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Warum Oybin ein Denkmal ablehnt

Der Großhennersdorfer Schnitzer Günter Schönfeder wollte dem Kurort eine Erinnerung an die legendären Ritterspiele schenken. Die Gemeinde aber will es nicht.

Günter Schönfelder aus Großhennersdorf mit Enkel Joshua am Denkmal, das er für die Gründer der Oybiner Ritterspiele
geschaffen hatte.
Günter Schönfelder aus Großhennersdorf mit Enkel Joshua am Denkmal, das er für die Gründer der Oybiner Ritterspiele geschaffen hatte. © Matthias Weber/photoweber.de

Da hätte Günter Schönfelder die Oybiner wohl erst einmal fragen sollen. Aber dass sie dieses - im wahrsten Sinne des Wortes - große Geschenk, das er ihnen machen wollte, ablehnen würden, damit hatte der Holzbildhauer aus Großhennersdorf nicht gerechnet.

Jetzt steht es also auf seinem Hof in Schönbrunn in seiner ganzen monumentalen Schönheit: Viereinhalb mal viereinhalb Meter misst das Schnitzwerk, das Schönfelder mit Unterstützung vieler Freunde und Fans zur Erinnerung an die Oybiner Ritterspiele und ihre Gründer, die Großschönauer Brüder Mario und Holger Kahl, geschaffen hat.

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Die Ritterspiele auf der Oybiner Naturbühne waren 20 Jahre lang eines der größten und wichtigsten Freiluft-Theaterspektakel im Zittauer Gebirge und der ganzen Region - mit schönen Pferden, gewagten Stunts, humorvollen Geschichten, guten Schauspielern und großem Engagement Dutzender Beteiligter auf und hinter der Bühne. Es wird diese Ritterspiele nicht mehr geben. Mario Kahl, einer der beiden Gründer und Köpfe des Ensembles, ist 2019 an Krebs gestorben. Sein Bruder Holger geht nicht mehr davon aus, ein Projekt solchen Ausmaßes noch einmal stemmen zu können.

Es gibt viele in der Region, die den Bau eines Denkmals unterstützt haben. 4.000 Euro hatten Ritterspielefans dafür gesammelt. Die Oybiner aber hatte niemand gefragt. "Wir waren schon einigermaßen erschrocken, als wir das Monument in seiner Größe zum ersten Mal gesehen haben. Da war es ja auch schon fertig", sagt Bürgermeister Tobias Steiner (SPD).

Vor allem diese Größe sei es gewesen, wegen der die Gemeinderäte nach einer langen Diskussion in einer nicht öffentlichen Sitzung schließlich mehrheitlich beschlossen hätten, Schönfelders Angebot abzulehnen. "Es mag ja gut gemeint gewesen sein", sagt Steiner, auch stünden die Verdienste der Kahl-Brüder für die Gemeinde außer Frage, die Gemeinde hätte aber schon gerne im Vorfeld gefragt werden wollen.

Das nämlich habe der Bildhauer versäumt, sagt der Bürgermeister. Er habe auch alle notwendigen Formalitäten umgangen: "Für das Aufstellen eines Denkmals in einer solchen Größe ist ein Bauantrag notwendig", erklärt er. Zudem liegt die Oybiner Naturbühne, auf der die Ritterspiele stattgefunden haben, im Landschaftsschutzgebiet, in dem eigentlich gar nicht gebaut werden kann.

"Ich kann die Gemeinderäte verstehen, die sich überrumpelt gefühlt haben", sagt der Bürgermeister. Ein Argument gegen das Monument sei es auch gewesen, dass es neben den Ritterspielegründern auch noch viele andere Oybiner gebe, die sich um den Ort und seine Entwicklung verdient gemacht hätten und denen ebenfalls ein Denkmal gesetzt werden könnte. "Ehrenbürger eines Ortes werden aber nun mal von der Gemeinde bestimmt."

Was aus dem großen Monument jetzt wird, kann Günter Schönfelder noch nicht sagen. "Ich überlasse das jetzt den Freunden der Ritterspiele und der jüngeren Generation", sagt der 63-Jährige. "Die werden schon einen schönen und würdigen Platz dafür finden."

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