiefe und bleibt auf halber Strecke wieder ruckartig stehen, um im nächsten Moment erneut in die Höhe geschossen zu werden. So geht es zweieinhalb Minuten.

Danach geht man erst mal ohne Appetit am nächsten Bratwurststand vorbei. Zumindest, wenn man sonst eigentlich auf Jahrmärkten nicht gerade auf solche Art von Nervenkitzel aus ist. Ich mag Geschwindigkeiten, aber ich weiß nicht, ob ich mich noch mal aus dem Stand so hoch katapultieren lasse oder noch schlimmer - in 65 Metern Höhe Kopf über hängen will, ohne zu wissen, wie es weitergeht. Den Artikel habe ich mir jedenfalls aufgehoben.

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