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"Haben wir einen Zwei-Klassen-Lockdown?"

Lutz Beyer aus Hirschfelde hat an Sachsens Ministerpräsidenten Michael Kretschmer geschrieben - und wundert sich über dessen gute Frisur.

Sich endlich mal wieder ordentlich vom Profi im Salon frisieren lassen - diesen Wunsch haben derzeit viele.
Sich endlich mal wieder ordentlich vom Profi im Salon frisieren lassen - diesen Wunsch haben derzeit viele. © Matthias Weber/photoweber.de (Archiv)

Lutz Beyer ist kein Corona-Kritiker. Das betont der Hirschfelder mit Nachdruck. Er befürworte vielmehr die notwendigen Schutzmaßnahmen gegen die Corona-Pandemie. Gewisse Aktionen von Personen und Gruppen, die glauben durch Leugnen und Verweigern könne das Virus eingedämmt oder gar bekämpft werden, machen ihn wütend und traurig. Wütend, weil Fakten verdreht werden, meint Lutz Beyer. "Und traurig, weil hier zum Teil hochgebildete Leute andere mit weniger Intellekt beeinflussen und zu gefährlichen Mitläufern und Schreihälsen machen."

Dennoch hat der Hirschfelder auch Fragen zu Corona, die er jetzt in einem Offenen Brief an Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) gerichtet hat. Warum dürfen sich Profifußballer nach jedem Tor umarmen und bei Stürzen übereinander "herfallen", während sein Friseur, der mittlerweile jede Schutzmaßnahme in Perfektion beherrsche, schließen muss?

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MP ist "verdammt gut frisiert"

Er wundert sich, wie verdammt gut frisiert der Ministerpräsident und die Minister aussehen. Zuletzt war Michael Kretschmer unter anderem am 18. Januar in der MDR-Sendung "Fakt ist" zu Gast und einige Tage zuvor, am 14. Januar, in der ZDF-Talkrunde "Maybrit Illner" zugeschaltet. "Wo lassen Sie und ihre Politikerkollegen sich momentan ihre Haare schneiden?", ist denn auch die Frage an Sachsens Landesvater.

Lutz Beyer hätte nie gedacht, wie wichtig ein Friseur sein kann. "Ich möchte mal wieder einfach meine Haare schneiden lassen", so seine Forderung. Er will auch keinen elektrischen Haarschneider zu Hause benutzen. Ganz nach dem Motto: "Was ein Friseur kann, kann nur ein Friseur!"

Ein paar Wochen muss der Hirschfelder allerdings mindestens noch warten: Nach der Verlängerung des Corona-Lockdowns bis zum 14. Februar bleiben auch die Friseursalons bis dahin geschlossen.

Ob alle Friseure so einen langen Atem haben, wird in der Branche bereits jetzt bezweifelt. "Wir brauchen hier nicht um den heißen Brei herumreden, Insolvenzen sind vorprogrammiert!", meint Friseurmeisterin Susanne Leyer, die Salons in Schönau-Berzdorf, Ostritz und Görlitz betreibt. Das liege auch an der schleppend ausgezahlten Hilfe, die sogar Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) verärgert.

Bergbauden bleiben zu

Lutz Beyer hat weitere Fragen an Michael Kretschmer: Warum werden trotz Corona-Lockdown Tausende Kubikmeter Schnee an die Elbwiesen in Dresden für einen zweitägigen Ski-Weltcup gekarrt, während die Bergbauden im Zittauer Gebirge unter Maßgabe der Schutzmaßnahmen nicht öffnen dürfen? Das hält der Hirschfelder nicht nur für einen Zwei-Klassen-Lockdown, es sei zudem nicht nachhaltig.

Die Kammbaude in Oybin-Hain habe vier Gasträume beziehungsweise Säle, nennt Lutz Beyer ein Beispiel. "Mehr Abstand kann man fast nicht erzeugen", findet der Hirschfelder und fügt hinzu: "Desinfektionsmittel stehen auch überall bereit!"

Sachsens Staatskanzlei wollte auf SZ-Nachfrage zu den Fragen und dem damit verbundenen Vorwurf keine Stellung nehmen, da der Offene Brief von Lutz Beyer noch nicht beantwortet sei. Dem wolle man nicht mit einem Presse-Statement vorgreifen. Nach der Beratung der Ministerpräsidenten mit der Bundeskanzlerin ist aber inzwischen klar, dass die Gastronomie - und damit auch die Bergbauden - ebenfalls bis zum 14. Februar zu bleiben.

Auch selber betroffen

Familie Beyer ist davon selber betroffen - sie betreiben in Hirschfelde nebenberuflich die Pension am Oder-Neiße-Radweg. "Es gab genügend Anfragen zu Silvester, aber wir haben aus freien Stücken allen abgesagt, weil es die Corona-Bestimmungen nicht zulassen", sagt Lutz Beyer, der hauptberuflich auf dem Bau arbeitet.

Der Hirschfelder wundert sich ebenso darüber, dass der "kleine Grenzverkehr" eigentlich verboten ist, aber tschechische und polnische Pkw mit Anhänger dennoch regelmäßig durch die Dörfer fahren und die Einheimischen fragen, ob sie Schrott haben.

Erst jüngst hatte Sachsen Änderungen für Grenzpendler aus den Nachbarländern beschlossen: Sie müssen sich jetzt einmal in der Woche auf das Coronavirus testen lassen. Weitere Verschärfungen in Sachen "kleiner Grenzverkehr" hat Ministerpräsident Kretschmer bisher nicht angekündigt.

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