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Corona: Tiefe Gräben in Zittaus Stadtgesellschaft

Am Mittwoch gab es eine Online-Diskussion zwischen Kritikern und Befürwortern der Corona-Maßnahmen. Angenähert haben sich beide Seiten dabei kaum.

Jeden Montag spazieren Hunderte Menschen den Stadtring in Zittau entlang - aus Protest gegen die Corona-Maßnahmen.
Jeden Montag spazieren Hunderte Menschen den Stadtring in Zittau entlang - aus Protest gegen die Corona-Maßnahmen. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Nicht übereinander, sondern miteinander reden, fasst Rocco Zoschke, der in die Diskussion einführte, das Ziel des 1. Dialogstammtisches der Arbeitsgemeinschaft (AG) Dialog Zittau zusammen. Miteinander geredet haben Kritiker und Befürworter der Corona-Maßnahmen bei der Online-Diskussion am Mittwoch - Vertreter beider Seiten meldeten sich in der gut zweistündigen Runde zu Wort. Haben sie sich auch angenähert?

Wie tief die Gräben in der Gesellschaft sind, wurde nach wenigen Minuten deutlich. Den Zittauer Ringspaziergängern, die jeden Montag den Stadtring entlanglaufen und damit gegen den Corona-Lockdown protestieren wollen, wurde vorgeworfen, mit Leuten aus der rechten Szene gemeinsam auf die Straße zu gehen. Lauter Widerspruch und die bekannte Erklärung, dass die Ringspaziergänger ganz normale Bürger seien, die ihre Freiheiten und Grundrechte zurückhaben wollen. Ein Corona-Kritiker machte deutlich, was er von dem Vorwurf hält: "Mir ist scheiß egal, wer rechts oder links neben mir steht".

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Auch Steffen Golembiewski, der die Pandemie nach eigener Aussage für "einen riesengroßen Hokuspokus" hält, will sich nicht vorschreiben lassen, mit wem er protestiere.

Eine andere Aussage vonseiten der Befürworter der Corona-Maßnahmen traf ebenfalls sofort auf Widerspruch. Es handele sich doch nur um eine kleine Gruppe, die den Stadtring entlangspaziere. In manchen Wochen liefen 500 bis 550 Menschen am Montagabend am Ring, zuletzt war die Zahl deutlich zurückgegangen.

Die Kritik sei viel größer, behauptet Golembiewski. Viele würden hinter vorgehaltener Hand die Corona-Maßnahmen kritisieren, weil sie Angst um ihre Jobs haben.

Einen kleinen Schritt aufeinander zugehen

"Wir haben zwölf Monate gezeigt, wie wir nicht zusammenfinden", meint der Mittelherwigsdorfer Thomas Pilz. "Wie bleiben wir eine Gemeinschaft, obwohl wir andere Meinungen haben?", fragte er in die Teilnehmerrunde. Man werde nicht den jeweils Anderen von seiner Auffassung überzeugen, glaubt Pilz. Trotz der verschiedenen Meinungen hält er es für notwendig, zusammenzukommen. Und wenn es auch nur einen kleinen Schritt aufeinander zugehe, wie ein anderer Diskussionsteilnehmer meint.

Man müsse mehr Geduld miteinander haben, fordert Pilz. Akzeptanz vermissen aber auch die Befürworter von den Kritikern der Corona-Maßnahmen. Dorothea Schneider vom Verein "Augen auf" findet, dass man nicht angemacht werden sollte, weil man Maske trägt oder sich impfen lassen wolle. Sie habe derartige Erfahrungen gemacht.

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Die Ringspaziergänge könnten zur Gründung einer Partei führen, mit der man sich im politischen Wettstreit einbringt, schlägt Thomas Pilz vor. Damit war die Diskussion dann bei ihrem eigentlichen Thema angekommen. Wie können aus der diffusen Artikulation von Unbehagen und Wut Probleme lösungsorientiert angesprochen werden?

Eine Antwort fand der 1. Dialogstammtisch nicht. Aber es soll nicht der letzte bleiben. Man wolle sich monatlich auszutauschen - und nicht nur online.

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