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Soeg hat ersten Tschechen als Zugführer

Auch eine Frau hat ihre Ausbildung bei der Zittauer Schmalspurbahn beendet. Um eine Dampflok zu fahren, brauchen sie aber mehr.

Soeg-Betriebsleiterin Nicole Altenkirch freut sich, dass Michal Hocke (links) und Stephan Mehlhorn (rechts) nach ihrer Ausbildung zum Zugführer die Zittauer Schmalspurbahn verstärken.
Soeg-Betriebsleiterin Nicole Altenkirch freut sich, dass Michal Hocke (links) und Stephan Mehlhorn (rechts) nach ihrer Ausbildung zum Zugführer die Zittauer Schmalspurbahn verstärken. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Michal Hocke ist der erste tschechische Zugführer der Zittauer Schmalspurbahn. Der 52-Jährige wohnt in Jablonec nad Nisou (Gablonz) und pendelt nun täglich von dort nach Zittau zur Arbeit. Der Arbeitsweg ist nichts Neues für ihn. "Ich arbeite bereits seit 1995 in Zittau", sagt er. Auch deshalb spricht Michal Hocke gut deutsch. Viele Jahre hat er hier unter anderem in der Gastronomie als Kellner gearbeitet.

Jetzt wollte Michal Hocke mal etwas anderes machen und auch mal mehr als nur Mindestlohn verdienen. Nun ist er einer von drei neuen Zugführern bei der Zittauer Schmalspurbahn. Und er hat die Ausbildung dafür nicht bereut. In all seinen letzten Jobs hatte er immer mit Menschen zu tun. Das ist ihm wichtig gewesen. Daran hat sich auch jetzt nichts geändert, wenn er mit der Schmalspurbahn von Zittau ins Gebirge fährt. "Wir haben ein super Arbeitsklima hier", sagt er.

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Nicole Altenkirch ist zufrieden mit ihren drei neuen Schützlingen. Die 29-jährige Betriebsleiterin der Sächsisch-Oberlausitzer Eisenbahngesellschaft (Soeg) ist unter anderem für die Ausbildung im Unternehmen zuständig. Sie hat die drei Neuen unter acht Bewerbern ausgesucht und alle drei haben die Ausbildung gut gemeistert, erzählt sie.

Eine neue Herausforderung gesucht

Zu den Neuen gehört Jana Schurig. "Ich habe eine neue Herausforderung für mich gesucht", sagt die 32-Jährige. Zugführerin ist für sie eine völlig neue Erfahrung. Zuvor hat sie im Einzelhandel gearbeitet. Ihr macht die neue Arbeit Spaß und auch ihr Mann und die Kinder finden es gut, was ihre Mama jetzt macht.

Stephan Mehlhorn ist der dritte im Bunde. Der 37-jährige Schönbacher ist eigentlich schon ein Profi-Eisenbahner. Denn er ist vorher Triebfahrzeugführer bei der Mitteldeutschen Regiobahn gewesen. "Ich wollte unbedingt wechseln. Das hier ist noch richtige Eisenbahn", sagt er.

Für ihn steht schon jetzt fest, er will auch bei der Soeg wieder selbst eine Lok fahren. Als Zugführer kann er das nicht. Da hat er andere Aufgaben, wie vor der ersten Fahrt die Bremsen prüfen, beim Ankoppeln helfen, an einigen Bahnhöfen die Weichen stellen und vieles andere. Anders als bei sonstigen Bahnen sind Zugführer bei einer Schmalspurbahn in erster Linie verantwortlich für den Zug, auch wenn sie ihn nicht selber fahren, erklärt Nicole Altenkirch. So muss er beispielsweise an Bahnhöfen beim Fahrdienst abfragen, ob der Zug losfahren darf.

Stephan Mehlhorn reicht das nicht. Er will sich jetzt als Nächstes bei der Zittauer Schmalspurbahn zum Heizer ausbilden lassen. Hat er diese Qualifizierung in der Tasche, kann er auch die Ausbildung zum Lokführer einer Dampflok machen. "Endlich einen richtigen Zug fahren", sagt er. Für einen Lokführer einer Dampflok braucht man einen separaten Lokführerschein. Da reicht ein normaler Lokführerschein nicht.

Nicole Altenkirch kann das gut verstehen. Die Betriebsleiterin ist seit 2011 Lokführerin - aber eben nur für Dieselloks. Die 29-Jährige würde auch gern eine Dampflok fahren. Den Heizer-Nachweis, den sie dafür braucht, wird sie aber nicht machen. "Das ist mir als Frau eine körperlich zu schwere Arbeit", sagt sie.

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Wahrscheinlich gibt es auch deshalb bei der Zittauer Schmalspurbahn noch keine Frau, die eine Dampflok fahren darf. Immerhin gibt es hier aber schon drei Frauen, die Diesel-Loks fahren. Eine davon ist Nicole Altenkirch. Die Schmalspurbahnen haben es ihr angetan. Seit 2012 ist sie bei der Soeg und war zuvor bei der Preßnitztalbahn im Erzgebirge und beim "rasenden Roland" auf Rügen im Einsatz, bevor es sie der Familie wegen nach Zittau zog.

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