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Zahnarzt schließt Praxis nach 42 Jahren

Dr. Klaus-Dieter Reichel praktiziert seit 1. Juli nicht mehr in Oderwitz - aus Altersgründen. Er hätte gern einen Nachfolger gefunden.

Zahnarzt Dr. Klaus-Dieter Reichel in seiner Praxis in Oderwitz, die er am 1. Juli schließt. Für die SZ entstand noch mal dieses Foto. Deshalb ist er hier ohne Maske.
Zahnarzt Dr. Klaus-Dieter Reichel in seiner Praxis in Oderwitz, die er am 1. Juli schließt. Für die SZ entstand noch mal dieses Foto. Deshalb ist er hier ohne Maske. © Matthias Weber/photoweber.de

Lange hat Klaus-Dieter Reichel die Patienten in seiner Praxis in Oderwitz darauf hingewiesen. "Wenn man dann aber seinen letzten Patienten behandelt hat, ist es trotzdem ein komisches Gefühl", sagt der Zahnarzt. Seit Januar hängt in der Anmeldung ein Schild, auf dem steht, dass er am 1. Juli aus Altersgründen seine Praxis schließt und den Patienten für ihre langjährige Treue dankt. Nun ist es so weit.

Eine 85-jährige Görlitzerin hat Dr. Klaus-Dieter Reichel als letzte behandelt. "Sie ist eine Bekannte meines Vaters gewesen und war nicht die einzige Görlitzerin, die in seine Praxis kam. Der 68-Jährige ist gebürtiger Görlitzer. Sein Bruder führt dort auch noch den Steinmetzbetrieb seines Vaters und Opas weiter. "Er schwingt den großen und ich den kleinen Meißel", erzählt er.

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Viele seiner Patienten sind mit ihm alt geworden, sagt er scherzhaft. Und er freut sich, wenn er inzwischen die Kinder der damaligen Kinder seiner Patienten behandelt. Das ist ihm ein wichtiger Vertrauensbeweis. So, wie sie ihm treu blieben, hielt er all die Jahre ebenso ihnen die Treue. Wenn seine Praxis mal vormittags geschlossen war, hatte das seinen Grund. Da machte er Hausbesuche bei den Patienten, die nicht mehr zu ihm in die Praxis kommen konnten.

Oder er behandelte die Bewohner im Seniorenheim in Niederoderwitz und im Katharinenhof in Großhennersdorf. Das praktizierte er schon, als er noch zu DDR-Zeiten im damaligen Ambulatorium in Oderwitz arbeitete. Das blieb bis zur Corona-Pandemie so.

Zuvor in Reichenbach und Bernstadt gearbeitet

Vor der Wende hatte er nach dem Studium in Reichenbach und in Bernstadt gearbeitet bevor er nach Oderwitz kam. Da hatte er schon seit 1979 sein Diplom und seine Approbation in der Tasche sowie vier Jahre später den Fachzahnarzt. Noch kurz vor der Wende machte er 1988 seinen Dr. med.

Nach 42 Jahren als Zahnarzt macht er nun Schluss. "Ich habe fast drei Jahre länger gemacht. Das muss reichen", sagt er. Dr. Klaus-Dieter Reichel hätte gern seine Praxis an einen Nachfolger übergeben. "Aber ich habe keinen gefunden. Die jungen Zahnärzte sind heute anders. Sie wollen lieber als Angestellte arbeiten, da haben sie keine Verantwortung. Und möglichst soll es in einer Stadt sein", schildert er.

Seine Praxis passt da gar nicht in dieses Klischee. Sie befindet sich in einem Dorf und dort auch noch abgelegen von der Hauptstraße. Das verrät schon die Adresse "Langer Garten". Das Haus hatte er sich mit seiner Frau aber zu DDR-Zeiten nach dem Umzug von Herrnhut gekauft und nach der Wende darin 1992 seine Praxis im Erdgeschoss eröffnet.

Schon während des Studiums in Halle lernte Klaus-Dieter Reichel seine Frau kennen. Die Internistin stammt aus Löbau. Und so kamen die beiden gern hierher zurück. Hier fühlen sie sich auch wohl. "Es ist komisch, ab dem 1. Juli habe ich nun jeden Tag Urlaub", sagt er. Der Zahnarzt a. D. freut sich auf viel Zeit, die er jetzt mit seinen fünf Enkeln verbringen kann. Das jüngste ist erst im Juni geboren.

"Wir haben nun mehr Zeit für Haus und Garten und ich mehr für mein Hobby", schildert der 68-Jährige. Die Lust auf sein Hobby hat er seinen Kindern zu verdanken. Die haben ihm 2017 einen Malkurs in Heringsdorf an der Ostsee geschenkt, weil er als Kind gern malte. Und seitdem kann er von Pinsel, Staffelei und Farbe nicht mehr lassen.

Klaus-Dieter Reichel liebt die Ostsee. Jetzt malt er sie auch. Jedes Jahr verbindet er seinen Ostsee-Urlaub mit einem zweitägigen Malkurs. Er macht Fotos von seinen Motiven und malt sie dann. Absichtlich wird das Bild dabei aber nicht einfach abgemalt. "Ich bringe auch das ins Bild, was ich dabei empfinde, die Spannung, die es erzeugt. Das ist künstlerische Freiheit", sagt er lachend.

Wunderschöne stimmungsvolle Landschaftsbilder von der Ostsee sind seit 2017 entstanden. Zu Hause in Oderwitz malt er eher Stillleben. Bei seinem nächsten Besuch an der Ostsee will er sich nun an der Porträtmalerei probieren. Die Enkel sollen ihm als erstes Modell stehen.

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