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In Ostritz lebt der östlichste Winzer Deutschlands

Paul Neumann kennt den Weinberg am Kloster schon seit Kindertagen. Fertig ausgebildet hilft der 22-Jährige nun bei der Lese und beim Winzerfest am Sonntag.

Von Elke Schmidt
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Paul Neumann liebt die Arbeit am Ostritzer Weinberg so sehr, dass er Winzer geworden ist.
Paul Neumann liebt die Arbeit am Ostritzer Weinberg so sehr, dass er Winzer geworden ist. © Matthias Weber/photoweber.de

Dieses Jahr ist ein gutes Jahr für den Ostritzer Wein. Das zumindest sagt Paul Neumann. Und der 22-Jährige kann das durchaus einschätzen. Er ist Winzer und kennt den Weinberg am Kloster St. Marienthal schon seit Kindertagen. Seine Eltern haben das Gelände 1986 mit anderen Familien aus dem Ort von den Nonnen gepachtet und der Junge war oft bei der Lese dabei. Die Arbeit vom Setzen der Stöcke über das Verschneiden der Reben bis hin zum Prozess der Weinherstellung gefiel ihm so gut, dass er in den vergangenen drei Jahren eine Ausbildung zum Winzer machte. Die hat der gebürtige Ostritzer im Juli beendet und ist nun zurück in seiner Heimat. "Hier will ich auch bleiben", sagt er. Alle Freunde seien hier und die Region empfindet er als eine der schönsten Deutschlands.

Damit steht aber auch fest, dass Paul Neumann vorerst nicht als Winzer arbeiten kann. Der östlichste Weinberg Deutschlands ist der einzige weit und breit und nicht sehr groß. Davon leben könnte man nicht, weiß der 22-Jährige. Deshalb hat er sich auch eine andere Arbeit gesucht und ist jetzt als Obstbauer im Stadtgut Görlitz beschäftigt. Diese Arbeit komme der eines Winzers sehr nahe und er könne dort sein Wissen sehr gut anwenden, sagt der Ostritzer.

Doch selbstverständlich hilft er auch weiter am Weinberg. Jetzt im Herbst werden die Trauben gelesen und der Wein angesetzt. Da kann er vielleicht schon sein neu erworbenes Wissen einsetzen. Zum Beispiel kommt's trotz sorgfältiger Arbeit vor, dass ein Wein Fehler hat. Der bekannteste ist wohl der Korkton, bei dem dieser muffig, scharf oder korkig schmeckt. Die Ostritzer Hobbywinzer wussten bisher nicht immer, wie und mit welchen Mitteln sie solche Fehler beheben können. Dabei helfen will nun Paul Neumann.

Doch wie lange, steht noch nicht fest. Auch wenn der 22-Jährige gerne in seiner Heimat ist, möchte er doch irgendwann als Winzer arbeiten. Wenn er hier bliebe, müsste er dafür zwingend einen eigenen Weinberg aufbauen, sagt er. Doch das kostet viel Geld. Auch müsste der Ostritzer zunächst einmal eine geeignete Fläche finden. Und obendrein braucht es drei Jahre, bis neu angepflanzte Rebstöcke den ersten ordentlichen Ertrag bringen. "In dieser Zeit könnte man mit dem Weinberg nichts verdienen", so Paul Neumann.

Also schließt er nicht aus, irgendwann zumindest für eine gewisse Zeit woanders hinzugehen. Aber das sei noch in weiter Ferne, sagt der Winzer. Jetzt braucht ihn die Familie erstmal in der Heimat. Denn wenn die Ostritzer am 17. Oktober beim Obst- und Winzerfest vor ihrem Weinkeller den neuen Federweißen und Zwiebelkuchen anbieten, wird Paul Neumann dabei sein und helfen.