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Wie barrierefrei ist Zittau?

In Zittau gibt es für behinderte Menschen viele Barrieren. Linken-Stadtrat Winfried Bruns kämpft für deren Beseitigung - und hat nun Unterstützer aus dem Bundestag.

Winfried Bruns (rechts) zeigt dem Linken-Bundestagsabgeordneten Sören Pellmann (links), welche Barrieren es in Zittau für behinderte Menschen gibt.
Winfried Bruns (rechts) zeigt dem Linken-Bundestagsabgeordneten Sören Pellmann (links), welche Barrieren es in Zittau für behinderte Menschen gibt. © Matthias Weber/photoweber.de

Wenn Winfried Bruns durch Zittau läuft, sieht er an vielen Ecken Barrieren. Und hat er erst mal ein Problem entdeckt, kann der 66-Jährige unnachgiebig sein, wenn es um die Beseitigung des Hindernisses geht. Es sei ein Kampf um jede Barriere, meint der Zittauer, der für die Linken im Stadtrat sitzt. In den vergangenen Jahren habe sich ein bisschen was verbessert, aber noch zu wenig, findet Bruns. Das Tempo bei der Beseitigung von Barrieren ist in seinen Augen nicht ausreichend.

Schwellen oder hohe Bordsteine werden immer wieder im Zuge größerer Baumaßnahmen entfernt. Barrierefreiheit müsse aber auch unabhängig davon geschaffen werden, findet Winfried Bruns.

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Zuletzt ist die Bushaltestelle vor der Parkschule barrierefrei umgestaltet worden. Bis zum 1. Januar 2022 müssen alle Haltestellen des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) barrierefrei ausgebaut werden – so sieht es das Personenbeförderungsgesetz vor.

Eine Übersicht über die Haltestellen in Zittau aus dem Jahr 2019 macht deutlich, dass es noch reichlich Handlungsbedarf gibt. Vor zwei Jahren waren 99 von 172 Haltestellen nicht barrierefrei, nur 15 galten damals als barrierefrei.

Seitdem sind zwar einige Haltestellen wie eben jene an der Parkschule umgebaut worden, der Großteil ist aber nach wie vor nicht barrierefrei. Darauf weist Winfried Bruns regelmäßig hin. Als Beispiel führt er den Bushalt am Klosterplatz an. Der wurde vor zwei Jahren als eingeschränkt barrierefrei eingestuft.

Rollstuhlfahrer können die Haltestelle zwar über einen abgesenkten Bordstein im Kurvenbereich erreichen. Um auf die andere Seite des Platzes zu kommen, gebe es aber wieder Hindernisse. So ist der Bordstein direkt am Marktfrauenbrunnen nicht abgesenkt. Das hat zur Folge, dass Rollstuhlfahrer, die von der Bushaltestelle oder auch dem Stadtzentrum kommen, mehrere Meter auf der Straße fahren müssen.

Davon konnte sich jetzt auch der Bundestagsabgeordnete Sören Pellmann (Die Linke) überzeugen. Bruns hatte seinen Parteikollegen nach Zittau eingeladen, um ihm vorhandene Barrieren in der Stadt zu zeigen, von denen es eine ganze Menge gibt. Pellmann ist in seiner Fraktion für die Bereiche Inklusion und Teilhabe zuständig.

Hindernisse finden sich auch am Zittauer Bahnhof. So stellt der Zugang zu den Bahnsteigen neben dem Bahnhofsgebäude für Rollstuhlfahrer ein Problem dar. Das vorhandene Kopfsteinpflaster lasse sich nur schwer überqueren, meint Torsten Kaspar aus Seifhennersdorf, der selber Rollstuhlfahrer ist. Durch den Bahnhof gibt es zwar einen behindertengerechten Zugang, das Gebäude ist allerdings abends verschlossen.

Nach dem rund 34 Millionen Euro teuren Umbau des Zittauer Bahnhofs hatte Bahnsprecherin Erika Poschke-Frost vor zwei Jahren erklärt, dass das Kopfsteinpflaster am Westgiebel aus denkmalschutzrechtlichen Gründen beibehalten worden sei.

Laut Winfried Bruns, der sich nach eigener Aussage selbst bei der Deutschen Bahn erkundigt hat, ist eine Änderung der Pflasterung möglich. Um den Zugang an der Stelle für Rollstuhlfahrer zu erleichtern, müsse auch nicht auf Pflastersteine verzichtet werden, sagt Bruns. Sie müssten nur besser verfugt werden, findet der 66-Jährige, der auch im Sozialverband VdK aktiv ist. "Bisher fehlt es am politischen Willen", kritisiert Bruns.

Gleich daneben könnten Behindertenparkplätze ausgewiesen werden. Das ist ein weiterer Mangel, erklärt der Linken-Stadtrat. Direkt am Bahnhof gibt es bislang keine offiziell ausgeschilderten Behindertenparkplätze.

Die Linken-Politiker üben nicht nur Kritik, sie suchen auch nach Lösungen. So wie am Zittauer Theater. Den dortigen behindertengerechten Zugang hatte Bruns gar nicht auf seiner Barriere-Liste. Da sich der behindertengerechte Zugang rechts des Haupteingangs befindet, könnten Rollstuhlfahrer vermuten, diesen über die rechte Seite zu erreichen. Doch dort stehen sie vor einer unüberwindbaren Stufe.

Ein "Schildbürgerstreich"?

Ist der behindertengerechte Zugang am Zittauer Theater ein "Schildbürgerstreich"? Bruns und Pellmann wollen es kaum glauben. Nach einigen Hin- und Herschauen zeigt sich, dass auf der anderen Theaterseite der behindertengerechte Zugang ohne Schwellen erreichbar ist. Zufrieden ist Pellmann damit nicht. Die Verwirrung lasse sich in seinen Augen durch eine bessere Ausschilderung vermeiden. Der Bundestagsabgeordnete greift sogleich zum Telefon, um einen Mitarbeiter zu bitten, gleich die Schilder zu besorgen. Die will der Leipziger Politiker bei seinem nächsten Besuch in Zittau anbringen.

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