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Wieder Testfahrten für Züge durch Seifhennersdorf

Neue Hoffnung keimt auf. Es gibt wieder Bewegung auf dem ungenutzten Streckenabschnitt zwischen der Stadt und Varnsdorf.

Von Holger Gutte
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Noch ist es still am Bahnhof in Seifhennersdorf. Aber vielleicht fährt hier in zwei Wochen schon wieder ein Zug.
Noch ist es still am Bahnhof in Seifhennersdorf. Aber vielleicht fährt hier in zwei Wochen schon wieder ein Zug. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Als in diesem Jahr Mitte Januar an zwei Tagen wieder ein Zug durch Seifhennersdorf fuhr, keimte Hoffnung auf, dass die Bahnstrecke nun endlich wieder belebt wird. Seit 2015 hält in Seifhennersdorf kein Zug mehr. Seither wurde immer wieder versucht, den damals außer Betrieb genommenen Abschnitt zwischen Seifhennersdorf und Varnsdorf zu reaktivieren. Immer scheiterte es an bürokratischen Hürden wegen des grenzüberschreitenden Bahnverkehrs.

Doch Anfang des Jahres schien es endlich so weit. Aus Sicht von Andreas Franzke, dem Betriebsleiter der Deutschen Regionaleisenbahn (DRE), waren schon damals die größten bürokratischen Hürden genommen. Alles schien nur noch davon abzuhängen, dass die Mühlen der Bürokratie bei der tschechischen Bahn etwas schneller mahlen.

Schon Ende August rechnete die DRE damit, dass auf der Strecke zwischen Varnsdorf und Seifhennersdorf wieder Züge fahren. Dann würde es eine direkte Zugverbindung von Varnsdorf über Seifhennersdorf und Großschönau nach Zittau geben, ohne mittendrin auf Schienenersatzverkehr umsteigen zu müssen. Doch der Abschnitt ist immer noch tot.

Jetzt gibt es erneut Hoffnung. Am Mittwoch trafen sich Vertreter des Schienenwegbetreibers, Deutsche Regionaleisenbahn und des Streckennutzers Länderbahn. "Eventuell beginnen wir schon in der übernächsten Woche mit Probefahrten", berichtet Andreas Franzke.

Sachsen gibt schon grünes Licht

Nachdem das Land Sachsen als Erlaubnisbehörde grundsätzlich schon mal zur Wiederbelebung der Strecke genickt hat, ist jetzt die DB Netz gefordert, mit der Tschechischen Bahn den grenzüberschreitenden Verkehr zu klären, schildert der DRE-Betriebsleiter. Für die Tschechische Bahn gilt jedoch die Wiederbelebung als eine grenzüberschreitende Streckenverlängerung von etwa 300 Metern, obwohl es exakt die alte Strecke ist. Das bedeutet im Nachbarland aber wesentlich mehr Genehmigungen und bürokratischen Aufwand. Deshalb versuchen die deutschen Verhandlungspartner hier ein Einlenken bei der Tschechischen Bahn zu erreichen, damit diese den Streckenabschnitt ebenfalls nur als Wiederbelebung betrachtet.

Außerdem zeigte sich schon bei den Testfahrten am 12. und 13. Januar dieses Jahres, dass die Strecke samt der technischen Bahnanlagen auch auf den bis jetzt noch ungenutzten knapp zwei Kilometern betriebsbereit ist. "Und das gilt ebenso für den Seifhennersdorfer Bahnsteig am Bahnhof, obwohl der natürlich nicht gerade ansehnlich ist", sagt Andreas Franzke.

Lediglich 300 Meter der noch außer Betrieb genommenen grenzüberschreitenden Strecke liegen auf tschechischem Boden. 50 Kilometer pro Stunde darf der Triebwagenführer hier maximal fahren. Auf dem insgesamt 1,8 Kilometer langen ungenutzten Streckenabschnitt ist besondere Vorsicht für den Triebwagenführer geboten. Denn es gibt zahlreiche kleine nicht mit Signalanlagen oder Schranken gesicherte Bahnübergänge.

Jedes Mal, wenn der Zug eine Straße oder einen Fußweg kreuzt, muss er vorher pfeifen. All diese Wege und Straßen darf er sogar nur mit zehn Kilometern pro Stunde passieren. Am Bahnübergang Nordstraße - nur wenige Meter vom Bahnhof entfernt - steht bereits eine provisorische Ampelanlage. Die kann sofort scharf geschaltet werden.

Die DRE plant hier künftig aber wieder mit einem beschrankten Bahnübergang. "Der oder eine andere Lösung wird aber nicht vor 2023 kommen", sagt Andreas Franzke. In etwa zwei Wochen rechnet er vielleicht schon mehr neues zum Streckenabschnitt sagen zu können.