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So gedenkt Zittau seiner Militär-Historie

Gedenktafeln erinnern jetzt an ehemalige Kasernen-Standorte in der Stadt. Ein Blick in eine 600-jährige Geschichte, die nach der Wende ein Ende fand.

Ernst Weyer (links) vom Deutschen Bundeswehrverband und der ehemalige Stadtrat Rainer Harbarth vor der ersten angebrachten Gedenktafel am Technischen Rathaus.
Ernst Weyer (links) vom Deutschen Bundeswehrverband und der ehemalige Stadtrat Rainer Harbarth vor der ersten angebrachten Gedenktafel am Technischen Rathaus. © Rafael Sampedro (Archiv)

Nun hängen alle Gedenktafeln, die an die Militärhistorie der Stadt Zittau erinnern. Darauf sind die Einheitsbezeichnungen und die Dauer ihrer Präsenz in den jeweiligen Kasernen aufgelistet. Nachdem bereits Ende Februar die erste Tafel am Eingang der ehemaligen König-Ludwig-Kaserne – bis 1990 Kaserne an der Sachsenstraße, heute Technisches Rathaus – angebracht werden konnte, fand neben zwei weiteren an der Ecke Pfarrstraße/Klosterstraße die letzte am 25. August an einer Sandsteinsäule vor der ehemaligen Mandaukaserne ihren Ehrenplatz.

Möglich gemacht haben das Spenden der Firma Digades, der Sparkasse und des Deutschen Bundeswehrverbands. Über den Inhalt der Tafeln gab's Abstimmungen mit Vertretern des Zittauer Geschichts- und Museumsvereins, der Städtischen Museen, des Kulturhistorischen Museums Franziskanerkloster, der Partei "Die Linke" und dem Vorstand der Kameradschaft.

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Genau 600 Jahre reichen die militärischen Traditionen in Zittau zurück. Alles begann mit der Aufstellung von Stadtsoldaten anno 1621. Fortan gehörten die Militärangehörigen verschiedenster Couleur zum Stadtbild.

Von 1821 bis 1831 befanden sich der Stab und das 1. Bataillon des Königlich-Sächsischen Infanterie-Regiments 102 in Zittau. Damals vermutlich noch in Unterkünften der Stadt. Von 1831 bis 1849 war nur das 1. Bataillon in Zittau stationiert. Ab 1836 wurde mit der alten Kaserne an der Pfarrstraße den militärischen Einheiten ein Gebäude zugewiesen, wo diese ständig untergebracht waren. Zittau wurde zur echten Garnisonsstadt. Da von dieser alten Kaserne nur das Portal vorhanden ist, wurde eine Fotomontage der Kaserne angefertigt. Auf der ist auch eine Originalaufnahme von 1898 enthalten. Sie findet sich auf einer der beiden Tafeln rechts neben dem Tor. Das 1. Bataillon war vermutlich 1836 die erste Einheit, die in dieser Kaserne untergebracht wurde.

Nächste Station ist die Mandau-Kaserne am Martin-Wehnert-Platz. Deren feierliche Grundsteinlegung durch den damaligen Stadtbaurat Emil Trummler erfolgte im April 1868. Es war wohl der damals modernste Kasernenbau im deutschsprachigen Raum. Nach Fertigstellung 1869 zog hier das 3. Königlich-Sächsische Infanterie-Regiment Nr. 102. ein. Allerdings verblieben die 9. und 11. Kompanie des 3. Bataillons in der Kaserne Pfarrstraße. Nach der Verlegung des Regiments im Jahre 1919 wurde der dominante Gebäudekomplex vorwiegend zu Wohnzwecken, aber auch von Ämtern und Institutionen genutzt.

Die erste Zittauer Kaserne an der Pfarrstraße am 23. April 1898 anlässlich des 70. Geburtstags von König Albert von Sachsen. Da Seine Majestät aber bereits 1893 die Stadt besuchte, ist es eher unwahrscheinlich, dass er 1898 zu seinem 70. Geburtstag schon
Die erste Zittauer Kaserne an der Pfarrstraße am 23. April 1898 anlässlich des 70. Geburtstags von König Albert von Sachsen. Da Seine Majestät aber bereits 1893 die Stadt besuchte, ist es eher unwahrscheinlich, dass er 1898 zu seinem 70. Geburtstag schon © SZ-Repro

Der militärische Reigen schließt sich mit der ehemaligen "König-Ludwig-Kaserne" an den Kaiserfeldern. Dort zogen 1902 die Soldaten des Königlich-Sächsischen 3. Infanterie-Regiments Nr. 102 "Prinz-Regent Luitpold von Bayern" ein. Dieses war bereits 1709 aufgestellt worden und beging in Zittau das 200-jährige Bestehen. Alles fand ein vorläufiges Ende mit den Verträgen von Versailles. Die Zittauer Truppenteile wurden aufgelöst. Erst im Oktober 1937 zog die Wehrmacht in dem recht gut erhaltenen Areal ein. Nach Kriegsende und Gründung der DDR wurde dort 1950 die Kasernierte Volkspolizei stationiert.

Der entscheidende Abschnitt in der jüngeren Geschichte begann im Herbst 1963 mit der Konzentration der bisherigen acht Offiziersschulen der Landstreitkräfte der Nationalen Volksarmee an den Standorten Löbau und Zittau. Anlässlich des 8. Jahrestages der Gründung der NVA wurden ihnen am 1. März 1964 die Truppenfahne und der Name "Ernst Thälmann" verliehen.

Der reguläre Betrieb ging mit dem letzten Wachaufzug am 2. Oktober in NVA-Uniform und der Ablösung am nächsten Tag in Uniform der Bundeswehr zu Ende. Die Schließung der zentralen militärischen Lehr- und Bildungseinrichtung erfolgte 1992.

Groß ist die Anzahl derer, die sich noch heute – mit teilweise unterschiedlichen Gefühlen – an ihre eigene aktive Zeit hier im Areal zwischen Sachsen- und Kantstraße erinnern. Insbesondere die Mitglieder der Kameradschaft Ehemalige, Reservisten und Hinterbliebene Zittau im Deutschen BundeswehrVerband fühlten sich dieser Traditionen verpflichtet, weil viele von ihnen noch in dieser Kaserne ihren Dienst versahen. Die Kameradschaft hatte schon 2019 den Antrag gestellt, den militärischen Traditionen der Stadt eine ähnliche Würdigung zu erweisen, wie den "Zeitspuren-Jahreszahlen aus der Geschichte" auf dem Marktplatz. Dem wurde schließlich stattgegeben.

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