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Wieder Asylbewerber in Zittau verprügelt?

Der Libyer Saleh Abdelrahim sagt, er sei in einer Kneipe attackiert worden. Er trug mehrere Schädelbrüche davon - und wurde in Zittau nicht behandelt.

Saleh Abdelrahim wurde massiv im Gesicht und Kopf verletzt.
Saleh Abdelrahim wurde massiv im Gesicht und Kopf verletzt. © Markus van Appeldorn

Das rechte Auge blau und geschwollen, der Nacken schmerzt und die Brust auch - das sind die Andenken, die den Zittauer Asylbewerber Saleh Abdelrahim (31) an eine Juninacht in einer Zittauer Kneipe erinnern. Dort sei er von einem ihm körperlich weit überlegenen Deutschen verprügelt worden, sagt er. Seine Verletzungen sind medizinisch dokumentiert. Unklar ist aber noch, ob es sich bei dem Vorfall um eine gezielt fremdenfeindlich motivierte Attacke handelte.

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Immer wieder kommt es auch in Zittau vor, dass Migranten Opfer fremdenfeindlicher Übergriffe werden. Zuletzt schlug der Fall des Zittauer Feuerwehrmann Anass Halime Wellen, der im Dezember 2020 - allerdings in seinem Wohnort Görlitz - rassistisch beleidigt und körperlich attackiert wurde. Im Februar 2020 standen vier Jugendliche vor dem Zittauer Amtsgericht, weil sie unter anderem einen jugendlichen Araber durch Zittau gehetzt hatten. Und ein Jahr zuvor hatte ein Zittauer auf offener Straße einen Iraner angegriffen und ihn verletzt. Wie es sich genau im Fall von Saleh Abdelrahim zugetragen hat, wird noch von der Polizei aufzuklären sein.

Eine Sache von wenigen Sekunden

Der junge libysche Asylbewerber schildert den Fall so: Am 26. Juni, einem Sonnabend, habe er gemeinsam mit einem Freund eine Kneipe in der Lindenstraße besucht. Wie schon öfter zuvor, habe man sich dort zum Billardspielen getroffen. Wenige Minuten nach Mitternacht hätten die beiden dann an einem Tisch gesessen. "Dann kamen zwei Männer herein, große Männer", erzählt Abdelrahim. Einer der beiden habe seinen Freund freundlich begrüßt. "Dann hat er mich gefragt: ,Geht's Dir gut'", erzählt er und er habe diese Frage mit einem Lachen quittiert. "Da hat er mir sofort aufs Auge, ins Gesicht und auf die Brust geschlagen", so Saleh Abdelrahim. Er sei sofort aus der Kneipe geflohen und habe seinen Freund aus den Augen verloren. Sein Freund bestätigt diese Schilderung. In der Kneipe weiß man auf SZ-Anfrage nichts von dem Vorfall. Es ist nicht ausgeschlossen, dass sonst niemand etwas davon mitbekommen hat, denn der Vorfall ereignete sich nach Angaben von Abdelrahim innerhalb nur weniger Sekunden.

Abdelrahim schildert, die Nacht in irgendeinem Park verbracht zu haben und am Morgen zum Zittauer Krankenhaus gegangen zu sein, um seine schmerzhaften Verletzungen behandeln zu lassen. Was dort passierte, macht die Sache weiter rätselhaft. Dort nämlich habe man ihn nicht behandelt, sondern ihm einen Zettel mit der Adresse des Städtischen Klinikums Görlitz in die Hand gedrückt und ihn dorthin verwiesen. In Görlitz attestierte man ihm dann "multiple Frakturen der Schädel- und Gesichtsschädelknochen", sowie eine "Prellung des Thorax". Dieses ärztliche Protokoll liegt SZ vor.

Die Kneipe in der Lindenstraße, in der sich die Attacke ereignet haben soll.
Die Kneipe in der Lindenstraße, in der sich die Attacke ereignet haben soll. © Markus van Appeldorn

Rätsel um Vorgang im Krankenhaus

Im Krankenhaus Zittau ist man ob dieses Vorfalls alarmiert. "Der Name des jungen Mannes ist in den Unterlagen der Notaufnahme nicht registriert", sagt Dr. Jana Cordelia Petzold, Pressesprecherin des Klinikums Oberlausitzer Bergland. Und: "Es ist ausgeschlossen, dass ein sichtlich verletzter Mensch in die Notaufnahme kommt und dort nicht behandelt wird." Petzold hat dagegen eine andere Theorie. In den Räumen der Klinik befindet sich als Mieter auch die Wochenend-Ambulanz der niedergelassenen Ärzte. Für einen Laien ließe sich eventuell nur schwer unterscheiden, ob er in der Notaufnahme der Klinik oder in dieser Ambulanz gelandet sei, so Petzold. Dort habe man den jungen Mann eventuell weiter geschickt - was im Ergebnis freilich auch nicht wünschenswert sei. Diese Ambulanz nutze aber bloß Räume der Klinik als Mieter, die Klinik habe keinerlei Einfluss darauf, was in dieser Ambulanz geschieht.

Saleh Abdelrahim hat am 29. Juni bei der Polizei in Zittau Strafanzeige gegen Unbekannt erstattet. Die Polizei bestätigt auf SZ-Anfrage diese Anzeige. An jenem frühen Sonntagmorgen sei die Polizei aber nicht in diese Kneipe alarmiert worden. Abdelrahim gab bei Anzeigeerstattung an, er kenne den Schläger nicht namentlich, aber vom Sehen. Dieser arbeite beim Sicherheitsdienst des Asylbewerberheims in der Zittauer Sachsenstraße. Mittlerweile hat Abdelrahim mit der Hilfe von Freunden die Identität des Tatverdächtigen ermittelt und seine Strafanzeige entsprechend aktualisiert. Der Betreiber des Sicherheitsdienstes betont gegenüber SZ, dass die betreffende Person schon seit Dezember 2020 nicht mehr für sein Unternehmen tätig ist.

Änderungshinweis 16. Juli 10.40 Uhr: In einer früheren Version dieses Textes hieß es nach Angaben des Asylbewerbers, dass der angebliche Täter als Sicherheitskraft in der Sachsenstraße arbeite. Das ist nach Auskunft des Betreibers dieses Sicherheitsdienstes nicht mehr der Fall.

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