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Die neuen Schlossherren klotzen ran

Im Leutersdorfer Herrenhaus sind die ersten Zimmer fertig. Die Besitzer sind Österreicher und gehören zum Team der Fernsehserie "Der Bergdoktor".

Die neuen Besitzer des Leutersdorfer Schlosses Helmut Zaggl (links) und Joel Lanbach (rechts) zeigen Bürgermeister Bruno Scholze im Erdgeschoss die bereits fertig sanierte Küche mit einem kombinierten Esszimmer.
Die neuen Besitzer des Leutersdorfer Schlosses Helmut Zaggl (links) und Joel Lanbach (rechts) zeigen Bürgermeister Bruno Scholze im Erdgeschoss die bereits fertig sanierte Küche mit einem kombinierten Esszimmer. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Mit dem Dornröschenschlaf im Leutersdorfer Schloss ist es jetzt vorbei. Seit vergangenem Jahr sind zwei Österreicher die Schlossherren. Und die klotzen mächtig ran. So oft sie nur können, zieht es den 41-jährigen Helmut Zaggl und den 25-jährigen Joel Lanbach nach Leutersdorf in die Oberlausitz. 

Die Schlafstube im Erdgeschoss des Leutersdorfer Schlosses ist bereits fertig. Etwa 200 Jahre sind die Betten alt, die nun in dem ebenso alten Herrenhaus stehen.
Die Schlafstube im Erdgeschoss des Leutersdorfer Schlosses ist bereits fertig. Etwa 200 Jahre sind die Betten alt, die nun in dem ebenso alten Herrenhaus stehen. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de
Schlossbesitzer Helmut Zaggl beim Verputzen der Wände in der künftigen Wohnstube im Erdgeschoss. 
Schlossbesitzer Helmut Zaggl beim Verputzen der Wände in der künftigen Wohnstube im Erdgeschoss.  © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de
Die Vorderseite des Leutersdorfer Schlosses.
Die Vorderseite des Leutersdorfer Schlosses. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de
Die Rückseite des Leutersdorfer Schlosses.
Die Rückseite des Leutersdorfer Schlosses. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

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Im Internet sind Helmut Zaggl und Joel Lanbach auf das seit Jahrzehnten ungenutzte Leutersdorfer Schlosses aufmerksam geworden. "Für uns ist das ein neues Projekt und eine schöne Aufgabe, auch mal ein Schloss zu altem Glanz zu verhelfen", sagt Helmut Zaggl. Ganz neu ist die Sanierung eines Gebäudes für die beiden allerdings nicht. In Ungarn haben sie bereits ein großes altes Bauernhaus saniert. Das war noch vor ein paar Jahren eine Ruine und ist nun ein 1-A-Bauernhaus mit Gästehaus. Wenn auch das Leutersdorfer Schloss nun noch eine Nummer größer ist.

"Ich bewundere ihren Mut und ihr Engagement. Wenn sie hier sind, ackern sie jedesmal eine ganze Woche von früh bis spät abends durch", schildert Leutersdorfs Bürgermeister Bruno Scholze (CDU). Und immer, wenn er sich mal auf der Baustelle umschaut, staunt er, wie viel die beiden Österreicher bereits geschafft haben.

Schlafstube und Küche im Erdgeschoss schon möbliert

Noch vor einem Jahr hatten die Zimmer im Erdgeschoss keine Fußböden mehr. Einige waren zugemüllt mit Resten von Abrissarbeiten und Bauschutt. Die Vorbesitzer hatten noch den Putz von den Wänden entfernen lassen.

Jetzt sind bereits die Schlafstube und die Küche mit dem Esszimmer im Erdgeschoss fertig und sogar schon möbliert. Zwei riesige alte schwere Betten zieren das Schlafzimmer. Kaiser Maximilian ist darauf in den Verzierungen abgebildet. "Die Betten sind 200 Jahre alt. Das passt gut zum 1829 fertig gestellten Schloss", sagt Helmut Zaggl. Warum sollen sie alles neue Möbel kaufen, wenn sie einen Teil davon auch von ihrem großen Fundus ihres Unternehmens verwenden können", schildert er.

Seit Freitag haben sie nun auch das Bad fertig. "Das war das schlimmste Zimmer im Erdgeschoss", berichtet Joel Lanbach. Als gelernter Installateur kann Helmut Zaggl hier viel selber machen. Aber auch Joel Lanbach packt voll mit an. Der Einzelhandelskaufmann steht beispielsweise oft am Mischer. Und wenn sich die beiden, wie diesmal, zwei befreundete Maurer als Unterstützung mitgebracht haben, dreht sich die Mischer-Trommel unentwegt. Die beiden Maurer putzen gerade die Wände für die künftige Wohnstube.

Der besondere Reiz des Schlosses

Noch in diesem Jahr soll das Erdgeschoss fertig werden. Hier wird zudem ein großer Aufenthaltsraum eingerichtet, der von der Gemeinde und den Bürgern, ebenso wie eine Gemeinschaftsküche, genutzt werden kann.  Wenn einige aus Granit- und anderen Steinen gesetzte Wände im Haus bauchig sind, lassen sie diese bewusst so. Das verleiht dem alten Gemäuer einen besonderen Reiz, finden die neuen Schlossherren. Für immer sichtbar, bleiben außerdem einige wieder zum Vorschein gekommene historische Wandmalereien. Und bei einem Tischler in Österreich haben sie extra hohe und alt aussehende Sockelleisten anfertigen lassen.

Fünf Ferienwohnungen wollen Helmut Zaggl und Joel Lanbach im Leutersdorfer Schloss einrichten. Jeweils etwa 100 Quadratmeter werden die Apartments groß sein. In drei bis vier Jahren wollen sie das Schloss komplett fertig haben und dann die Ferienwohnungen vermieten.

Seit Ende Mai sind die beiden Männer sechs Mal für jeweils mindestens eine Woche zum Arbeiten in Leutersdorf gewesen. Mehr ging wegen Corona nicht. Dadurch, dass sie in ihrer Firma für den Antikhandel und Veranstaltungsservice noch Mitarbeiter haben, können sie sich öfters mal für die siebenstündige Fahrt in die Oberlausitz loseisen. Es ist jetzt nicht ihr letzter "Arbeitsbesuch" im September im Schloss.

Seit 14 Jahren bei der Fernsehsendung "Der Bergdoktor"

Allerdings sind Helmut Zaggl und Joel Lanbach in diesem Monat auch wieder einige Tage unabkömmlich. Denn immer, wenn für die Fernsehfilmreihe "Der Bergdoktor" weitere Folgen gedreht werden, sind sie mit dabei. Dann richten Helmut Zaggl und Joel Lanbach am Set für die Drehorte die Inneneinrichtungen ein. Da muss Parkett neu verlegt, Wände gestrichen und vieles umgebaut werden. "Seit 14 Jahren macht das unsere Firma nun schon für den Bergdoktor", erzählt Helmut Zaggl. Die Möbel dafür beziehen sie aus einem Münchner Möbelverleih.

Wenn sie in Leutersdorf sind, kommen ab und zu ein paar Nachbarn vorbei. Die staunen immer, wie viel sich schon verändert hat. Von außen sieht man ja nur, dass die Fassade neu gestrichen ist. "Ein ehemaliger Mieter des Hauses ist sogar mal vorbeigekommen", berichten die Schlossherren. Die Reaktionen der Leute sind ganz unterschiedlich. "Manche sagen, dass sie sich das nicht antun würden. Aber alle sind froh, dass hier etwas gemacht wird", schildern sie. Und immer wenn sie heimfahren, sind Helmut Zaggl und Joel Lanbach froh über das wieder erreichte. 

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