merken
PLUS Zittau

Studie beweist: Zittau ist eine absolute Aufsteigerstadt

Bei einem Ranking unter 578 deutschen Mittelstädten gehört Zittau in einer Kategorie zu den Gewinnern - doch es gibt auch Schattenseiten.

Blick auf Zittaus Markt und Rathaus vom Aussichtsturm der Johanniskirche.
Blick auf Zittaus Markt und Rathaus vom Aussichtsturm der Johanniskirche. © Matthias Weber Archiv

Sag mir, wo Du stehst! Das ist freilich nicht der Titel, wohl aber gewissermaßen Zweck der Studie "Erfolgreiche Mittelstädte" des nordrhein-westfälischen Kommunal- und Unternehmensberaters Contor. Die dreiteilige Studie setzt die 587 deutschen Mittelstädte mit 20.000 bis 75.000 Einwohnern nach den Kriterien "Stärke", "Entwicklung" und "Erfolg" in ein Städteranking. Und in einer dieser Kategorien ist Zittau recht weit vorne dabei - das macht Zittau laut dieser Studie zu einer "Aufsteigerstadt".

Arbeit und Bildung
Alles zum Berufsstart
Alles zum Berufsstart

Deine Ausbildung finden, die Lehre finanzieren, den Beruf fortführen - Hier bekommst Du Stellenangebote und Tipps in der Themenwelt Arbeit und Bildung.

Mit einer eigens entwickelten Standortanalyse-Software misst Contor den Erfolg einer Kommune nach Indikatoren im Bereich Demografie (etwa Entwicklung der Bevölkerungszahl, Anteil unter 20-Jähriger), Sozioökonomie und Lebensqualität (etwa Arbeitslosenzahl, Insolvenzen, Steueraufkommen, Einkommen, Wohnsituation) und Wirtschaftskraft (Bruttoinlandsprodukt und dessen Entwicklung, Investitionen, Beschäftigtenanteil und dessen Entwicklung). Die ersten zwei Teilstudien "Stärke" und "Entwicklung" mündeten dann in den Ergebnisteil "Erfolg". "Wir sind zu dem Ergebnis gekommen, dass wir die Komponente Stärke doppelt so hoch gewichten wie die Komponente Entwicklung", sagt Studienautor und Contor-Geschäftsführer Henner Lüttich. "Stärke" nämlich resultiere aus jahrzehntelanger erfolgreicher Entwicklung, während die Komponente "Entwicklung" nur den Zeitraum der letzten fünf Jahre umfasse. Der Studie liegen dafür von 2013 bis 2018 erhobene Daten zugrunde.

Wie sich die DDR-Historie noch bemerkbar macht

Bevölkerungsschwund, Industriebrachen, bei den Medianlöhnen das Armenhaus der Republik und aufgrund verhältnismäßig geringer Steuereinnahmen eine klamme Stadtkasse - aus dieser Kombination kann naturgemäß keine Position der Stärke erwachsen. Da nimmt es nicht Wunder, dass Zittau bei dieser Studienkomponente unter 587 Städten nur auf Platz 490 rangiert - aber immerhin das noch vor Görlitz (492). Die Kreisstadt landet in allen Studienteilen hinter Zittau, teils sogar deutlich.

Das zeigen dann auch die konkreten Zahlen der gemessenen Indikatoren. Die stellt die Studie auf einer Skala von eins bis 100 dar. Beim verfügbaren Einkommen sowie dessen Entwicklung rangiert Zittau in der "Stärke"-Studie mit einem jeweiligen Wert von sieben weit unter den Durchschnittswerten der gemessenen Städte. Dieses Einkommen beträgt in Zittau 19.486 Euro jährlich, der Mittelwert aller Städte liegt bei 23.263 Euro. Die Steuereinnahmen rangieren auf der Skala gar nur mit einer eins - und erreichen mit 690 Euro pro Einwohner kaum mehr als die Hälfte des Mittelwerts (1.295 Euro). Den Maximalwert der Studie erreicht mit 12.304 Euro eine besonders begüterte Stadt.

Die Schattenseiten der Studie

Einen einsamen Spitzenwert unter allen untersuchten Städten erreicht Zittau dagegen beim Indikator "Wohnungen" - hier schnellt der Skalen-Wert auf 100 hoch. Das ist leicht erklärt: hoher Leerstand. "Aber es ist dennoch gut für eine Stadt, wenn sich dort leicht bezahlbarer Wohnraum finden lässt", erklärt Studienautor Henner Lüttich. Einen nicht so erfreulichen Spitzenwert erreicht Zittau beim Indikator "Insolvenzen". Der deutlich überdurchschnittliche Skalenwert von 90 bedeutet in Zahlen zwar nur eine Insolvenz auf 1.000 Einwohner - aber in der Studie gibt es eben auch zahlreiche Städte, die auf einen Wert von null kommen.

Unterdurchschnittlich rangiert Zittau laut der "Stärke"-Studie auch bei der Arbeitslosenzahl von 5,28 Prozent (Mittelwert 2,75 Prozent), dem Anteil der Jugend mit 16,06 Prozent (Mittelwert 18,68) und der Zahl der Einfamilienhäuser von 86 pro 1.000 Einwohner (Mittelwert 163). Dieser Wert gibt einen gewissen Wohlstand der Bevölkerung wieder und dürfte in Zittau wie in vielen ostdeutschen Kommunen auch der DDR-Historie geschuldet sein. Ein leicht unterdurchschnittlicher aber dennoch erfreulicher Wert: Die Abwanderung scheint mit einem positiven Wanderungssaldo-Wert von 0,16 auf niedrigem Niveau gestoppt (Mittelwert 0,47).

Bei der Entwicklung ganz weit vorne

Nun zu den Lichtblicken: Der Teilstudie "Entwicklung". Hier schaffte es Zittau zwar nicht ganz unter die Top 100, gehört aber mit Rang 110 zu den Aufsteigerstädten in Deutschland - Görlitz landete auf Rang 136. Mit einem weit überdurchschnittlichen Skalenwert von 83 bewertet die Studie etwa die Entwicklung des verfügbaren Einkommens. Es ist zwar nicht hoch, steigt aber schneller als anderswo. Deutlich überdurchschnittlich schneidet Zittau auch bei der Entwicklung (also dem Rückgang) des Arbeitslosenanteils und der Entwicklung der Insolvenzen ab - es gibt also noch welche, aber tendenziell weniger. Auch der Anteil der Jugend entwickelt sich prächtig und beträgt mit einem Zuwachs von 7,69 mehr als das doppelte des Mittelwertes der Studie.

Mit einer Zuwachsrate von Einfamilienhäusern liegt Zittau mit einem Wert von 2,61 Prozent weit über dem Mittelwert (0,4 Prozent). Auch das ist leicht erklärt: In vielen der Städte haben bereits viele Menschen ihr Eigenheim und es werden prozentual nicht mehr so viele dazu gebaut. Aber dieser Wert lässt auf einen wachsenden Wohlstand schließen und darauf, dass Menschen dauerhaft in Zittau bleiben möchten. Was dem Mittelwert noch deutlich hinterherhinkt, ist die Entwicklung der Investitionen und auch die Entwicklung der Steuereinnahmen erreicht mit sieben Prozent nur etwas mehr als die Hälfte des Mittelwerts (13 Prozent) - liegt aber immerhin im Plus. Den Höchstwert erreichte eine Stadt, die ihre Steuereinnahmen um 76 Prozent steigern konnte.

Für die Ergebnis-Studie "Erfolg" wurden die Faktoren der Demografie mit 25 Prozent gewichtet, die der Sozioökonomie und Lebensqualität mit 47 Prozent und die der Wirtschaftskraft mit 28 Prozent - und die Werte der Teilstudie "Stärke" eben doppelt so stark gewichtet wie die der Teilstudie "Entwicklung". Demnach ist klar, dass Zittau mit dem Rang 110 in dieser Teilstudie nicht ins Spitzenfeld würde hochschießen können. Immerhin: Zittau hat mit einem Gesamtrang von 412 beinahe 80 Ränge aufgeholt, Görlitz mit einem Gesamtrang von 464 nicht einmal 30 - was Zittau zum heimlichen Champion des Kreises macht.

Mehr zum Thema Zittau