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Zittauer Neurologin bekommt Geld zurück

Fachärztin Kyra Ludwig sollte 320.000 Euro Honorar zurückzahlen. Jetzt hat ein Gericht den Fall beendet. Das Grundproblem aber bleibt: Ärztemangel.

Der Fall der Zittauer Neurologin Kyra Ludwig hatte bundesweit Schlagzeilen geschrieben.
Der Fall der Zittauer Neurologin Kyra Ludwig hatte bundesweit Schlagzeilen geschrieben. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Dieser Fall aus der Oberlausitz hat Schlagzeilen in ganz Deutschland geschrieben: Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Sachsen hatte der niedergelassenen Neurologin Kyra Ludwig 2019 eine gewaltige Regressforderung aufgemacht: Nach einer Prüfung ihrer Praxis-Abrechnungen aus den Jahren 2011 bis 2015 war die KV der Meinung, die Fachärztin habe 320.000 Euro zu viel Honorar bekommen.

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Obwohl Kyra Ludwig diesen Vorwurf stets bestritt, zog die KV ihr die Summe ratenweise von den monatlichen Honorarzahlungen ab. Das hatte die Ärztin, die von diesem Honorar den gesamten Praxisbetrieb bezahlen muss, beruflich und privat in Existenznot gebracht. Kyra Ludwig hatte deshalb vor dem Sozialgericht in Dresden geklagt. Und das hat nun einen Schlussstrich unter den jahrelangen Streit zwischen der Kassenärztin und ihrem Verband gezogen:

Kyra Ludwig, die inzwischen ihre Praxis von Seifhennersdorf nach Zittau verlegt hat, kann aufatmen: Die KV ist dem Vorschlag des Gerichts gefolgt, sich mit der Ärztin auf eine wesentlich geringere Vergleichssumme zu einigen. Demnach wird sich die KV nur noch ein knappes Drittel der ursprünglich geforderten Regress-Summe einbehalten. Beide Parteien haben sich auf diese vom Gericht vorgeschlagene Vergleichslösung geeinigt, bestätigt eine Sprecherin der KV. Damit sei der Fall für die KV jetzt abgeschlossen.

KV muss der Ärztin einen fünfstelligen Betrag zurückzahlen

Kyra Ludwig ist froh und erleichtert, dass das Verfahren nun größtenteils zu ihren Gunsten beendet ist. "Zwar ist das eine Drittel für mich immer noch viel Geld", sagt die Neurologin, "aber ich bin froh, dass es endlich vorbei ist und das Gericht auch unserer Argumentation gefolgt ist. Es war für mich ja auch ein wahnsinniger Druck."

Weil Kyra Ludwig die von der KV zurückgeforderte Summe mit der seit Monaten laufenden Stundung längst abbezahlt hat, führt der Vergleich nun dazu, dass die KV der Ärztin jetzt ihrerseits einen fünfstelligen Betrag zurückzahlen muss. Auch das bestätigt die Sprecherin der KV.

Im Fall der Zittauer Neurologin hatten die Prüfer der KV bezweifelt, dass die Ärztin die angegebenen Leistungen in der angegebenen Zeit überhaupt hätte erbringen können. Kyra Ludwig hatte aufgrund des hohen Bedarfs in der geprüften Zeit zwischen 1.500 und 1.700 Patienten pro Quartal in Behandlung, laut KV seien aber nur 1.000 bis 1.100 Patienten möglich.

Diese Ansicht hat sich allerdings inzwischen geändert. Die KV hat ihre Prüfnormen und Prüfzeiten im vergangenen Jahr dahingehend angepasst, dass es jetzt als plausibel und durchaus möglich angesehen wird, auch 1.500 bis 1.700 Patienten pro Quartal zu behandeln. Eine Regressforderung wie die gegen Frau Ludwig wird es künftig in dem Maße also nicht mehr geben.

Ärztemangel in der Neurologie hat sich weiter verschärft

Aber das Grundproblem - der Fachärztemangel in der Region - bleibt weiter bestehen. Und gerade auch auf dem Fachgebiet der Neurologie hat er sich in diesem Sommer mit der ersatzlosen Schließung der neurologischen Praxis von Dr. Reinhard Wolf in Löbau noch weiter verschärft.

Dabei ist die fachärztliche Versorgung mit Nervenärzten im Raum Löbau-Zittau laut Statistik der KV zu 121,8 Prozent gedeckt - was eine weitere Praxiszulassung ausschließt. Aber die Zahlen auf dem Papier halten der Praxis nicht stand: Denn von den acht im Planungsraum Löbau-Zittau zugelassenen Nervenärzten sind tatsächlich nur vier neurologisch tätig. Im Raum Bautzen ist es von sechs tätigen Nervenärzten sogar nur einer, im Raum Görlitz-Niesky sind es vier von neun.

Kyra Ludwig arbeitet deshalb bereits wieder an ihrer Belastungsgrenze. "Ich behandle inzwischen wieder mehr als 1.500 Patienten pro Quartal. Da wollte ich nach dieser Erfahrung mit der KV eigentlich nie mehr hinkommen", sagt die Ärztin. In ihrer Praxis würden jeden Tag 20 bis 30 Patienten aus dem ganzen Landkreis und aus dem Raum Bautzen anrufen und um einen Termin bitten, an manchen Tagen sogar mehr als 40.

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