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Villa Heinrichwerk wird eine Radpension

Die neuen Besitzer ziehen von weit weg nach Ostritz und planen noch viel mehr mit dem denkmalgeschützten Gebäude am Oder-Neiße-Radweg.

Karolina Saro und ihr Lebenspartner Stephan Ristau wollen mit ihrem einjährigen Sohn Johannes Frederic auch selbst in die Villa "Heinrichwerk" an der Bahnhofstraße in Ostritz einziehen.
Karolina Saro und ihr Lebenspartner Stephan Ristau wollen mit ihrem einjährigen Sohn Johannes Frederic auch selbst in die Villa "Heinrichwerk" an der Bahnhofstraße in Ostritz einziehen. © Matthias Weber/photoweber.de

Der lange Weg von der Michael-Schumacher-Stadt Kerpen in Nordrhein-Westfalen bis nach Ostritz in die Oberlausitz hat sich für Karolina Saro und ihren Lebenspartner Stephan Ristau gelohnt. Die Stadt verkauft ihnen die Villa "Heinrichwerk" an der Bahnhofstraße in Ostritz. Hier wollen sie nun ihr Projekt verwirklichen und mit ihrem einjährigen Sohn Johannes Frederic einziehen.

Die Familie verreist gerne. Mindestens einmal im Jahr unternimmt Stephan Ristau mit Kumpels auch eine große Fahrradtour. Die letzte von Berlin über Prag nach München führte den 43-jährigen Berliner auf dem Oder-Neiße-Radweg auch nach Ostritz. Hier fiel ihm die seit Jahren ungenutzte Villa "Heinrichwerk" auf. "Das wäre der perfekte Ort für eine Fahrrad-Pension", fand er.

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Und danach ist aus der Idee schnell ein Projekt für die gesamte Villa geworden. An der Ostseite des Gebäudes will die Familie zum Garten hin eine große Terrasse anbauen. Von dort aus soll der Zugang zum Haus sein, wo der Besucher gleich in einen Gastraum gelangt.

Als Hobby-Radfahrer weiß Stephan Ristau worauf Radtouristen Wert legen. Sie brauchen keinen Luxus. Frühstück, Abendbrot, eine preiswerte Unterkunft und etwas Platz für die Kinder zum Spielen reicht. Das alles sollen Familien hier im Haus finden.

Die östliche Seitenansicht der Villa "Heinrichwerk" mit dem geplanten Terrassenanbau.
Die östliche Seitenansicht der Villa "Heinrichwerk" mit dem geplanten Terrassenanbau. © Zeichnung: Peter Freudenreich

Vier Zimmer mit Bad sollen für die Pension eingerichtet werden. Im Garten sind ein überdachter Fahrradstellplatz und eine Ladestation für E-Bike vorgesehen. "Für das Betreiben der Pension wollen wir zwei bis drei Mitarbeiter einstellen, die sich um den Empfang der Gäste, den Zimmerservice und die Bewirtschaftung des Gastraumes kümmern", berichten die neuen Villen-Besitzer.

Im Obergeschoss wollen sich Karolina Saro und ihr Lebenspartner Stephan Ristau auch eine Wohnung für sich einrichten. Denn die Familie zieht nach Ostritz. Das bedeutet für die Stadt eine zusätzliche Steuereinnahme. Denn Stephan Ristau verlegt dann den Firmensitz seiner Pädagogischen Ausstattungs- und Lernsysteme GmbH - kurz P.A.U.L. - nach Ostritz.

Stephan Ristau braucht im Haus für seine Firma, aber keine Produktionsräume. P.A.U.L. vertreibt und entwickelt Pädagogische Ausstattungs- und Lernsysteme. "Wir arbeiten bei der Entwicklung eng mit Pädagogen und Werklehrern zusammen", berichtet der gelernte Tischler und Restaurator. Die Produktion gibt er in Auftrag. Die "maßgeschneiderten" Möbel lässt die P.A.U.L. GmbH seit 25 Jahren in Plauen produzieren.

Seine zwei Mitarbeiter werden allerdings nicht mit der Firma umziehen. Sie bleiben weiterhin in Berlin und Kerpen. Für das deutschlandweite Vertriebsnetz ist das sogar günstiger, künftig drei Standorte zu haben. Denn für die Nutzung der Ausstattungs- und Lernsysteme bietet die GmbH Schulungen direkt an den Schulen an.

In der Villa "Heinrichwerk" soll deswegen auch ein Werkraum zum Vorführen im Keller eingerichtet werden. Der könnte ebenso von Schulklassen, für Bastel-Arbeitsgemeinschaften für Holz und Ton und anderer Hobbys genutzt werden, schildert er.

Die Familie will mit ihrem Kind schon in der Bauphase nach Ostritz ziehen. Die Wohnung, die sie sich dafür vorübergehend schon mal ausgesucht hatten, ist zwar schon wieder weg, aber sie sind anderweitig fündig geworden.

Karolina Saro und Stephan Ristau hoffen, dass sie, wenn alles gut läuft, im Sommer 2022 die Pension eröffnen und im Sommer 2023 die Sanierung abgeschlossen sein wird. Karolina Saro ist überzeugt, dass ihr Konzept funktioniert. Sie hat in Berlin Geschichte, Politik und Sprachwissenschaften studiert und nach ihrem Studium lange Zeit in der Tourismusbranche gearbeitet. Und sie zieht auch aus einem anderen Grund gern nach Ostritz. Hier ist sie näher an ihrer Heimat in Wroclaw (Breslau).

Das Dach ist zum Glück neu gedeckt. Aber ansonsten ist noch viel zu tun. Als erstes wird eine neue Heizung eingebaut. Hierfür ist die Familie bereits mit den Stadtwerken Görlitz wegen dem Fernwärmeanschluss im Gespräch. Das Sanieren der Fassade und der Innenausbau erfolgen denkmalgerecht.

Dieses Konzept für die Villa "Heinrichwerk" hat die Mehrheit der Stadträte mehr überzeugt, als das Konzept für das Michelle Howard das Gebäude erwerben wollte. Die Professorin wollte aus der Villa ein offenes, kreatives Künstlerhaus mit einem breiten Spektrum schaffen, dass ebenso für alle offen stehen sollte.

Beide Konzepte für das Haus waren gut

Ursprünglich gab es noch zwei weitere Bewerber, die dann aber kein Interesse mehr zeigten. Leicht gefallen ist der Verkauf den Stadträten jetzt auf einer Sondersitzung nicht. Sie mussten sich zwischen zwei Konzepten für das Haus entscheiden, die beide gut waren, aber eine völlig unterschiedlich Nutzung vorsahen.

Karolina Saro und Stephan Ristau waren extra zur Sitzung angereist und Professorin Michelle Howard war per Video zugeschaltet. Beide Interessenten hatten im Vorfeld ihr Konzept den Stadträten vorgestellt. Letztendlich entschieden sich elf Stadträte für den Verkauf der Villa an Karolina Saro und Stephan Ristau und lediglich eine Stadträtin und Bürgermeisterin Marion Prange (parteilos) für Michelle Howard.

"Wichtig ist, dass das Haus weiterhin einer breiten Öffentlichkeit offen steht", berichtete die Bürgermeisterin. Stadträtin Ines Fabisch (UB) sprach sich beispielsweise für die von Frau Howard geplante Künstlerhausidee aus. "Ostritz und die Villa bieten sich für so ein Konzept an", sagte sie. Und so würden vielleicht mehr Menschen in die Stadt geholt.

Alle anderen Stadträte entschieden sich anders. Gleich mehrere schilderten, dass sie sich mit ihrer Entscheidung schwer getan haben. Sie sprachen sich aber für eine junge Familie und die Ansiedlung einer Firma in Ostritz mehr aus. Gleichzeitig hofften sie, wie auch die Stadt, dass Michelle Howard Ostritz dennoch erhalten bleibt. Schließlich gibt es in der Stadt noch mehr leer stehende Häuser, die sich für ihr Konzept eignen würden.

Für 51.000 Euro ist die Villa "Heinrichwerk" samt dem dazugehörenden 860 Quadratmeter großen Grundstück nun verkauft worden. Die Familie verpflichtet sich zu einer denkmalgerechten Sanierung. Auch eine Mehrerlösklausel soll im Falle eines Weiterverkaufes im Vertrag stehen.

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