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Heidrun Alisch ist tot

Die Zittauerin engagierte sich in der Bürgerbewegung, für Migranten und Frauen und war lange Gastronomin. Mit 69 Jahren ist sie jetzt gestorben.

Heidrun Alisch ist am 1. Mai verstorben.
Heidrun Alisch ist am 1. Mai verstorben. © Archivfoto: Rafael Sampedro

Wer Heidrun Alisch kannte, erlebte sie als engagierte Frau, fröhlich und optimistisch. Sie war immer auf der Suche nach neuen Ideen, im besten Sinne eine Powerfrau. Die Zittauerin nahm das Leben, wie es kam, und machte daraus das Beste. Auch Rückschläge, ob gesundheitlich oder beruflich, ließen sie nicht resignieren. Freunde beschreiben sie als Kämpferin.

Das alles fehlt jetzt: Heidrun Alisch ist am 1. Mai nach längerer Krankheit im Alter von 69 Jahren gestorben. Ein schmerzlicher Verlust für Zittau, denn sie hat viel in der Stadt bewegt. Schon in den 1980er Jahren setzte sie sich mit ihrem Mann, dem evangelischen Pfarrer Lothar Alisch, für Veränderungen in der DDR ein, arbeitete in Friedens- und Umweltgruppen mit, organisierte Aktionen und Demonstrationen.

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Am 19. Oktober 1989 stand sie bei der großen Versammlung vor der Johanniskirche am Rednerpult, sprach damals über Erziehung und Bildung. Beides war ihr vertraut. Von 1968 bis 1972 hatte sie ein Lehrerstudium in Löbau absolviert, durfte in ihrem Beruf später aber nicht mehr arbeiten. Sie war damals bereits Mutter von fünf Kindern, Tochter Henriette wurde im Wendejahr 1989 geboren. 1993 folgte die jüngste Tochter Tabea.

Geburtshelferin des Neuen Forums

In der Wendezeit gehörte sie auch zu den Geburtshelfern des Neuen Forums, das im ersten freigewählten Stadtrat nach dem Mauerfall 24 Prozent der Mandate erhielt. Während ihr Mann im Stadtparlament saß und sogar als Bürgermeister kandidierte, gründete Heidrun Alisch mit anderen engagierten Frauen den Zittauer Ausländerbeirat. Den gibt es noch heute - als einziges Gremium seiner Art in einer sächsischen Kleinstadt.

Sie kochte seinerzeit beispielsweise für die 150 sowjetischen Juden, die nach Zittau kamen und in den Baracken am Mittelweg untergebracht wurden. Da aber in der Unterkunft keinerlei Infrastruktur vorhanden war, brauchte es Hilfe und Unterstützung. Und Heidrun Alisch war zur Stelle.

Das war auch später für sie immer wieder selbstverständlich. Nach dem verheerenden Seebeben in Südostasien Ende 2004 organisierte sie ein Benefizkonzert, um dessen Einnahmen zu spenden.

Heidrun Alisch arbeitete nach der Wende ehrenamtlich für die Kirchgemeinde, saß als berufene Bürgerin im Sozialausschuss und war im Frauen-Euro-Zentrum aktiv, dessen Vorstandsvorsitzende sie viele Jahre war.

2004 die "Erbse" eröffnet

Beruflich wagte sie 2004 noch einmal einen Neuanfang: Sie eröffnete auf der Franz-Könitzer-Straße die kleine Gaststätte "Erbse". 16 Jahre betrieb sie zusammen mit Roland Schaffer die gemütliche Kneipe und machte sie zu einer gastronomischen Institution in Zittau. 2020 war dann Schluss. In den Räumlichkeiten befindet sich jetzt die Gaststätte "Magnolie".

Trotz der neuen, auch herausfordernden Aufgabe war sie weiterhin für die Stadt Zittau engagiert. So initiierte Heidrun Alisch zusammen mit Thomas Pilz, Klaus Zimmermann und Peter Dierich die Wendestelen in der Innenstadt, die an den Herbst 1989 erinnern sollen. Sie sind nun auch eine bleibende Erinnerung an Heidrun Alisch.

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