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Rentnerin seit sechs Monaten ohne Dusche und Wasser

Wegen eines Wasserschadens in ihrer Wohnung wurde der Zittauerin Heike Seifert die gesamte Wasserinstallation entfernt - und die Sanierung stockt.

Heike Seifert in ihrer Wohnung, die seit einem halben Jahr eine Baustelle ist.
Heike Seifert in ihrer Wohnung, die seit einem halben Jahr eine Baustelle ist. © Markus van Appeldorn

Gemessen an heutigen Maßstäben ist die Mietwohnung von Heike Seifert (66) in der Zittauer Tongasse absoluter Sub-Standard. Toilette auf der Zwischen-Etage, kein Bad, sondern eine in den 90er-Jahren nachgerüstete Dusche in der Schlafstube. Es gibt Orte in der Republik, da ließe sich so eine Wohnung nicht einmal für einen Euro pro Quadratmeter vermieten. Aber als Seifert vor 18 Jahren hier einzog, war die Wohnung für Zittauer Verhältnisse vielleicht noch akzeptabel. Und die Rentnerin ist genügsam und mag ihre Wohnung besonders wegen des großen Gartens. Aber seit nunmehr sechs Monaten ist ihr die Wohnfreude vergangen. Denn seit April hat sie keine Dusche mehr, kein Waschbecken, keinen Wasseranschluss.

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Kurz nach Ostern im April entdeckte sie das Drama: einen Wasserschaden. "Bei mir im Flur lief das Wasser aus der Wand", erzählt sie. Und schnell bemerkte sie auch, dass sich das Wasser auch schon andere Wege in ihrer Wohnung gesucht und auch schon die Decke der darunter liegenden Wohnung durchfeuchtet hatte. Der Wasserschaden war offenbar schon wesentlich früher entstanden. "Ich sage meinen Mietern immer, sie sollen feuchte Stellen sofort melden und nicht abwarten im Glauben, das ginge von allein wieder weg", sagt ihre Vermieterin Vera Klektau auf SZ-Anfrage.

Zum Wasserholen aufs Klo

Die Folgen jedenfalls sind für Heike Seifert langwierig. "Am 21. April war ein Heizungstechniker hier und hat das Wasserrohr abgeklemmt", sagt sie. Ab dem Moment war sie ohne Wasser. Aber nach dem Besuch des Monteurs sei dann erst einmal eine ganze Weile gar nichts weiter passiert. "Am 4. Juni kam dann eine Trockenbaufirma und hat hier alles aufgekloppt", erzählt sie. Dabei sei auch die Dusche in ihrer Schlafstube samt sämtlicher Fliesen und das Waschbecken in ihrer Küche demontiert worden. "Dann hat die Firma mir bis zum 7. Juli ein elektrisches Trockengerät in die Wohnung gestellt", schildert Seifert. Und diese Trockenbaufirma ist es, gegen die sich nun seit Monaten ihr Groll richtet. "Das kann doch nicht sein, dass das hier so lange dauert", sagt sie.

Sie musste für die Arbeiten aus zwei Räumen sämtliche Möbel in ihr Wohnzimmer oder sogar ins Treppenhaus räumen. Statt in ihrer Schlafstube übernachtet sie jetzt immer auf einer Couch. "Und wenn ich Wasser zum Kaffeekochen brauche, muss ich mir das auf der Toilette einen Treppenabsatz tiefer holen", sagt sie. Zum Duschen geht sie in die darunterliegende Wohnung, die von ihren in Nordrhein-Westfalen lebenden Vermietern ab und zu als Ferienwohnung genutzt wird. "Ich kann manchmal nächtelang nicht schlafen, weil ich mir so viele Gedanken mache", sagt sie.

Wo früher die Dusche war, ist jetzt eine unverputzte Wand und ein Loch im Fußboden.
Wo früher die Dusche war, ist jetzt eine unverputzte Wand und ein Loch im Fußboden. © Markus van Appeldorn
Auch in der Küche wurde das Waschbecken entfernt.
Auch in der Küche wurde das Waschbecken entfernt. © undefined
Ihr Wasser holt sich die Rentnerin jetzt auf der Toilette in der Zwischenetage.
Ihr Wasser holt sich die Rentnerin jetzt auf der Toilette in der Zwischenetage. © undefined

Die schwierige Handwerker-Situation

Dabei müsste sie gar nicht so in ihrer Baustellen-Wohnung hausen. "Ich habe ihr angeboten, dass sie unsere Ferienwohnung vollumfänglich nutzen kann", sagt Vermieterin Vera Klektau. Sie und ihr Mann würden diese Wohnung eben zwei bis dreimal im Jahr nutzen. "Aber solange die Wohnung von Frau Seifert nicht fertig ist, werden wir die Wohnung nicht selbst nutzen", sagt sie. Doch anscheinend will Heike Seifert gar nicht aus ihrer Wohnung - auch nicht vorübergehend. Die Trockenbaufirma hätte ihr angeboten, den Handwerkern einen Schlüssel für ihre Wohnung zu überlassen. Das aber hat sie abgelehnt. "Ich vertraue denen nicht. Ich kann in meiner Wohnung ja nichts wegschließen", sagt sie.

Auch ihre Vermieterin ist mit der Situation unglücklich. "Am Anfang war es schon schwer, überhaupt Handwerker zu bekommen", sagt sie. Jetzt liege die Sache noch bei der Versicherung, die die Schadensregulierung freigeben müsse. "Das ist ein Schaden von weit über 20.000 Euro", sagt Vera Klektau. Sie kann sich den Rohrbruch auch gar nicht erklären, denn die Wasserinstallation sei keinesfalls alt. "Wir haben in dem Haus in den 90er-Jahren die komplette Wasserinstallation erneuert", sagt sie. In diesem Zuge seien damals auch Duschen in den Wohnungen nachgerüstet worden. "Wir machen Druck bei der Baufirma, aber wir haben keine wirkliche Handhabe", sagt sie. Klektau hofft, dass die Versicherung jetzt innerhalb kurzer Zeit die Regulierung bewilligt und die Arbeiten dann zügig fortgesetzt werden.

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