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Heute öffnet Zittaus Post zum letzten Mal

Abschied vom Hauptpostamt in Zittau: Ein Oderwitzer blickt auf seinen einstigen Arbeitsplatz und führt noch einmal durch das Haus.

Günter Ebermann hat bis 1994 das Hauptpostamt am Zittauer Haberkornplatz geleitet.
Günter Ebermann hat bis 1994 das Hauptpostamt am Zittauer Haberkornplatz geleitet. © Matthias Weber/photoweber.de

Zittau. Wenn heute das Zittauer Hauptpostamt am Haberkornplatz für immer für Kunden geschlossen wird, geht Günter Ebermann noch einmal an seine alte Wirkungsstätte. Hier hat er von der Pike auf alles gelernt, was zum Postwesen dazugehört. Und das war zu DDR-Zeiten viel mehr, als jetzt. Mit etwas Wehmut blickt er zum Balkonzimmer über dem riesigen Eingangsportal des imposanten Gebäudes. Das Balkonzimmer war sein Arbeitsplatz. Von dort aus hat er bis 1994 die Zittauer Hauptpost geleitet. Jetzt geht hier eine Ära zu Ende. Eine Hauptpost, die keine mehr ist, für Günter Ebermann ist das nur schwer vorstellbar.

Im Zittauer Hauptpostamt bekam der heute 78-jährige Oderwitzer 1957 einen Lehrvertrag. Für drei Jahre ist er deswegen nach Görlitz in die Lehre gegangen. Als Postbetriebsfacharbeiter kam er nach Zittau zurück. Günter Ebermann hat in der Post in fast allen Bereichen gearbeitet, in der Zustellung, am Schalter, der Beförderung. Er kennt buchstäblich jede Ecke in dem riesigen Gebäude-Komplex aus dem Jahr 1883.

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Zittaus Hauptpostamt am Haberkornplatz wurde 1883 eröffnet.
Zittaus Hauptpostamt am Haberkornplatz wurde 1883 eröffnet. ©  Matthias Weber (Archiv)
Die Seitenansicht des lang gezogenen Gebäudekomplexes zur Innenstadt.
Die Seitenansicht des lang gezogenen Gebäudekomplexes zur Innenstadt. © Matthias Weber/photoweber.de
Diese Gedenktafel kam nach der Wende hinter einer Wandverkleidung im Postamt wieder zum Vorschein. Sie ist den gefallenen Zittauer Postangestellten im Ersten Weltkrieg gewidmet.
Diese Gedenktafel kam nach der Wende hinter einer Wandverkleidung im Postamt wieder zum Vorschein. Sie ist den gefallenen Zittauer Postangestellten im Ersten Weltkrieg gewidmet. © Matthias Weber/photoweber.de
Die Seitenansicht des lang gezogenen Gebäudekomplexes zum Töpferberg.
Die Seitenansicht des lang gezogenen Gebäudekomplexes zum Töpferberg. © privat

Er ging auf Meisterschule und wurde Dienststellenleiter, nahm ein Fernstudium auf und wurde später bis 1994 der Leiter des Hauptpostamtes. Etwa 25 Mitarbeiter zählte seine Belegschaft. "Bis zur Wende gehörte zum Bereich Post ja noch viel mehr", erzählt er. Hier gab es auch das Fernmeldeamt, den Lotto-Dienst und den Postzeitungsvertrieb.

Die Hauptpost war über Jahrzehnte der Dreh- und Angelpunkt der Kommunikation für Zittau und Umgebung. Hier im Haus wurden anfangs händisch - wie man es aus alten Filmen kennt - und später automatisch alle Telefonverbindungen aufgebaut. 2,3 Millionen Ferngespräche sind das bereits 1970 gewesen. Sieben Jahre später kam das Ende der Fernmeldetechnik im Haus.

Alle Briefe von und nach Zittau und seinem alten Kreisgebiet sind zu DDR-Zeiten durch dieses Haus gewandert. "Unser Postzeitungsvertrieb hatte 1971 täglich für das Kreisgebiet Zittau 55.000 Zeitungen zu bewältigen", erzählt er. Und nur weil dann die Verwaltung nach Görlitz wechselte, arbeitete er nach 1994 die letzten Jahre bis zur Rente dort.

Wenn er die Hauptpost betritt, wird er heute noch besonders freundlich begrüßt. Man kennt sich. Mit einer Kollegin am Schalter hatte er noch zusammengearbeitet. Heute ist natürlich alles viel moderner. Aber schmunzelnd erinnert er sich dennoch daran, als nach der Wiedervereinigung die ersten Postmitarbeiter aus den alten Bundesländern zu ihnen kamen. "Die waren überrascht, dass wir schon Computer an den Schaltern hatten", sagt er. Und manch einer der West-Postler gestand ihnen hinter vorgehaltener Hand, dass sie drüben froh wären, wenn sie das hätten, was in Zittaus Hauptpost vorhanden war.

Bilder aus dem Zittauer Hauptpostamt aus DDR-Zeiten

1988 arbeiteten die Mitarbeiter an den Schaltern im Zittauer Hauptpostamt schon mit Computern.
1988 arbeiteten die Mitarbeiter an den Schaltern im Zittauer Hauptpostamt schon mit Computern. © privat
Ein Blick hinter einen Schalter im Zittauer Hauptpostamt zu DDR-Zeiten.
Ein Blick hinter einen Schalter im Zittauer Hauptpostamt zu DDR-Zeiten. © privat
Der Bereich Postzeitungsvertrieb im Zittauer Hauptpostamt zu DDR-Zeiten.
Der Bereich Postzeitungsvertrieb im Zittauer Hauptpostamt zu DDR-Zeiten. © privat
Ein Blick in das Fernmeldeamt im Zittauer Hauptpostamt, als zu DDR-Zeiten die Fernmeldetechnik für die Ferngespräche noch per Hand bedient wurde.
Ein Blick in das Fernmeldeamt im Zittauer Hauptpostamt, als zu DDR-Zeiten die Fernmeldetechnik für die Ferngespräche noch per Hand bedient wurde. © privat
Hier ist die Technik im Fernmeldeamt in der Zittauer Hauptpost bereits automatisch gesteuert.
Hier ist die Technik im Fernmeldeamt in der Zittauer Hauptpost bereits automatisch gesteuert. © privat
Das Ende des Fernmeldeamtes kam am 26. Januar 1977 um 0.10 Uhr.
Das Ende des Fernmeldeamtes kam am 26. Januar 1977 um 0.10 Uhr. © privat
Diese Karte mit Sonderstempel hat Günter Ebermann zum 100-jährigen Jubiläum der Zittauer Hauptpost 1983 selber gestaltet und herausgebracht.
Diese Karte mit Sonderstempel hat Günter Ebermann zum 100-jährigen Jubiläum der Zittauer Hauptpost 1983 selber gestaltet und herausgebracht. © privat
Eine Postkarte mit Sonderstempel vom 8.8. 88 vom Zittauer Hauptpostamt. Damals hatte Zittau die Postleitzahl 8800.
Eine Postkarte mit Sonderstempel vom 8.8. 88 vom Zittauer Hauptpostamt. Damals hatte Zittau die Postleitzahl 8800. © privat
Unter Sammlern sehr begehrt ist auch diese handgestempelte Postkarte vom 8. 8. 88 aus 8808 Niederoderwitz.
Unter Sammlern sehr begehrt ist auch diese handgestempelte Postkarte vom 8. 8. 88 aus 8808 Niederoderwitz. © privat
Niederoderwitz hatte an diesem Tag wegen seiner Postleitzahl 8808 sogar im Sonderstempel noch eine 8 mehr.
Niederoderwitz hatte an diesem Tag wegen seiner Postleitzahl 8808 sogar im Sonderstempel noch eine 8 mehr. © privat

Es gab viele Veränderungen. Und so manches kam plötzlich wieder zum Vorschein, wie im Treppenaufgang des Gebäudes. Dort schlummerte jahrzehntelang, hinter einer Wandverkleidung versteckt, ein großer Gedenkstein. Dieser ist 17 Zittauer Postbeamten gewidmet, die im Ersten Weltkrieg ihr Leben ließen.

Günter Ebermann ist Postmitarbeiter mit Leib und Seele gewesen. Gern denkt er an das hier Erlebte zurück. Wie etwa als zur Währungsunion zig Lkw mit der D-Mark neben der Hauptpost standen und von Polizisten mit Maschinengewehren bewacht wurden. "Wir hatten in all den Jahren nie einen Überfall", sagt er.

Geschichte ist längst auch der Hype auf die Briefmarken und Sonderpoststempel. Er erinnert sich noch gut daran, wie die Leute am 8. 8. 88 an der Hauptpost den ganzen Tag über in langen Schlangen anstanden. Zittau hatte damals die Postleitzahl 8800. Republikweit wollten Tausende genau an diesem Tag einen Poststempel auf einen Brief oder eine Karte haben.

Weil es dafür einen Sonderstempel gab, wurde am 8. 8. 88 jeder Brief und jede Karte per Hand abgestempelt. "Wäschekörbe mit Post aus der ganzen DDR stapelten sich bei uns", erinnert sich Günter Ebermann. In jedem Brief steckte ein frankierter Brief, der mit dem Stempel zurückgeschickt werden sollte. "Wir hatten extra Aushilfskräfte bekommen, die den ganzen Tag nur diese Briefe öffneten." Mit zwei Arbeitskollegen hatte er zwei Tage Nachtschichten eingelegt, um Sonderbriefe abzustempeln.

Von allen hat er heute noch Exemplare. Und auch von einer von ihm selber gestalteten Postkarte. Die hatte er zum 100-jährigen Jubiläum der Zittauer Hauptpost 1983 selber herausgebracht. Jeder Mitarbeiter bekam eine als Erinnerung.

Trotzdem wird im Haus noch für die Post gearbeitet

Als er am Donnerstag durch die Hauptpost ging, war das Ende der Postdienstleistungen im altehrwürdigen Haus allgegenwärtig. Zwar wurden immer noch Briefe und Pakete angenommen, aber viele Regale waren schon leer.

Am Montag öffnet Zittaus Hauptpostamt von 8.30 Uhr bis 12 Uhr zum letzten Mal. "Für die Kunden bedeutet dies zwar einen Wechsel von Standort und Ansprechpartnern, die Dienstleistungen der Post können sie aber wie gewohnt in Anspruch nehmen", schildert der Pressesprecher der Postbank in Bonn, Hartmut Schlegel. Als nächstgelegene Alternative steht den Kunden in Zittau die neue Partnerfiliale der Deutschen Post in der Reichenberger Straße 31 zur Verfügung.

Die Post selber nutzt dennoch weiterhin einen Teil des Gebäudes, auch wenn dieses ab dem 2. Februar für die Öffentlichkeit geschlossen ist. "Unsere Kunden in Zittau werden weiterhin von unserem Zustellstützpunkt im Objekt am Haberkornplatz mit Brief- und Paketsendungen versorgt", berichtet Mattias Persson. Das Hauptpostamt ist sogar ein wichtiger Zustellstützpunkt, so der Pressesprecher der Deutschen Post DHL Group. Im Gebäude stellen die dort von der Post beschäftigten 22 Mitarbeiter durchschnittlich von hier aus pro Tag rund 1.200 Päckchen und Pakete sowie 10.000 bis 15.000 Briefe in Zittau und in die nähere Umgebung zu.

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