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Film offenbart trauriges Familienschicksal

Der ZDF-Dreh in den früheren Zittwerken erinnert Hans Hahnspach an schwere Jahre. Der Jonsdorfer will mehr wissen - denn sein Vater sprach nie darüber.

Hans Hahnspach mit der Abschrift des Bittbriefes seiner Mutter an den Lagerkommandanten der Zittwerke.
Hans Hahnspach mit der Abschrift des Bittbriefes seiner Mutter an den Lagerkommandanten der Zittwerke. © Matthias Weber/photoweber.de

Als Hans Hahnspach vor einigen Tagen den SZ-Artikel über die Dreharbeiten in den ehemaligen Zittwerken las, kamen bei ihm sofort Erinnerungen an seinen Vater Kurt hoch. Der war auf den Gelände der früheren Rüstungsfabrik interniert, etwa dreieinhalb Jahre lang. Ohne wirklichen Grund. 

Kurt Hahnspach wollte lediglich im August 1945 aus seiner alten Wohnung in Weigsdorf eigene Sachen holen. Als die polnische Armee den Ort jenseits der Neiße am 22. Juni 1946 räumte, durften die Hahnspachs nur wenige Kleidungsstücke mitnehmen. 

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Da Kurt Hahnspach wegen seiner Kriegsverletzung - Lungensteckschuss und Granatsplitter in der Lunge - warme Kleidung für den Winter benötigte, entschloss er sich mit seiner Frau Elisabeth am 5. August 1945 nach Weigsdorf zurückzukehren und die Sachen aus der Wohnung zu holen. Sie wurden jedoch von der polnischen Armee festgenommen. Elisabeth Hahnspach kam am nächsten Tag frei, ihr Mann Kurt wurde weiter festgehalten und dann in die Zittwerke gebracht, wo im Mai 1945 ein Kriegs- und Zivilgefangenenlager eingerichtet worden war. Hier musste er bis 1949 schwere körperliche Arbeiten unter Tage verrichten.

Nach seiner Entlassung sprach er darüber nie. Nicht, dass er es nicht wollte. Er durfte nichts erzählen. Sohn Hans, der 1949 geboren wurde, erfuhr erst viel später, dass sein Vater in den früheren Zittwerken interniert war. Kurt Hahnspach hatte ihm nur erzählt, dass es ganz schlimm gewesen sei, die Gefangenen gequält wurden und er großes Glück hatte, heimgekommen zu sein. Und er berichtete ihm auch, dass er sein spärliches Essen noch mit den russischen und polnischen Mitgefangenen geteilt hatte.

Kurt Hahnspach als Unteroffizier während des Zweiten Weltkrieges ...
Kurt Hahnspach als Unteroffizier während des Zweiten Weltkrieges ... © Matthias Weber/photoweber.de
... und in späteren Jahren in seinem Kleingarten unweit der Olbersdorfer Wohnung.
... und in späteren Jahren in seinem Kleingarten unweit der Olbersdorfer Wohnung. © Matthias Weber/photoweber.de

Mutter schrieb Brief an Lagerkommandanten

Mehr über die Geschichte recherchierte der Jonsdorfer erst in den vergangenen Jahren. Er erhofft sich auch von dem jüngst entstandenen Dokumentarfilm neue Erkenntnisse. Wobei sich die Doku, die fürs ZDF entsteht und nächstes Jahr in der Reihe "History" ausgestrahlt werden soll, eher um die Zeit zwischen 1943 und 1945 dreht. 

Seinen Vater kann er nicht mehr fragen, der starb bereits 1990 mit 76 Jahren an den Spätfolgen der Kriegsverletzung und der Gefangenschaft. Nach seinem Tod entdeckte er aber interessante Dokumente im Nachlass. So ein Schreiben der Mutter vom 28. August 1945, in dem sie den Lagerkommandanten der Zittwerke um die Entlassung ihres Mannes bittet. Darin schreibt sie unter anderem: "Mir ist nicht bekannt, dass sich mein Mann etwas anderes hat zu Schulden kommen lassen. Erwähnen möchte ich noch, dass mein Ehemann weder der NSDAP noch sonst irgendeiner ihrer Gliederungen angehört hat." Ein zweiter Brief vom 8. Oktober 1945 ist an die KPD gerichtet, in dem Elisabeth Hahnspach die Genossen um Hilfe bei der Freilassung ihres Mannes bittet.

Hans Hahnspach bot auch den Filmleuten an, mehr über die Erlebnisse seines Vaters zu berichten. Bei den Dreharbeiten in Sieniawka (Kleinschönau) konnte er nicht dabei sein. Aber der Jonsdorfer hofft, dass der Produzent sich noch mal meldet. Unwahrscheinlich ist das nicht: Die Arbeiten an dem Dokumentarfilm sind noch nicht abgeschlossen.

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