merken
PLUS Zittau

Zittau: Früherer Stadt-Justiziar kämpft für Drei-Länder-Brücke

Horst Schiermeyer hat eine Petition für eine Brücke am Dreiländerpunkt eingereicht, die alle Länder verbindet - und nimmt sich eine andere Brücke als Beispiel.

Derzeit ist eine Zwei-Länder-Brücke am Dreiländerpunkt der Favorit. Horst Schiermeyer fordert jedoch, an der Drei-Länder-Variante festzuhalten.
Derzeit ist eine Zwei-Länder-Brücke am Dreiländerpunkt der Favorit. Horst Schiermeyer fordert jedoch, an der Drei-Länder-Variante festzuhalten. © Valbek/Rafael Sampedro

Als Horst Schiermeyer in der SZ las, dass jetzt eine Brücke am Dreiländerpunkt favorisiert wird, die nur noch Deutschland und Tschechien miteinander verbindet, war er enttäuscht. Jahrelang wurde für ein Bauwerk geworben, das alle drei Länder - also auch Polen - verbindet. Doch die dreiseitige Variante wurde "beerdigt", nachdem sich die geplanten Kosten immer weiter erhöht hatten.

Zittaus früherer Stadt-Justiziar will das nicht akzeptieren. Er fordert von der Stadt Zittau, sich weiter für eine dreiseitige Brücke einzusetzen. Dafür reichte er nun eine Petition ein.

Anzeige
Bundestagswahl: Populisten verhindern - Erststimme für Florian Oest!
Bundestagswahl: Populisten verhindern - Erststimme für Florian Oest!

Worum es bei der Bundestagswahl am 26. September 2021 wirklich geht und was für den Landkreis Görlitz auf dem Spiel steht.

Bürger können sich in kommunalen Angelegenheiten mit Vorschlägen, Bitten und Beschwerden in Form einer Petition an die jeweilige Gemeinde wenden. Dieses Recht räumt die Sächsische Gemeindeordnung ein. Spätestens nach sechs Wochen muss die Kommune auf die Petition reagieren und einen begründeten Bescheid erteilen.

Schiermeyer kämpft nicht nur für eine dreiseitige Brücke, sondern macht gleichzeitig einen alternativen Vorschlag zu den bisherigen Varianten. Sein Vorschlag orientiert sich an einem bereits vorhandenen Bauwerk. "Als Muster für die Brücke am Dreiländereck soll die 2020 mit dem 'Stahlbaupreis' ausgezeichnete Brücke über die Altmühl in Eichstätt dienen", empfiehlt der ehemalige Justiziar.

So sieht die Brücke über die Altmühl in Eichstätt aus. An deren Modell sollte sich die Stadt Zittau für den Dreiländerpunkt orientieren, findet Horst Schiermeyer.
So sieht die Brücke über die Altmühl in Eichstätt aus. An deren Modell sollte sich die Stadt Zittau für den Dreiländerpunkt orientieren, findet Horst Schiermeyer. © Planer (Archiv)

Ihre Besonderheit sei, dass sie nicht so hoch gebaut wurde, dass sie über jedem Hochwasser steht. Bei den bisher geplanten Neißebrücken am Dreiländerpunkt sollte das der Fall sein. Das müsse aber gar nicht sein, findet Schiermeyer. Bei extremem Hochwasser wird die Brücke in Eichstätt überschwemmt und ist deshalb so gebaut, dass sie möglichst geringen Widerstand für Wasser und Treibgut leistet, erklärt er. Durch die fischbauchförmige Gestaltung bleiben Bäume, Äste und anderes Treibgut nicht hängen. Das Geländer lasse sich im Hochwasserfall zudem schnell demontieren.

Da die Altmühl oft über ihre Ufer tritt, können die Einwohner von Eichstätt regelmäßig miterleben, dass Form, Material und Konstruktion der Brücke hochwasserresistent sind. Gefertigt und montiert wurde die Brücke 2008 innerhalb eines Dreivierteljahres.

Die Altmühlbrücke ist 35 Meter lang und aus einem Stück gebaut. "Die Neiße ist am Dreiländerpunkt wesentlich schmaler, sodass die Brückenlänge hier auch ausreichen würde", findet Schiermeyer. Von tschechischer und polnischer Seite müssten die Wege zur Brücke dann kaum verlängert werden, auf deutscher Seite müsste ein befestigter Weg über die Wiese angelegt werden. Der Weg auf deutscher Seite müsste aber auch im Fall, dass nur eine Zwei-Länder-Brücke errichtet wird, geschaffen werden.

"Die im Unterschied zur Altmühlbrücke gewünschte dreiarmige Konstruktion ist nach Auskunft der Herstellerfirma mit diesem Brückentyp realisierbar, denn eine Y-förmige Ausführung mache die Brücke deutlich stabiler gegen Belastungen durch Hochwasser und das darin enthaltene Treibgut", argumentiert der frühere Stadt-Justiziar.

Brücke muss kein Millionenprojekt sein

Ein solches Bauwerk muss auch keine Millionen kosten - wie die letzten Varianten der bereits vorgeschlagenen Drei-Länder-Brücken. Die Altmühlbrücke in Eichstätt war seinerzeit für etwa 450.000 Euro errichtet worden.

Bereits 2018 und 2020 hatte Horst Schiermeyer seinen Vorschlag unterbreitet. Er hofft, dass er nun Eingang in die Diskussion um die Brücke findet.

Von der Stadt erwartet er, dass der Vorschlag im Stadtrat vorgestellt und in die weiteren Verhandlungen und Gespräche mit den Partnerstädten Hradek nad Nisou (Grottau) und Bogatynia (Reichenau) sowie alle anderen beteiligten Stellen eingebracht wird.

Das mit dem Projekt beauftragte Büro Valbek aus Liberec (Reichenberg) hatte jüngst drei Entwürfe gezeigt, wie der künftige Übergang für Fußgänger und Radfahrer aussehen könnte. Vom einfachsten Hängegurt über die gewölbte Variante bis hin zum technisch anspruchsvollsten Hängesteg ist alles dabei. Favorit der Stadtverwaltungen von Hradek und Zittau ist die Bogenbrücke. Nachdem der Hradeker Stadtrat bereits grünes Licht gegeben hat, soll im September auch der Zittauer Stadtrat sein Okay geben.

Die Idee einer sichtbaren Verbindung zwischen Deutschland, Polen und Tschechien war zur EU-Osterweiterung 2004 entstanden.

Mehr zum Thema Zittau