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Krankenhaus Zittau: Millionen-OP geht in Betrieb

Das Klinikum Oberlausitzer Bergland hebt die Behandlung von Gefäßerkrankungen auf eine neue Ebene. Davon profitieren vor allem Raucher und Diabetiker.

Chefarzt Bernd Rehnisch und Oberärztin Dr. Kerstin Uhlig demonstrieren die Arbeit an der modernen Technik im neuen OP-Trakt des Zittauer Krankenhauses.
Chefarzt Bernd Rehnisch und Oberärztin Dr. Kerstin Uhlig demonstrieren die Arbeit an der modernen Technik im neuen OP-Trakt des Zittauer Krankenhauses. © Rafael Sampedro

Mit einem leisen Zischen schließt die eine Tür, bevor sich die nächste öffnet und Bernd Rehnisch mit seiner Kollegin Dr. Kerstin Uhlig den neuen OP-Trakt für die Gefäßmedizin im Zittauer Krankenhauses betreten kann. Aus der Schleuse, die mit Überdruck Keime fernhält, laufen der Chefarzt der Chirurgie und seine Oberärztin in ihrer grünen Schutzkleidung durch den großen Raum zum modernen OP-Tisch.

Während vor den Fenstern die Autos fahren und die Hitze flimmert, ist es drin still und angenehm kühl, damit sich Operateure wohlfühlen und möglichst lange konzentrieren können. Zumal Schweißtropfen nichts über offenen Wunden zu suchen haben. Von der Decke strömt hochreine Luft, die 99 Prozent der Bakterien und anderer Keime "wegspült" und die Hygiene sichert.

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Das teuerste Gerät im neuen OP-Saal ist der sogenannte C-Bogen. Das hochmoderne, fest installierte Röntgengerät lässt sich in alle Richtungen verschieben, kippen, drehen. Damit können Chefarzt Rehnisch und seine Kollegen Dr. Kerstin Uhlig, Dr. Aurel Kasaj und Dr. Michal Bureš auch kleinste Äderchen finden und begutachten. In Echtzeit werden die Bilder auf einen großen Monitor am OP-Tisch übertragen.

Am 8. Juni hat der erste Patient auf diesem Tisch gelegen. Für den neuen OP-Trakt sind seit Sommer 2020 Teile von zwei ehemaligen Stationen umgebaut worden. 2,3 Millionen Euro hat das Klinikum Oberlausitzer Bergland dafür investiert. Im April kam die Technik aus den Niederlanden. Sie allein hat rund 800.000 Euro gekostet.

Gewünscht hat sich Chefarzt Rehnisch den neuen OP-Trakt schon seit fünf, sechs Jahren. Vor reichlich einem Jahrzehnt haben er und seine Kollegen mit der Gefäßchirurgie in Zittau begonnen, unter anderem Zugänge für die Blutwäsche gelegt, Krampfadern gezogen, verschlossene Venen und Arterien mit dem Skalpell geöffnet und damit manchem Patienten vor einem Schlaganfall oder der Amputation des Beins bewahrt. Aber der Fortschritt macht nicht Halt: Immer mehr Patienten werden in anderen Krankenhäusern inzwischen auch mit einer Methode behandelt, die nicht so schwerwiegende Eingriffe, eine Vollnarkose und einen längeren Aufenthalt im Krankenhaus nötig macht. Dabei wird im Prinzip durch ein ganz kleines Loch im Körper eine Mini-Stütze aus Metall oder Kunstfasern mit einem winzigen Draht in die Blutgefäße geschoben. An der Engstelle wird er aufgeklappt und sorgt so dauerhaft dafür, dass sich das Gefäß nicht verschließt und es nicht zu schweren Krankheiten kommt. Vor allem Diabetiker und Raucher, deren Adern häufiger "verkalken", profitieren davon, erklärt Rehnisch. Zumal die Zahl der von Arteriosklerose betroffenen Patienten mit zunehmendem Alter der Bevölkerung steigt.

So funktioniert die minimalinvasive Installation einer Gefäßstütze, in der Fachsprache Stent genannt.
So funktioniert die minimalinvasive Installation einer Gefäßstütze, in der Fachsprache Stent genannt. © Klinikum Oberlausitzer Bergland

Doch die technischen Voraussetzungen für den Schritt in die Zukunft der Gefäßmedizin fehlten in Zittau. Deshalb musste das Krankenhaus häufig Patienten wegschicken. "Am häufigsten nach Dresden-Friedrichstadt", sagt Chefarzt Rehnisch. Deshalb habe er sich eines Tages gesagt: "Das müssen wir selber machen."

So wie Ebersbach vor ein paar Jahren die Voraussetzungen für minimalinvasive Eingriffe am Herz bekommen hat, gibt es sie nun in Zittau für die Gefäßmedizin. "Wir haben eine Anlage, die höchsten Anforderungen genügt", sagt Rehnisch und schwärmt von den Möglichkeiten. Steffen Thiele, Geschäftsführer des Klinikums, freut sich auch über den neuen OP-Trakt und sagt: „Wir können den Menschen der Region damit nun eine noch spezialisiertere Behandlung dieses Krankheitsbildes anbieten, sodass wir für die Betroffenen eine rundum zielführende Versorgung hier vor Ort gewährleisten können.“

Nach einer Anlaufphase, in der die Ärzte mithilfe von Technikern der Herstellerfirma die Möglichkeiten der Anlage ausloten, wollen sie den OP-Saal auch für die klassische Gefäßchirurgie nutzen. Dass das möglich ist, sei in Ostsachsen ziemlich einzigartig, sagt Rehnisch.

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