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Knallhart-Urteil gegen Porsche-Fahrer

Ein polizeibekannter Porsche-Fahrer soll in Zittau einen Fußgänger zusammengeschlagen haben - doch es gibt Probleme mit der Identifizierung.

Der brutale Schläger war mit einem luxuriösen Porsche Cayenne unterwegs.
Der brutale Schläger war mit einem luxuriösen Porsche Cayenne unterwegs. © Porsche

Es gibt in Zittau eine Szene junger Männer, deren Stärke sich hauptsächlich in der PS-Zahl ihrer Autos manifestiert. "GT-Bande" nennt man sie in der hiesigen Justiz salopp, weil deren hochmotorisierten Boliden alle diese Buchstaben-Kombination im Kennzeichen tragen. Einer, den die Justiz ebenfalls dieser Szene zurechnet, saß jetzt auf der Anklagebank des Zittauer Amtsgerichts. Im Publikum zwei Kumpel. Einer davon wartet nach einem Freispruch im jüngsten "Ringraser"-Prozess gerade auf das Berufungsverfahren vor dem Görlitzer Landgericht. Diesmal ging es nicht um verbotene Rennen, sondern um eine Prügelattacke. Nach Überzeugung des Gerichts hat der 31-jährige Angeklagte gezeigt, was passiert, wenn man ihm in seinem Porsche auf der Straße blöd kommt.

Der Vorfall ereignete sich am Abend des 17. April an der Kreuzung Schrammstraße/Hochwaldstraße in Zittau. Laut Anklage querte ein 25-Jähriger Fußgänger gegen 19.30 die Schrammstraße. "Als ich auf der Straßenmitte war, kam von rechts ein schwarzer Porsche angeschossen und hat mich fast erwischt", schildert der junge Mann vor Gericht. Aus Ärger über die rücksichtslose Fahrweise habe er wütend gestikuliert. Den "Stinkefinger" oder die Faust gezeigt - das ist nicht genau überliefert. Dann sei er einfach weiter seines Weges gegangen.

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Zeuge notiert Kennzeichen

Der Porsche-Fahrer indes bremste, wendete und verfolgte den jungen Mann. Schon nach wenigen Metern hatte das Auto ihn eingeholt. "Der Fahrer ist dann ausgestiegen und hat mir mit der Faust ins Gesicht geschlagen", erzählt der Zeuge weiter und: "Als ich am Boden lag, hat er mich gefragt, ob ich irgendein Problem habe." Dann sei der Fremde wieder in seinen schwarzen Porsche gestiegen und davongefahren. Das Opfer erlitt dabei einen Nasenbeinbruch.

Das Geschehen blieb nicht unbemerkt. Ein Autofahrer hatte an der Kreuzung schon den Beinahe-Unfall beobachtet und hatte sich daraufhin das Kennzeichen des Porsche notiert. Kurz später beobachtete er im Rückspiegel die Prügelattacke und eilte dem Opfer zur Hilfe. "Ich habe auch bei der Polizei angerufen und das Kennzeichen des Porsche durchgegeben", schildert der Zeuge.

Streit um klare Identifizierung als Täter

Aufgrund des Kennzeichens ermittelte die Polizei schnell den Angeklagten als Halter des fraglichen Porsche Cayenne. Bloß: Der Angeklagte will nicht der Schläger gewesen sein. Und sein Anwalt zog alle Register, um zu beweisen, dass die Identität seines Mandanten gar nicht beweissicher festgestellt worden sei. Zum einen zog er in Zweifel, dass es sich bei jenem Porsche überhaupt um das Auto des Angeklagten gehandelt habe. Dem Zeugen könne bei Weitergabe des Kennzeichens an die Polizei ein Zahlendreher unterlaufen sein. Der Verteidiger rügte daher, dass trotz seiner Aufforderung das Gericht gar nicht alle infrage kommenden Fahrzeuge mit der Kombination "ZI - P" überprüft habe. Ein Argument, mit dem er bei Richter Kay Ronsdorf abblitzte. "Dann hätten Sie einen solchen Beweisantrag stellen müssen", ließ er den Verteidiger wissen.

Die Identitätsfeststellung war aber in der Tat nicht völlig unproblematisch. Das Prügelopfer hatte den Täter als braungebrannt und muskulös mit kurzem braunen und gegelten Haar beschrieben - und ihn auch kurz nach der Tat auf einem Foto im Internet erkannt und erneut im Gericht. Aber: Die Polizei hatte den Angeklagten als Verdächtigen vorgeladen und ihn dabei fotografiert. Dem Opfer wurden daraufhin mehrere Bilder vorgelegt, unter anderem das des Angeklagten - und er erkannte ihn darauf nicht. Allerdings: Der Angeklagte hatte sich zu diesem Fototermin das Kopfhaar rasiert und sein Aussehen stark verändert. Selbst Polizeibeamte, die den Angeklagten seit Jahren von diversen Ermittlungen kennen, hätten ihn auf jenem Foto nicht wiedererkannt, schilderte Richter Ronsdorf.

Weiter hatte das Prügelopfer bei der Polizei geschildert, eine Tätowierung am linken Oberarm des Täters erkannt zu haben. Dort aber, so der Verteidiger, sei der Angeklagte zum Tatzeitpunkt gar nicht tätowiert gewesen - wohl aber am rechten Arm. In der Verhandlung indes konnte sich das Opfer kaum mehr erinnern, ob die Tätowierung nun am rechten oder linken Arm gewesen sei. Der Verteidiger bezeichnete das Vorgehen der Ermittler insgesamt als "zusammengewurschtelte Pseudo-Identifizierung". Der Verdacht gegen seinen Mandanten beruhe allein auf einem - womöglich falsch durchgegebenen - Kennzeichen. Und selbst, wenn es sich tatsächlich um das Fahrzeug des Mandanten gehandelt habe, sei nicht der Beweis geführt, dass er auch der Fahrer und Schläger gewesen sei. Er forderte Freispruch.

Keine Bewährung mehr

Der Staatsanwalt dagegen plädierte, dass die Täterschaft des Angeklagten auf der Hand liege. "Jede andere Annahme wäre lebensfremd", sagte er. Der Zeuge habe Fabrikat und Kennzeichen des Autos klar erkannt. Er warf dem Angeklagten vor, sich für die Lichtbildvorlage durch eine "Radikal-Rasur unkenntlich" gemacht zu haben. Im Moment einer solchen massiven Attacke könne sich ein Opfer zudem unmöglich merken, ob der Täter auf dem rechten oder linken Oberarm ein Tätowierung habe. Der Täter habe bei der Tat nicht nur überzogen reagiert, sondern hochgradig kriminell. "Der Angeklagte ist ein professioneller Boxer, der seine Fäuste als Waffe benutzt", so der Staatsanwalt. Aufgrund der zahlreichen einschlägigen Vorstrafen des Mannes forderte er ein Jahr und vier Monate Haft - ohne Bewährung.

Richter Kay Ronsdorf folgte dem Antrag des Staatsanwalts - und entzog dem Angeklagten auch noch zusätzlich für sechs Monate den Führerschein. "Trotz der Versuche der Verteidigung, die Zeugen nach bestem Wissen und Gewissen zu verunsichern, besteht kein Zweifel an der Schuld des Angeklagten." Ronsdorf merkte an, dass nicht nur der damals dem Angeklagten gehörende Porsche gerichtsbekannt sei, sondern auch er selbst den Angeklagten von vielen Gelegenheiten kenne, bei denen er als Zuschauer von Prozessen irgendwelcher Kumpel gewesen sei. "Da bekommt man einen Blick dafür, wie sich das Aussehen entwickelt", so Ronsdorf - und seine Kenntnis von dessen Aussehen entspreche genau der Beschreibung des Opfers vom Tattag.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Der Verteidiger hatte schon während seines Plädoyers angekündigt, im Falle einer Verurteilung Berufung zum Landgericht einlegen zu wollen.

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