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Corona: Kirche empfiehlt Demut

Die Leitung der evangelischen Christen antwortet auf einen offenen Brief aus der Oberlausitz öffentlich nur indirekt - aber unmissverständlich.

Auch Christen aus Zittau und der Region streiten über Sinn und Unsinn der staatlichen Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie.
Auch Christen aus Zittau und der Region streiten über Sinn und Unsinn der staatlichen Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie. ©  Matthias Weber (Archiv)

Der von 37 Christen aus Zittau, Löbau und Umgebung wegen der staatlichen Corona-Maßnahmen unterzeichnete offene Brief hat den Rat der evangelische Kirche in Deutschland gar nicht erreicht. "Der Brief ist im Ratsbüro nicht eingegangen", teilte ein Sprecher des Ratsbüros in Hannover auf SZ-Anfrage mit. Selbst, wenn es anders gewesen wäre: Seinen Aussagen zufolge äußert sich der Rat grundsätzlich nicht zu offenen Briefen.

Bei der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens ist das Schreiben dagegen bekannt. "Wir haben den Unterzeichnern des Briefes am 2. Dezember 2020 eine Antwort geschickt", teilte eine Sprecherin des Landeskirchenamtes in Dresden mit. "Ob diese Antwort veröffentlicht wird, entscheiden diese." Auf die SZ-Anfrage vom 2. Dezember bei einem der Unterzeichner nach der Reaktion der Kirche, gibt es keine Antwort.

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Aus ihrer Position zur Lage während der Corona-Pandemie macht die Landeskirche indes kein Hehl. Die Sprecherin verweist auf "das Wort von Landesbischof Tobias Bilz zum Buß- und Bettag sowie auf das Gemeinsame Wort von Landesbischof Tobias Bilz, Bischof Heinrich Timmerevers und dem Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen Sachsen, Gert Loose, aus denen die Haltung der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens in der Corona-Krise aus meiner Sicht sehr deutlich hervorgeht." In den Worten heißt es unter anderem:

  • "Obwohl niemand ganz genau weiß, welchen Gesetzmäßigkeiten das Corona-Virus folgt, erklären wir uns gegenseitig unablässig, wie damit umzugehen ist. Das geschieht zum Teil in großer Erregung. Verdächtigungen werden ausgesprochen, Argumente nicht zugelassen. Freundschaften kommen unter Druck und wechselseitige Aufforderungen haben ultimativen Charakter. Angst macht sich breit. Sanftmut aber ist die Fähigkeit, sich nicht von der Erregung mitreißen zulassen. Sie setzt auf einen behutsamen Umgang miteinander und möchte, dass niemand verletzt wird. Corona fordert uns genug heraus, durch mangelnde Sensibilität vergrößern wir die Last. Stattdessen muss jetzt immer mitgedacht werden, was unser Verhalten für andere bedeutet. Tragen wir zu Verwirrung und Spaltung bei oder liegen uns Ermutigung und Zusammenhalt am Herzen? Dort, wo die Sanftmütigen ihre Wirksamkeit entfalten, kommt der Himmel auf die Erde. Gerechtigkeit, Frieden und Freude gewinnen an Kraft. Alle können aufatmen."
  • "Ein demütiger Mensch kann akzeptieren, dass er selbst nicht das Maß der Dinge ist. Er erkennt an, dass andere ihm gleichgestellt sind und ordnet sich ein. In der Corona-Pandemie lastet eine hohe Verantwortung auf denen, die in Politik und Gesellschaft, Gesundheitswesen und Wirtschaft Entscheidungen treffen müssen. Sie sollen nicht nur bestmöglich durch die Krise führen, sondern auch noch mit guten Argumenten und persönlicher Überzeugungskraft alle mitnehmen. Das kann nicht immer gelingen, zumal es unterschiedliche Handlungsoptionen gibt und die Dinge kompliziert sind. Verantwortliche brauchen jetzt Ermutigung und Unterstützung. Es muss ihnen zugetraut werden, dass sie unter Abwägung vieler Aspekte nach bestem Wissen und Gewissen handeln."
  • Demütige Menschen sind keineswegs unterwürfig, wenn sie vorgegebene Einschränkungen mittragen. Sie sind aber bereit, um eines höheren Zieles willen, eigene Ambitionen zurückzustellen. Das ist jetzt besonders gefragt."
  • "Das Virus ist eine reale Bedrohung, die ersten Intensivstationen in Sachsen sind überlastet. Wir haben bundesweit die höchsten Fallzahlen. Um Menschen vor unnötigem Leid zu bewahren und um das Gesundheitssystem nicht über die Grenzen hinaus zu belasten, gehen wir als Kirchen den Weg der Kontaktreduzierung mit. Wir bitten Sie eindringlich, sich in den Gemeinden im Sinne der christlichen Nächstenliebe darauf einzulassen."
  • "In der Kirche war und ist die Adventszeit immer auch eine Fastenzeit. Fasten bedeutet, sich zurückzunehmen und auf Dinge zu verzichten. Das tun wir jetzt."

In dem Brief äußern sich 37 Unterzeichner als Christen "besorgt über die politischen Zustände in unserem Land, die unter dem Deckmantel der Corona-Pandemie um sich greifen." Sie kritisieren, dass die Verantwortlichen ihre Macht missbrauchen, den Staat ruinieren und Persönlichkeitsrechte der Menschen brechen. Sie fordern die Kirche auf, dagegen Gesicht zu zeigen. Bisher hat sich dazu öffentlich nur die AfD geäußert und sich auf Seite der Unterzeichner gestellt.

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