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Die Tiger-Gruppe in Corona-Quarantäne

Ein Großschönauer Kita-Kind ist positiv auf Covid 19 getestet worden. Für den Jungen und seine Spielkameraden heißt das jetzt Hausarrest - strenger als im Lockdown.

Nur der Kürbis lacht: Das Zimmer der Tiger-Gruppe in der Großschönauer Awo-Kita "Kinderland" ist verwaist, die Kinder aus der Gruppe müssen zu Hause bleiben.
Nur der Kürbis lacht: Das Zimmer der Tiger-Gruppe in der Großschönauer Awo-Kita "Kinderland" ist verwaist, die Kinder aus der Gruppe müssen zu Hause bleiben. © Matthias Weber

Das Zimmer der Tiger-Gruppe ist leer. Die Kinder und ihre Erzieherin dürfen vorerst nicht mehr ins Haus. Sie dürfen im Moment überhaupt nirgends hin! An der Kita "Kinderland" in Großschönau hat es einen "Corona-Fall" gegeben. 

Marika Dahms blickt nachdenklich. "Wir mussten ja damit rechnen, dass so etwas jederzeit passieren kann", sagt die Sozialpädagogin, die die Kita leitet. "Wir sind auch darauf vorbereitet. Aber wenn ich daran denke, was das für die Kinder jetzt bedeutet ..." Marika Dahms spricht den Satz nicht zu Ende.

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Am vergangenen Freitag ist ein Kind aus der Tiger-Gruppe als Kontaktperson im Zusammenhang mit einem anderen Fall vorsorglich auf Covid 19 getestet worden. Am Sonnabend hat festgestanden: Der Junge trägt das Virus in sich. "Die Mutti hat sich meine Handy-Nummer besorgt und mich sofort zu Hause angerufen", erzählt die Kita-Leiterin.

Und damit setzt sie in Gang, was für solche Fälle akribisch geplant und vorbereitet ist: Am Sonntag fährt Marika Dahms in die Einrichtung und sucht in den Anwesenheitslisten nach allen Kindern, die mit dem infizierten Jungen in einer Gruppe waren - rückwirkend bis zum vorigen Mittwoch. Die Kontakte muss sie den diensthabenden Mitarbeitern im Görlitzer Gesundheitsamt melden.

15 Kinder müssen zu Hause bleiben

Es sind die Namen von 14 weiteren Kindern und einer Erzieherin - fast die ganze Tiger-Gruppe. Nur ein Mädchen aus der Gruppe, die an den fraglichen Tagen nicht da war, darf jetzt weiter in die Kita kommen. Für alle anderen ordnet das Gesundheitsamt eine 14-tägige Quarantäne an - bis zum 13. Oktober. Noch am selben Tag werden alle betroffenen Eltern informiert.

Marika Dahms macht sich Sorgen: Sie weiß, dass die Quarantäne für die Kinder jetzt faktisch ein strenger Hausarrest ist. Die Kinder dürfen die Wohnung oder das Grundstück nicht verlassen. Es darf auch niemand zu Besuch kommen. "Diejenigen, die im Eigenheim mit Garten wohnen, haben ja noch Glück", sagt die Sozialpädagogin. "Aber was machen denn die Kinder in einer Wohnung im Neubaublock? Und wie werden es die Eltern schaffen, die Betreuung zu organisieren?" 

Am Dienstagvormittag sind die Kinder aus der Tiger-Gruppe und ihre Erzieherin zum zentralen Testzentrum nach Löbau bestellt worden, um dort ihre Speichelproben abzugeben. Mit dem Testergebnis wird am Mittwoch, spätestens am Donnerstag gerechnet.

Aber auch bei einem negativen Befund müssen die Kinder die zweiwöchige Quarantäne bis zum letzten Tag zu Hause aussitzen, bestätigt Julia Bjar vom Landratsamt. "Die Gesundheitskontrolle besteht so lange, weil sich Symptome noch bis 14 Tage nach dem letzten Kontakt entwickeln können", erklärt die Sprecherin.  

Kinder kann man nicht auf Abstand halten

In Großschönau macht die Nachricht vom Corona-Fall schnell die Runde. "Eine Mutti rief sogar an, sie habe gehört, die Kita sei geschlossen", erzählt Marika Dahms. Die Verunsicherung sei eben groß in solchen Fällen. 

Eine junge Mutti erfährt erst am Dienstagmorgen, als sie ihren fünfjährigen Sohn bringt, davon. "Da nehme ich ihn am besten gleich wieder mit", entscheidet sie spontan. "Ich bin heute sowieso zu Hause." Angst habe sie nicht, sagt die 34-Jährige, aber sie sei Asthmatikerin und halte sich schon deshalb an alle Vorschriften. Vorige Woche sei sie auch selbst auf Covid 19 getestet worden - und habe deswegen den Fünfjährigen gleich vorsorglich zu Hause gelassen. "Der Test war zum Glück aber negativ."

Die Eltern tragen alle eine Maske, wenn sie ihre Kinder bringen und abholen. Und der erste Weg von der Haustür führt inzwischen wie selbstverständlich zum Händewaschen zu der kleinen Toilette gleich um die Ecke. "Wir tun das Möglichste, um das Virus fernzuhalten", sagt Marika Dahms. Und es hätten auch alle Verständnis für die Hygienemaßnahmen. Einige Familien der betroffenen Kinder aus der Tiger-Gruppe lassen auch die Geschwisterkinder vorsorglich zu Hause.

Aber trotz aller Bemühungen ist die Ansteckungsgefahr in einer Kindertagesstätte - egal, in welcher - groß und auch immer gegenwärtig. "Kleine Kinder kann man nun mal nicht auf Abstand halten", erklärt Marika Dahms. Ihr offenes Lächeln können die Kinder sehen. Sie und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tragen ja keine Masken. Sie nehmen die Kinder auch auf den Arm, wenn sie weinen oder traurig sind. "Anders geht das doch gar nicht bei den Kleinen", sagt die Kita-Leiterin. 

Die Erzieherinnen und Erzieher wissen, was sie tun - und sind sich auch der Ansteckungsgefahr bewusst, sagt die Leiterin. "Deswegen stellen wir uns schon die Frage, ob wir nicht auch mal  getestet werden können, wie das zum Beispiel den Lehrern ermöglicht wird."

Die Erzieherin, die nun auch zwei Wochen in Quarantäne verbringen muss, hat sich Bastelmaterial nach Hause bringen lassen. Sie will ihren Schützlingen aus der Tiger-Gruppe wenigstens allen einen schönen Brief schreiben. 

Aktuell 170 Kontaktpersonen in Quarantäne

Mit Stand vom Dienstag befinden sich aktuell 170 Kinder, Jugendliche und Erwachsene im Kreis Görlitz in behördlich angeordneter Quarantäne, nachdem sie als Kontaktpersonen zu einem positiv auf das Coronavirus Getesteten ermittelt worden sind. Der Landkreis meldet am Dienstag 40 aktuelle Infektionen im gesamten Kreisgebiet - drei mehr als am Montag. Zwei Erkrankte sind im Krankenhaus.

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