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Plötzliches Aus für Schwimmkurse

Erika Blume startete mit Unterricht für große und kleine Nichtschwimmer. Doch das stoppten Volkshochschule und Zittaus Bäder-Chef jetzt. Was ist da los?

Erika Blume wollte mit ihrem Volkshochschul-Schwimmkurs am Ende im Olbersdorfer See schwimmen. Das wird nun so nicht werden.
Erika Blume wollte mit ihrem Volkshochschul-Schwimmkurs am Ende im Olbersdorfer See schwimmen. Das wird nun so nicht werden. © Matthias Weber/photoweber.de

Als Erwachsener doch noch Schwimmen lernen? Kinder abseits des Schulschwimmens  fürs Wasser fit machen? Mit diesem Angebot hat Erika Blume ihre Kurse an der Volkshochschule rasch gefüllt. Dass dann das Frühjahrssemester wegen Corona buchstäblich ins Wasser gefallen ist, hat die Motivation der Teilnehmer allerdings nicht geschmälert. Und so fanden in den vergangenen Wochen in der Hirschfelder Schwimmhalle und dem Stadtbad Zittau wieder Unterrichtseinheiten in den Kursen statt - zum Teil waren es die ersten. Und vorerst auch die letzten.

Denn André Kaminsky, Bereichsleiter Badbetrieb der Städtischen Dienstleistungs-GmbH Zittau, musste nach eigenen Angaben die Notbremse ziehen und hat für die Kurse von Frau Blume die Zusammenarbeit mit der Volkshochschule aufgekündigt. VHS-Leiter Matthias Weber bestätigt dies auch. Der Grund für den Abbruch ist der fehlende Ausbildungsnachweis der Kursleiterin, die früher nach eigenen Angaben als Sportlehrerin auch Schwimmkurse gegeben hat, dies unter anderem aus gesundheitlichen Gründen aber über Jahre nicht mehr tat. Für einen solchen Schwimmlernkurs wird - so ist es vertraglich zwischen Städtischer Dienstleistungsgesellschaft und Volkshochschule vereinbart - das Rettungsschwimmerabzeichen in Silber gefordert. Das konnte Frau Blume aber bislang nicht vorweisen. Sie verfügt nur über diese Qualifikation in Bronze, womit sie laut Kaminsky Kurse im 1,30 Meter tiefen Bewegungsbecken halten dürfte, nicht aber im Schwimmerbecken.

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Versprechen nicht eingelöst

Erika Blume hatte vor Kursbeginn selbst eingeräumt, dass sie den Rettungsschwimmer in Silber, der alle zwei Jahre erneuert werden muss, aktuell nicht besitze, wollte diese Qualifikation im Sommer aber nachholen. Das versprach sie auch der Volkshochschule, bestätigte Weber auf Nachfrage: "Wir waren guter Dinge, dass das klappt", sagt er. Tat es aber nicht, was die streitbare Dame aus ihrer Sicht auf persönliche Diskrepanzen zwischen ihr und der DLRG zurückführt und als "Schikane" bezeichnet. Allerdings ist auch Frau Blume dafür bekannt, ihre Meinung und ihre Sicht der Dinge sehr vehement zu vertreten.

Ungeachtet dessen bleibt das Problem des nötigen Rettungsschwimmer-Nachweises und deshalb kann der VHS-Leiter nachvollziehen, dass der Bad-Chef hier so harsch reagiert hat. Immerhin ist dieser Nachweis ja auch aus Sicherheitsgründen und versicherungsrechtlich relevant. Dass sich Frau Blume dem Vernehmen nach zudem auch anderweitig nicht immer an getroffene Absprachen zu den Kursen gehalten habe und die Begleitung des Kurses durch einen Bademeister erwartet hatte - was aber nicht vorgesehen war - will Kaminsky nicht kommentieren. Ihm gehe es vorrangig um die wichtige Frage der Qualifikation. "Wir wollen, dass Kinder und erwachsene Teilnehmer in guten Händen sind und das sollte jedem Anbieter solcher Kurse wichtig sein", sagt er. Erfahrung sei sicherlich wichtig für einen solchen Kurs, aber es gehörten eben auch die entsprechend vereinbarten Nachweise dazu.

Streitbare Kursleiterin will privat weitermachen

Erika Blume sieht das anders und führt die Vorschriften des Freistaates beim Schulschwimmen ins Feld, nach denen sie qualifiziert wäre. Tatsächlich steht in der geltenden Verwaltungsvorschrift für allgemein- und berufsbildende Schulen, dass die Lehrer neben methodischen und didaktischen Kenntnissen für das Schulschwimmen "mindestens das Deutsche Rettungsschwimmerabzeichen in Bronze besitzen" müssen. Deshalb fragt sich Frau Blume, warum sie Silber benötige. Im Übrigen stimmten die Vorwürfe, sie habe in der Schwimmhalle die Gruppe nicht im Griff gehabt, auch nicht, betont sie. Was den didaktischen Ansatz betrifft, so weicht Erika Blume allerdings vom gängigen Vorgehen ab, das bestreitet sie auch nicht. Das sei nicht der ausschlaggebende Punkt gewesen, betont auch André Kaminsky, er beziehe sich auf die Vertragsinhalte. Ob die Teilnehmer durch ihre Art der Unterrichtsführung möglicherweise gar in Gefahr gewesen seien, könne er persönlich nicht beurteilen, weil er bei den Kursen nicht vor Ort war, erklärt er auf Nachfrage.

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Bei der Volkshochschule hat Frau Blume jetzt ihr Engagement beendet. Schwimmen lehren will sie dennoch: "Ich habe schon mit dem Trixi-Bad gesprochen und möchte dort  eine Bahn mieten und privat Unterricht geben", sagt sie. Außerdem hat sie auch Zittaus Oberbürgermeister und den Hirschfelder Ortsvorsteher angesprochen und um einen Termin gebeten. Am liebsten würde sie die Teilnehmer der VHS-Kurse zu ihrem privaten Kurs mitnehmen. Doch die Kontakte gibt die VHS - allein schon aus Datenschutzgründen - nicht heraus. Abgesehen davon, sollen die Kurse auch unter der Regie der VHS weitergeführt werden. "Wir suchen nach einem Ersatz für Frau Blume und werden dann die Kurse fortsetzen", betont Matthias Weber.

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