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"Kandidat 77, drücken Sie die 1"

Ein Oderwitzer ist zum wiederholten Mal in das Visier von Telefonbetrügern geraten. Sie nutzen eine neue Masche, die auch Verbraucherschützer noch nicht kennen.

Symbolfoto.
Symbolfoto. © Sebastian Gallnow/dpa (Symbolfoto)

Am Montag war es wieder passiert. Zwischen 16 und 17 Uhr klingelte bei Mathias Fiedler in Oderwitz das Telefon. Er ging ran und wieder hörte er diese Tonbandstimme. Er sei Kandidat 77, sagte sie zu ihm. Und er könne sich freuen, denn er habe 500 Euro gewonnen. Freundlich forderte ihn die Stimme am anderen Ende der Leitung auf, die Taste 1 auf seinem Telefon zu drücken, damit er an das Geld kommt.

"Das habe ich natürlich nicht gemacht. Womöglich wäre ich dann auf eine teure Leitung gelenkt worden, bei ich vielleicht zehn Euro pro Minute oder noch mehr bezahlen müsste", erzählt Mathias Fiedler.

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Auf die leichte Schulter nimmt es der Oderwitzer aber nicht. Er macht sich Sorgen um andere, vor allem ältere, gutgläubige Bürger. Es ist nicht das erste Mal, dass sich Trickbetrüger bei ihm telefonisch melden.

"Aber auf diese Masche kann man leicht reinfallen", sagt er. Denn sein Telefon zeigte eine Vorwahl mit 035 an. Mehr hat sich Mathias Fiedler auf die Schnelle nicht gemerkt. Bei einer 0180er oder 0190er Nummer wäre er vorsichtiger gewesen. So aber ist er gleich rangegangen, weil er dachte, es könnte ein Bekannter sein. Und auch auf den Hinweis, bei dem Gespräch nur auf die Taste 1 zu drücken, könnte man leicht reinfallen, vermutet er.

Vor ein paar Tagen hatte er schon mal den gleichen Anruf, sich aber nichts dabei gedacht und einfach aufgelegt. Mathias Fiedler hat Erfahrung mit Trickbetrügern. Vor ein paar Jahren hatten sich schon mal welche bei ihm gemeldet. "Der Anrufer war ganz hartnäckig ", sagt er.

Damals sprach er am Telefon mit keiner Tonband-, sondern mit einer echten Stimme. Wieder wurde er über einen angeblichen Gewinn informiert. Um ihn erhalten zu können, sollte er in einem Supermarkt eine Steam-Karte im Wert von mindestens 140 Euro kaufen. Steam-Karten sind Guthaben-Karten für den Online-Dienst Steam, über den Videospiele angeboten werden. Auf der Karte sollte er dann die Code-Nummer frei rubbeln und diese dem Anrufer durchsagen. "Dafür brauche ich aber eine Stunde, hatte ich dem Mann am Telefon damals gesagt", erzählt Mathias Fiedler.

Der Anrufer ließ nicht locker

Prompt rief der Unbekannte nach einer Stunde wieder an. Und Mathias Fiedler berichtete ihm auch, dass er den Code frei gerubbelt hat. "Ihr A...-löcher könnt mich mal, steht drauf", hatte er ihm geantwortet. Das fand der Gesprächspartner natürlich nicht lustig. "Wir haben über drei Stunden diskutiert. In der Zeit kann er wenigstens niemanden schaden, dachte ich mir", schildert der Oderwitzer.

Eine Steam-Karte hatte Mathias Fiedler damals natürlich nicht gekauft, aber wegen des Anrufes Anzeige bei der Polizei gestellt. Nach etwa vier Wochen seien die Ermittlungen eingestellt worden, erfuhr er und war enttäuscht. Jetzt hat er sich gleich an die SZ gewandt, weil er hofft, so vielleicht andere vor Schaden zu bewahren.

Von dieser Masche der Trickbetrügerei hat Katrin Pötschke von der Verbraucherzentrale Sachsen in Görlitz zwar noch nicht gehört, aber dafür seien eine Reihe von anderen Betrugsversuchen übers Telefon gang und gäbe, bei denen die Verbraucherzentrale um Rat gebeten werde. Mathias Fiedler hat sich richtig verhalten. "Man darf auf keinen Fall auf solche Anrufer eingehen und nichts von sich preisgeben. Am besten ist es, das Gespräch sofort zu beenden", rät sie.

Und auch von einer Telefonnummer aus der Region sollte man sich bei solchen Anrufen nicht täuschen lassen. "Die könnte manipuliert sein", sagt Katrin Pötschke. Und sie empfiehlt auch eine Anzeige gegen Unbekannt bei der Polizei.

Das sollte Herr Fiedler und jeder andere, der einen solchen Anruf erhält, unbedingt tun", ermutigt die Pressesprecherin der Polizeidirektion in Görlitz, Franziska Schulenburg. Anders als bei der Verbraucherzentrale ist diese Masche, mit der Trickbetrüger es jetzt bei Mathias Fiedler versucht haben, bereits bekannt. "So etwas anzuzeigen, ist sogar zwingend notwendig", sagt sie. Der Polizei hilft das bei ihren Ermittlungen gegen die Betrüger, weil es unter anderem Aufschlüsse über deren Aktionsradius gibt. Und wie sie schildert, benutzen solche Täter oft manipulierte Telefonnummern.

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