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Autodiebe kehren nach Corona-Lockdown zurück

In Zittau und Görlitz entsteht ein doppelt so hoher Schaden wie im Vorjahr. In Zittau hofft man jetzt auf raschen Einsatz von Hightech-Fahndung.

Ein Foto des Landtagsabgeordneten Stephan Meyer und des Zittauer Oberbürgermeisters Thomas Zenker zeigte bei einer Demonstration die Leistungsfähigkeit des Peris-Systems.
Ein Foto des Landtagsabgeordneten Stephan Meyer und des Zittauer Oberbürgermeisters Thomas Zenker zeigte bei einer Demonstration die Leistungsfähigkeit des Peris-Systems. © Matthias Weber Archiv

Es vergeht quasi kein Tag, ohne dass die Polizei einen Autodiebstahl rund um Zittau und Görlitz meldet. Der Landkreis ist Autoklau-Land. Würde man wie bei Corona einen Inzidenzwert nennen - also die Zahl der jährlichen Autodiebstähle auf 100.000 Einwohner, so weist der Landkreis laut der Kriminalstatistik des Bundeskriminalamtes einen der bundesweiten Spitzenwerte von 112 auf. Knapp weniger als Berlin (120), aber weit mehr als der Nachbarlandkreis Bautzen (43), Dresden (32) oder gar München (13). Und die neuesten Zahlen der Polizeidirektion Görlitz zeigen: 2021 ist jetzt schon auf Rekordkurs beim Autodiebstahl.

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Demnach wurden im Zeitraum vom 1. Januar bis 31. Juli dieses Jahres 202 Autodiebstähle im Landkreis registriert. Im Vorjahreszeitraum waren es laut Polizeistatistik nur 124 Fälle. "Beim Vergleich der beiden Zeiträume ist zu berücksichtigen, dass die pandemische Lage im ersten Halbjahr 2020 zu starken Einschränkungen im Grenzverkehr zu Tschechien und Polen geführt hat", teilt die Polizeidirektion auf SZ-Anfrage mit. Dennoch: Im Vergleich zum Vor-Corona-Jahr 2019 ist die Zahl der Fälle ebenfalls signifikant gestiegen. Damals registrierte die Polizei im Zeitraum Januar bis Juli 184 Autodiebstähle.

Doppelt so hoher Schaden wie im Vorjahr

Schwerpunkt des Diebstahlgeschehens seien die Städte Zittau und Görlitz. Auch die Höhe des entstandenen Diebstahlschadens hat sich beträchtlich erhöht. Für den Vergleichszeitraum 2020 gibt die Polizei eine Summe von 1,2 Millionen Euro an, für 2021 einen von bereits 2,5 Millionen Euro. "Die Zunahme der Schadenssummen hängt unmittelbar mit der derzeitigen Fokussierung der Täter auf höherwertige Fahrzeuge, wie zum Beispiel Wohnmobile, SUV oder Transporter zusammen", heißt es dazu von der Polizei. Die "Hitliste" der meist gestohlenen Fahrzeuge bilden demnach solche der Hersteller VW, Audi, Fiat, Mazda und Mercedes. Hoch in der Gunst der Täter stehen auch Transporter der Typen Fiat Ducato, Citroën Jumper, VW T5, Renault Traffic sowie der Mercedes Sprinter - solche Transporter verschwinden auch oft mitsamt wertvoller Werkzeuge und Maschinen.

Die Verteilung der Tatzeiten in den einzelnen Monaten ist laut Polizei annähernd gleich. Lediglich in den Sommermonaten sei jeweils eine spürbare Zunahme der Diebstähle zu verzeichnen. Angaben zur Aufklärungsquote könnten nicht gemacht werden, da eine Vielzahl der Vorgänge noch in Bearbeitung sei. "Gemäß der polizeilichen Kriminalstatistik lag die Aufklärungsquote im Jahr 2020 bei 44 Prozent", teilt die Polizei dazu weiter mit.

Das mobile Personenidentifizierungssystem (Peris) der Polizeidirektion Görlitz ist in einen Kleintransporter eingebaut.
Das mobile Personenidentifizierungssystem (Peris) der Polizeidirektion Görlitz ist in einen Kleintransporter eingebaut. © Matthias Weber/photoweber.de

Hoffnung auf Hightech für Zittau

Um das Diebstahlgeschehen einzudämmen, reagiere die Polizei "mit verstärkten operativen Maßnahmen", heißt es. Insbesondere in Zittau komme derzeit vermehrt das mobile Personen-Identifikation-System (Peris) zum Einsatz. In dem Zuge konnten laut Polizei bereits erste Ermittlungserfolge verzeichnet werden. "Darüber hinaus ist in Zittau mittelfristig die Installation stationärer Peris in Planung", teilt die Polizei mit. In Görlitz ist dieses stationäre System bereits seit 2020 an mehreren Stellen im Einsatz, etwa an der Altstadtbrücke. Nach Angaben des Ministeriums ist seitdem die Kriminalität gerade im Bereich der Altstadt deutlich zurückgegangen.

Damit ein Fahrzeug erst gar nicht gestohlen wird, rät die Polizei Autobesitzern zu folgenden Maßnahmen:

  • Ziehen Sie den Zündschlüssel immer ab - auch bei kürzerer Abwesenheit.
  • Lassen Sie das Lenkradschloss hörbar einrasten.
  • Schließen Sie immer Fenster, Türen, Kofferraum und Schiebedach.
  • Stellen Sie Ihr Fahrzeug auf belebten und beleuchteten Parkplätzen ab und nutzen Sie wenn möglich eine Garage.
  • Lassen Sie keine Fahrzeugschlüssel unbeaufsichtigt in Jacken oder Manteltaschen, wenn Sie diese an öffentlichen Garderoben aufhängen.
  • Bewahren Sie Ersatzschlüssel nicht am oder im Fahrzeug auf.
  • Nutzen Sie zusätzliche Diebstahlsicherungen, die in die Mechanik bzw. Elektronik des Fahrzeuges eingreifen, wie etwa durch Lenkrad- oder Schaltsperren, Parkkrallen, Unterbrechung des Stromkreises oder OBD-Schutz.

Der Einsatz elektronischer Ortungssysteme könne das Wiederauffinden gestohlener Pkw erleichtern, wenn die Daten direkt an die Polizei übermittelt werden. Weitere Informationen zur Fahrzeugsicherung gibt es auf der Internetseite des Programms Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes.

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