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Ein Jahr Ukraine-Krieg: Zittauer diskutieren

Im Kronenkino gabs den Film "Das rote Imperium" zu sehen und anschließend eine Diskussionsrunde - unter anderem mit Heinz Eggert.

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Podiumsgespräch zum Film "Das rote Imperium" im Kronenkino Zittau.
Heinz Eggert, Filmemacher Martin Hübner und Moderator Frank Richter (von links).
Podiumsgespräch zum Film "Das rote Imperium" im Kronenkino Zittau. Heinz Eggert, Filmemacher Martin Hübner und Moderator Frank Richter (von links). © Matthias Weber/photoweber.de

Ein Jahr Krieg in der Ukraine - das nahm das Zittauer Kronenkino zum Anlass, zu einer Filmvorführung mit Podiumsdiskussion einzuladen. Auch Ukrainer, die jetzt in Zittau leben, kamen zur Veranstaltung.

Wie kommt es, dass Russlandfahnen in Zittau wieder auf der Straße sind? Dies war ein Aufhänger während der Diskussion zum Film "Das rote Imperium". Hier sahen rund 50 Besucher eine dreiteilige Doku, die von einem beispiellosen Experiment erzählt, das einen neuen Sowjetmenschen und eine neue Gesellschaftsform erschaffen wollte. 100 Jahre nach der Gründung der "Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken" (UdSSR) hatte sich der renommierte Filmemacher und Russlandexperte Martin Hübner auf die Spuren eines untergegangenen und doch noch immer lebendigen Imperiums begeben und war nun auch in Zittau zu Gast.

Dabei gab es bei der Beantwortung der Frage nach den Fahnen auch durchaus plausible Antworten. Der ehemalige Bürgerrechtler und sächsische Innenminister a. D., Heinz Eggert, bemerkte dazu recht pragmatisch: Wenn es darum gehe, die höheren Gaspreise zu bezahlen stehen Friedensgedanken nicht so im Vordergrund. Er höre aber durchaus verschiedene Stimmen. Die Situation in Zittau sei aber noch nicht so dramatisch, immerhin habe man keine bürgerkriegsähnlichen Zustände.

Für den SPD-Politiker Frank Richter, der mit dem Kulturforum der Sozialdemokratie zusammen mit der Hillerschen Villa auch Veranstalter war, hat das etwas mit der deutschen Einheit zu tun, die von vielen Deutschen als Geschenk der Sowjetunion wahrgenommen wurde. Der Historiker und Osteuropaexperte Dr. Markus Pieper wiederum sieht das verbunden mit den Verletzungserfahrungen innerhalb der Transformationsprozesse der 1990er Jahre im Osten. Fazit bei allen: Gewalt ist nie ein Mittel etwas gutzumachen, das habe in der Geschichte noch nie geklappt, aber Millionen Tote hinterlassen.

Das Publikum sah im Kronenkino erstaunliche Bilder zwischen Schöpferkraft und Elan eines Volkes, aber auch Terror und Repression. Während der Diskussion wurde aber auch klar, dass es unmöglich ist, Gutes mit Gewalt durchzusetzen. Was ist mit dem "homo sovieticus" also schiefgegangen? Wie war dieses Regime möglich und was hat das heute alles mit Putins Krieg gegen die Ukraine zu tun? Eine Diskussion, welche die Besucher zum traurigen Jubiläum des aktuellen Ukraine-Krieges nachdenklich mit nach Hause genommen haben. (ah)