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Taubenplage in Olbersdorf wird immer schlimmer

Seit Jahren wird das Taubenproblem in Olbersdorf immer größer. In der Grundbachsiedlung schildert ein Mieter, was sich dort täglich abspielt.

Günter Erlmann mit Kater Dicker auf dem Balkon ihrer Wohnung in der Olbersdorfer Hochwaldstraße. Er hat seinen Balkon wegen seiner zwei Katzen mit einem Netz verhangen und so auch etwas Ruhe vor den Tauben.
Günter Erlmann mit Kater Dicker auf dem Balkon ihrer Wohnung in der Olbersdorfer Hochwaldstraße. Er hat seinen Balkon wegen seiner zwei Katzen mit einem Netz verhangen und so auch etwas Ruhe vor den Tauben. © Matthias Weber/photoweber.de

Olbersdorf. Wenn Familie Erlmann vom Balkon ihrer Wohnung in der Grundbachsiedlung in Olbersdorf sieht, ärgert sie sich. 73 Tauben hat Günter Erlmann jetzt auf dem Dach des gegenüberliegenden Wohnhauses gezählt. Schön in Reih und Glied sitzen sie da und gurren nicht nur vor sich hin. Ihre Hinterlassenschaften sind allgegenwärtig. Das Taubenproblem im Wohngebiet ist nicht neu. Es läuft aber seit fünf, sechs Jahren aus dem Ruder und wird immer schlimmer.

In Reih und Glied sitzen die Tauben auf dem Dach des gegenüberliegenden Wohnblocks der Familie Erlmann. 73 haben sie erst kürzlich auf dem Dach gezählt. Auch dieses Foto der Familie ist nicht alt.
In Reih und Glied sitzen die Tauben auf dem Dach des gegenüberliegenden Wohnblocks der Familie Erlmann. 73 haben sie erst kürzlich auf dem Dach gezählt. Auch dieses Foto der Familie ist nicht alt. © privat

Familie Erlmann hat nichts gegen Tauben. "Jedes Geschöpf hat seine Daseinsberechtigung. Aber hier nimmt es einfach überhand", erzählt das Rentnerehepaar. Günter Erlmann hatte einmal die Gelegenheit, bei einer offenen Tür in eine der leer stehenden Wohnungen einen Blick auf den Balkon zu werfen. "Der Fußboden war mehrere Zentimeter hoch mit Taubenkot übersät", berichtet er.

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Da wundert es ihn nicht, dass bei Regen der Kot die Hauswände runterläuft. Erlmanns sorgen sich deshalb auch wegen der Gesundheitsgefährdung. Sie wissen, dass man Taubenkot nicht einfach so entfernen soll. Der stark säurehaltige Kot ist ein idealer Nährboden für Pilze, Keime und Krankheitserreger. Trotzdem machen sie den Kot, wenn mal welcher die Hauswand runter und auf ihren Balkon läuft, schnell weg.

Die Tauben selber haben auf Erlmanns Balkon keine Chance. Den hat Günter Erlmann persönlich mit einem Netz komplett verhangen. Das Netz hat die Familie aber weniger wegen der Vögel, sondern vielmehr wegen ihrer zwei Maine-Coon-Katzen-Mischlinge angebracht. Dass es auch die Tauben abhält, ist ein guter Nebeneffekt. Denn längst machen die Vögel um die Balkons der bewohnten Wohnungen keinen Bogen mehr.

Der Häuserblock gegenüber der Familie mit den über 70 Tauben ist kein Einzelfall. "Hier gibt es kaum ein Haus, wo die Tauben nicht sind", berichtet der 71-Jährige. Das kommunale Wohnungsunternehmen KWV will schon seit einigen Jahren die Wohnblöcke verkleinern. Die beiden oberen Stockwerke sollen zurückgebaut werden.

Wegen der hohen Kosten ist das aber nur schrittweise möglich. So sind die fünften und sechsten Stockwerke einiger Häuser unbewohnt. Ideale Brutstätten und Aufenthaltsorte für Tauben. "Die brüten mehrmals im Jahr", schildert Günter Erlmann. Und nicht nur auf den Balkons, auch auf den Bäumen ringsum. Auf dem Baum vor seinem Balkon kann er das gut beobachten.

Günter Erlmann ist stolz, dass sein Netz auf dem Balkon dicht ist. "Nicht so wie die Netze, die der Vermieter hat bei einigen Wohnungen bereits aufhängen lassen", sagt er. Da würden die Tauben an der Schräge der Wand rein können. Das hat Günter Erlmann schon beobachtet. Er weiß auch, dass die KWV nicht einfach Gift streuen kann. Die Hoffnung, dass Falken das Problem vielleicht lösen könnten, funktioniert ebenso nicht. Die Greifvögel leben nicht in Scharen, wie Tauben. Und die Einzeltiere holen sich zwar ab und zu eine Taube. Aber sie jagen naturgemäß nur so viel, wie sie fressen.

Die Preisentwicklung ist utopisch

"Ja, die Tauben sind ein Problem", gesteht KWV-Geschäftsführer Karsten Hummel bei der auch Familie Erlmann eine Mietwohnung hat. Der Großteil der immer stärker werdenden Tauben-Population stammt aus Zittau. Dort haben sich die Tiere wegen der ebenfalls großen Anzahl gegenseitig verdrängt, schildert er.

Damit die Tauben nicht mehr auf den ungenutzten Balkons der oberen beiden Stockwerke der KVW-Häuser sich tummeln und brüten können, sollen diese alle mit Netzen verhangen werden. "Aber die Lieferfristen wurden nicht eingehalten. Wir haben wochenlang auf die Netze gewartet", sagt Karsten Hummel. Jetzt sind sie da.

Angefangen wird dort, wo die Situation für die Hausbewohner am akutesten ist. Der KWV-Geschäftsführer bemerkt aber auch, das das Wohnungsunternehmen nur dort handeln kann, wo ihnen die Häuser gehören. In der Grundbachsiedlung gibt es vier Großvermieter.

In diesem Jahr ist es besonders schlimm. Der Taubenkot läuft bereits an einigen Hauswänden herunter. Und wann es mit dem Rückbau der zwei oberen Stockwerke weitergeht, steht derzeit in den Sternen. Beim Rückbau eines Wohnblocks in der Buchbergstraße haben noch 700.000 bis 800.000 Euro gereicht. Da ist das neue Dach mit dabei gewesen und ebenso das Verlegen der Versorgungsleitungen.

Jetzt müsste die KWV nur für den Rückbau von zwei Etagen eines Hauses über eine Million Euro einplanen. Und da sind die Kosten für das Verlegen der Versorgungsleitungen noch nicht mit dabei. "Die Preisentwicklung ist utopisch", sagt er. Im Moment werde das Wohnungsunternehmen bei der Entwicklung solcher Baupreise einfach ausgebremst.

"Aber auch beim Reinigen und beim Abnetzen sind wir von den Kapazitäten der Firmen abhängig", so der Geschäftsführer. Seit einigen Tagen geht das Vernetzen der Balkons nun weiter und eine Firma hat auch schon begonnen, den Taubenkot zu beseitigen.

Monika und Günter Erlmann geht das alles zu langsam. Sie sind enttäuscht. Unter der Überschrift "Die lästigen Vögel von Olbersdorf" berichtete die SZ bereits vor einem Jahr am 25. Juli 2020 von dem Problem, das sich seitdem nur noch verschlimmert hat. "Ein Jahr ist vergangen und nichts ist passiert", sagt Günter Erlmann. Er weiß von einem Mieter, der deshalb nun Mietminderung beantragen will.

Die Tauben wieder loszuwerden, funktioniert scheinbar nur durch Vertreiben. Das heißt Rückbau oder ihnen wenigstens mit den Netzen die Brutplätze zu nehmen.

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