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Leuchtende Kerzen gegen den Corona-Protest

Mit neuen Aktionen wollten einige am Montagabend Protestlern in Zittau begegnen. Auch in Löbau und im Oberland gab's wieder "Spaziergänge".

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Kerzen und zwei Sätze wurden am Montagabend mit einem Beamer an die Rathausfassade projiziert.
Kerzen und zwei Sätze wurden am Montagabend mit einem Beamer an die Rathausfassade projiziert. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Das Bild, das jeden Montagabend auf dem Zittauer Markt entsteht, soll "vervollständigt" werden. So formuliert es Sven Rössel, Chef der Musikschule Dreiländereck. Gemeint ist damit die Lichtprojektion am Zittauer Rathaus. Diesmal hatten die Initiatoren von "Zittau gemeinsam" Kerzen mit einem Beamer an die Rathausfassade geworfen. Dazu die beiden Sätze "Im Stillen gedenken wir der Pandemie-Opfer. Im Landkreis Görlitz sind 1.445 Menschen im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion gestorben."

Damit greifen sie eine Idee von Verena Hergenröder, der Bürgermeisterin von Ebersbach-Neugersdorf, auf. Sie machte mit ihrer Initiative "Hier zünden wir die Kerzen" an der Rathaus-Tür bundesweit Furore. Auch bei der Zittauer Aktion stehen die Lichter für die bisherigen Corona-Toten.

Und auch der Gegenprotest in Zittau erhält immer mehr Aufmerksamkeit. Nachdem in der vergangenen Woche das ARD-Morgenmagazin vom Montagsspaziergang in Bautzen berichtete und die Zittauer per Zoom zugeschaltet hatte, war diesmal ein Filmteam des MDR vor Ort, um die Aktionen gegen den Corona-Protest festzuhalten. Der Beitrag, der diesmal ausschließlich von Zittau handelt, soll am Dienstag ausgestrahlt werden.

Ein Team des MDR berichtet von den Aktionen gegen den wöchentlichen Corona-Protest.
Ein Team des MDR berichtet von den Aktionen gegen den wöchentlichen Corona-Protest. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Die Corona-Protestler, die sich auch am zweiten Montagabend im neuen Jahr zu Hunderten auf Zittaus zentralem Platz versammelten, wollten die Lichtprojektion nicht akzeptieren. Mit einem Scheinwerfer, der unweit des Kinoeinganges positioniert war, wurde sie angestrahlt und war dadurch kaum zu lesen.

Auch aus der Menschenmenge heraus wurde mit zahlreichen kleinen Leuchten die Aktion gestört. Bis zum Ende der unangemeldeten Versammlung hielten die Störer aber nicht durch, sodass die Lichtprojektion nach einer Weile vollständig lesbar war.

Die Polizei zählte auf dem Markt etwa 1.000 Teilnehmer. Nachdem die Beamten diese mittels Lautsprecherdurchsage zum Verlassen der nichtgenehmigten Versammlung aufforderten, entfernte sich nach ihrer Angabe der Großteil auch zügig. Neben einer Anzeige wegen des Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz erstatteten die Beamten in vier Fällen wegen des Verstoßes gegen die Corona-Notfallverordnung und in einem Fall wegen eines Verstoßes gegen das vom Landkreis verfügte Alkoholverbot auf öffentlichen Plätzen.

Bereits am 3. Januar hatten die Initiatoren von "Zittau gemeinsam" Sprüche und Statements aus ihrer Petition mit einem Beamer auf die Fassade des Rathauses projiziert. Auch da versuchten die Protestierenden, die Schrift wegzuleuchten. Das Ziel, Anregungen zu geben, sei trotzdem erreicht worden, meint Sven Rössel. Wie in einem Video von den Corona-Kritikern zu sehen ist, reagierte eine Teilnehmerin auf die Sprüche mit dem Kommentar "Das würde ich auch alles sagen."

Sven Rössel rechnete nach der Erfahrung der Vorwoche bereits damit, dass die neue Lichtprojektion wieder weggeblendet wird.

Neben der Lichtprojektion standen auch wieder vier Gegendemonstranten an der Ecke Johannisstraße/Markt. Wie schon in den Vorwochen kamen manche Corona-Kritiker auf sie zu, um mit ihnen zu sprechen. Die kleine Gruppe sieht sich als Projektionsfläche, wo die Corona-Protestler ihren Unmut loswerden können, aber ohne handgreiflich zu werden.

In Löbau waren am Montagabend ebenfalls wieder "Spaziergänger" unterwegs. Die Polizei zählte rund 900 Personen, die sich über die Bahnhofstraße in Richtung Impfzentrum bewegten. Die Beamten sprachen die "Spaziergänger" an und gaben Lautsprecherdurchsagen, die Versammlung zu verlassen. "Die Aufforderung ignorierten die Angesprochenen", berichtet die Polizei. Stattdessen setzten sie ihren Zug über die Sachsenstraße, die Poststraße und den Neumarkt fort. Zurück auf dem Altmarkt stellten die Teilnehmer am Rathaus Kerzen ab. Anschließend löste sich die Versammlung auf. Die Beamten fertigten eine Strafanzeige wegen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz. Auch hier gab's einen Gegen-Protest auf dem Markt mit zwei Teilnehmern. Dieser verlief ohne Zwischenfälle. Weitere Demos gab's in Ebersbach mit 300 und Neugersdorf mit 50 Teilnehmern. Die Polizei erstattete entsprechende Strafanzeigen.