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Oderwitz geht neuen Weg beim Hochwasserschutz

Die Wasserwacht hat jetzt ganz besondere Wassersperren - als erste im Landkreis. Damit können Überschwemmungen verhindert werden.

Die mobile Wassersperre richtet sich hier schon langsam im Landwasser in Oderwitz auf und staut das Wasser an. Jens Grollmich nimmt nur kleine Korrekturen vor.
Die mobile Wassersperre richtet sich hier schon langsam im Landwasser in Oderwitz auf und staut das Wasser an. Jens Grollmich nimmt nur kleine Korrekturen vor. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Bei Vorführeffekten klappt es meist nicht ganz so, wie man sich das wünscht. Das war teilweise auch am späten Dienstagnachmittag am Landwasser an der Dorfstraße in Oderwitz der Fall. In Zusammenarbeit mit der Feuerwehr wollte hier die Wasserwacht ihre neueste Technik eindrucksvoll demonstrieren. Beim Hochwasserschutz geht die Gemeinde jetzt einen neuen Weg.

Von einem Schweizer Hersteller hat sie sich eine mobile Wassersperre gekauft. Die "Kunststoffmatte" ist mit zwei bis drei Mann leicht und schnell aufzubauen. Sie wird bei Hochwasser in den Bach gezogen und einfach aufgeklappt. Über ihre gesamte Länge sind Taschen angebracht, die sich dann schnell mit Wasser füllen. Eine Gummiwand richtet sich auf und im Nu kann so ein Gewässer über längere Zeit angestaunt und das angrenzende Wohnhaus vorm Überfluten geschützt werden. Die Wassersperre ist aus robustem Material und schließt den Bodengrund des Baches dicht ab, sodass kein Wasser entweichen kann. Damit das so ist, werden Gewichtbänder auf den Mattenuntergrund ausgerollt.

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Der Oderwitzer Gemeindewehrleiter Alexander Pollier erklärt vor der Schauvorführung die Wirkungsweise der mobilen Wassersperre.
Der Oderwitzer Gemeindewehrleiter Alexander Pollier erklärt vor der Schauvorführung die Wirkungsweise der mobilen Wassersperre. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de
Danach wird eine der drei mobilen Wassersperren ins Landwasser in Oderwitz gezogen.
Danach wird eine der drei mobilen Wassersperren ins Landwasser in Oderwitz gezogen. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de
Gemeindewehrleiter Alexander Pollier erklärt die Funktionsweise des Lichtmasten.
Gemeindewehrleiter Alexander Pollier erklärt die Funktionsweise des Lichtmasten. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de
Der Lichtmast lässt sich auf 4,50 Meter ausfahren und die LED-Leuchten machen es selbst nachts taghell.
Der Lichtmast lässt sich auf 4,50 Meter ausfahren und die LED-Leuchten machen es selbst nachts taghell. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de
Jens Grollmich zeigt die Saugkraft der Wasserpumpe. Sie schafft 2.500 Liter pro Minute.
Jens Grollmich zeigt die Saugkraft der Wasserpumpe. Sie schafft 2.500 Liter pro Minute. © Rafael Sampedro
Gemeindewehrleiter Alexander Pollier mit dem neuen Rollcontainer.
Gemeindewehrleiter Alexander Pollier mit dem neuen Rollcontainer. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Nur am Dienstag war der Wasserstand des Landwassers sehr niedrig, sodass es beim Vorführen etwas länger dauerte. Aber schon nach 15 Minuten war zumindest gut zu sehen, wie das Prinzip funktioniert. Eine zehn Meter breite Wassersperre hätte die Wasserwacht auf einer Höhe von 50 Zentimetern aufbauen können. Bei den letzten Hochwassern im Ort hätte das manchem Haus in Oderwitz geholfen.

"Es gibt schon Wehren bei uns, die sich Wassersperren angeschafft haben. Die sind im Aufbau aber nicht so leicht zu handhaben. Die in Oderwitz ist jetzt eine richtig gute Sache", sagt Kreisbrandmeister Björn Mierisch. Die Oderwitzer nehmen damit eine Vorreiterrolle im Landkreis ein.

"Eigentlich wollten wir für unsere Wasserwehr nur eine zusätzliche große Pumpe kaufen", schildert Gemeindewehrleiter Alexander Pollier. Der Förderverein der Feuerwehr Oberoderwitz um Daniel Schädlich sammelte dafür 6.000 Euro an Spenden von Firmen und Privatpersonen. "Dann haben wir aber überlegt, was wir mit dem Geld alles machen könnten", erzählt Alexander Pollier.

Die Kameraden und die Gemeindeverwaltung recherchierten. Und sie stießen auf ein wie für sie geschaffenes sächsisches Förderprogramm. Das gibt es bereits seit 2018. Und Oderwitz hatte Glück und bekam so insgesamt 24.000 Euro für die Ausrüstung der Wasserwehr zusammen. Für reichlich 10.000 Euro konnten davon drei mobile Wassersperren gekauft werden. Jeweils eine fünf und zehn Meter lange Sperre erreicht eine Stauhöhe von 35 Zentimetern und eine weitere zehn Meter lange eine Höhe von einem halben Meter. Die drei Sperrwände sind miteinander verbindbar und erreichen insgesamt eine Länge von 25 Metern.

Baut sich fast von selbst auf

Um herkömmlich mit Sandsäcken eine Wassersperre von zehn Metern zu errichten, werden zwei bis drei Europaletten voller Sandsäcke gebraucht, schildert Alexander Pollier. Zig Männer hätten damit eine halbe Stunde gut zu tun. Die mobile Sperre ist mit wenig Personal in den Bach gezogen und baut sich schnell fast von selbst auf. Somit sind Feuerwehrleute für andere Aufgaben frei.

Die mobile Wassersperre kann auch bei Bränden sehr hilfreich sein, wenn man bei Bedarf einen Bach für Löschwasser anstauen will.

Als die Wasserwehr am Depot und im angrenzenden Landwasser ihre neue Technik demonstrierte, staunten Anwohner und Interessierte nicht schlecht, was den Kameraden nun alles zur Verfügung steht. Dank der Fördermittel reichte das Geld auch für einen zweiten Rollcontainer, auf dem alles drauf ist, was im Einsatz benötigt wird. Reichlich 3.600 Euro kostete der.

Bereits im April ist an einer Unfallstelle der transportable Lichtmast im Einsatz gewesen. Der 5.200 Euro Mast fährt sich automatisch auf eine Höhe von 4,50 Metern aus und hält bei Sturm eine Windlast von 75 Kilometern pro Stunde stand, berichtet der Gemeindewehrleiter. Ein spezielles Abstützsystem verhindert ein Umkippen bei Sturm. Und die LED-Lichtblöcke machen es im Dunkeln mit 85.000 Lumen taghell.

Zur neuen Ausrüstung gehört ebenso eine Hochwasserpumpe mit Zubehör. 2.500 Liter in der Minute pumpt die weg und kann Geröll oder Steine von der Größe eines Tennisballes problemlos mit dem Wasser weg pumpen.

Bürgermeister Cornelius Stempel (parteilos) ist froh, dass es mit den Fördermitteln für die Ausrüstung geklappt hat. Denn mit Hochwasser kennt sich die Gemeinde aus. Mehr, als ihr lieb ist. Bei den Jahrhundertfluten 2010 und 2013 gehörte Oderwitz zu den stark betroffenen Gemeinden. Und auch danach ist der Ort nicht gerade von Überschwemmungen nach starken Regenfällen verschont geblieben. Jetzt ist der Ort zumindest etwas besser gewappnet.

Die Oderwitzer Wasserwehr besteht aus etwa 20 freiwilligen Helfern. Und wie sich die bei Überschwemmungen in der Gemeinde zeigte, ist sie im Ernstfall schon mal spontan durch weitere Freiwillige auf 100 Personen angewachsen. Die Freiwillige Feuerwehr verfügt zudem über 61 aktive Mitglieder. Mit Altersabteilung sowie der Kinder- und der Jugendfeuerwehr gehören der Wehr sogar 125 Mitglieder an.

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