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Greenpeace-Protest am Dreiländerpunkt

Die Oberlausitzer Umwelt-Aktivisten fordern eine Abschaltung des polnischen Kraftwerks Turow - das ist eine echte Dreckschleuder.

Am Dreiländerpunkt protestieren Mitglieder von Greenpeace Oberlausitz gegen das polnische Kraftwerk Turow.
Am Dreiländerpunkt protestieren Mitglieder von Greenpeace Oberlausitz gegen das polnische Kraftwerk Turow. © Matthias Weber/photoweber.de

Schöner und von der Luft klarer kann ein Wintertag kaum sein, als der vergangene Sonnabend. Da wirkt die Szene im Schnee am Dreiländerpunkt in Zittau ein bisschen befremdlich: Rund zehn Aktivisten der Ortsgruppe Oberlausitz von Greenpeace stehen da. Und sie alle tragen Gasmasken. Genau unter dem Motto „Brauchen wir schon Gasmasken?“, protestiert Greenpeace hier gegen das nahe polnische Kraftwerk Turow.

"Wir wollen mit dieser Aktion besonders auf die Gefahren des Feinstaubs durch das Kraftwerk aufmerksam machen", sagt Celeste Regina Fischer, Sprecherin von Greenpeace Oberlausitz. Feinstaub sei verantwortlich für Atemwegs- oder Herzerkrankungen, Lungenkrebs oder Schlaganfall. Erst vor wenigen Tagen sei bekannt geworden, dass in Polen ein offizielles Genehmigungsverfahren für einen verlängerten Betrieb bis in das Jahr 2044 eingeleitet wurde. "Innerhalb Polens rangiert Turow auf Platz 2 der schmutzigsten Kraftwerke. In Europa belegt Turow Platz 7", so die Greenpeace-Sprecherin und: "Die katastrophalen gesundheitlichen Auswirkungen von Tagebau und Kraftwerk Turow sind schon seit längerem bekannt." Dies zeige eine Studie des "Centre for Research on Energy and Clean Air". Demnach seien vor allem enorm hohe Emissionen an Feinstaub, Stickoxiden, Schwefeloxiden und Quecksilber stark gesundheitsgefährdend. Mit dem Feinstaub gelangen kleinste Partikel tief in die Lunge und greifen das Gewebe an. "Ruß kann dort zum Beispiel Krebs auslösen", erklärt Celeste Regina Fischer.

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Der Wind weht das Gift nach Deutschland

Die Studie ordne ungefähr 120 vorzeitige Todesfälle, 2.100 Asthmaanfälle, 60 neue Fälle chronischer Bronchitis, 110 Krankenhauseinweisungen und 51.000 Krankheitstage aus dem Jahr 2017 dem Tagebau und Kraftwerk Turow zu. "Aufgrund der vorherrschenden Windrichtung entfallen davon fast die Hälfte auf Deutschland", sagt Celeste Regina Fischer.

Schon heute sei der Betrieb von Kraftwerk und Grube Turow ohne riesige staatliche Subventionen nicht mehr rentabel, erklärt Greenpeace. Auch deshalb sollte der Betrieb von Turow sofort eingestellt werden. Die Forderung von Greenpeace Oberlausitz richte sich nicht nur an die polnische Regierung, sondern auch an die deutsche und andere europäische Regierungen. "Die gesundheitlichen Beeinträchtigungen der Anrainer sind nicht länger hinzunehmen", sagt Celeste Regina Fischer. Den schönen Reden sollten endlich Taten folgen.

Schon im August vergangenen Jahres hatte Greenpeace Oberlausitz gemeinsam mit polnischen und tschechischen Umweltorganisationen einen tri-nationalen Protest am Dreiländerpunkt organisiert. Und damals säumten auch tatsächlich Aktivisten aus allen drei Ländern beide Neiße-Ufer. Diesmal blieben die Oberlausitzer beinahe unter sich. Auf der tschechischen Seite hielten zwei dortige Aktivisten ein Banner hoch.

Auch auf der tschechischen Seite kamen zwei Umwelt-Aktivisten.
Auch auf der tschechischen Seite kamen zwei Umwelt-Aktivisten. © Matthias Weber/photoweber.de
Greenpeace demonstrierte mit bunten Transparenten.
Greenpeace demonstrierte mit bunten Transparenten. © Matthias Weber/photoweber.de

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