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Damit man den Nachbarn auch versteht

In Ostritz ist am Freitag ein deutschlandweit einmaliges Zentrum für die Verständigung mit Polen eröffnet worden. Mit viel Prominenz.

Zur Auftaktveranstaltung der Gründung von KoKoPol am IBZ St. Marienthal waren unter anderem auch Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (3. von rechts) und der polnische Botschafter in Deutschland Andrzej Przylebski (l.) gekommen.
Zur Auftaktveranstaltung der Gründung von KoKoPol am IBZ St. Marienthal waren unter anderem auch Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (3. von rechts) und der polnische Botschafter in Deutschland Andrzej Przylebski (l.) gekommen. © Matthias Weber (Archiv)

Warum sollten wir Sachsen die polnische Sprache kennen? Diese Frage sollten Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU), der polnische Botschafter in Deutschland, Andrzej Przylebski und der Leiter der Europaabteilung im Auswärtigen Amt, Andreas Peschke am Freitag im Internationalen Begegnungszentrum (IBZ) St. Marienthal beantworten.

Alle drei gehörten zu den Gästen der Eröffnungsveranstaltung für das KoKoPol, das es jetzt im IBZ unter deren Trägerschaft gibt. KoKoPol steht für Kompetenz- und Koordinationszentrum Polnisch. Gefördert wird es auf höchster Ebene, vom Auswärtigen Amt und vom Land Sachsen. Denn es soll helfen, die polnische Sprache und Kultur in Deutschland bekannter zu machen. Angesprochen wird damit die Wissenschaft, Wirtschaft aber auch die Zivilgesellschaft.

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Auf der Zugfahrt vom Auswärtigen Amt in Berlin sind Andreas Peschke bis nach Ostritz gleich zehn Gründe eingefallen, warum nicht nur Sachsen, sondern möglichst viele Deutsche polnisch sprechen sollten. Wie wichtig unsere nachbarschaftlichen Beziehungen zu Polen sind, zeigt allein die Tatsache, dass sich die Außenminister beider Länder allein in der jüngsten Zeit - und nicht nur wegen Corona - neun Mal getroffen haben.

Handelsvolumen mit Polen ist viel höher als mit Russland

Und als zweiten Grund nannte er die Wirtschaft. "Was viele nicht wissen, Deutschlands Handelsvolumen mit Polen ist dreimal so hoch wie mit Russland", schildert der Leiter der Europaabteilung. 5.000 deutsche Unternehmen sind in Polen aktiv und 1.800 polnische in Deutschland. 1,4 Millionen Arbeitsplätze gibt es dadurch in Polen und 500.000 in Deutschland. 124 Milliarden Euro beträgt das jährliche Handelsvolumen, so Andreas Peschke.

Deutschland betreibt lediglich mit drei Ländern ein Jugendwerk, durch die 120.000 Jugendliche das jeweils andere Land kennen lernen. Neben Frankreich und Israel gibt es so ein Jugendwerk nur mit Polen. Und Andreas Peschke untersetzte seine Gründe für das Lernen der Sprache des Nachbarlandes auch mit Beispielen. So gibt es 1.600 deutsch-polnische Hochschul-Kooperationen. 6,2 Millionen Deutsche haben schon Urlaub in Polen gemacht. 3,5 Millionen Polen in Deutschland. All das hat man im Auswärtigen Amt erkannt und will die nachbarschaftlichen Beziehungen fördern. Und um sich zu verstehen, gehört nun mal die Sprache dazu.

"Wie sehr wir uns brauchen, hat auch Corona gezeigt"

Ministerpräsident Michael Kretschmer freut sich besonders, dass das KoKoPol im Freistaat eingerichtet wurde. 60 Kitas gibt es bereits in der Region, in denen sich die Kinder mit der polnischen Sprache beschäftigen. Hinzu kommen Angebote in Schulen. In Ostritz gibt es sogar einen deutsch-polnischen Kindergarten. "Das ist für die Zukunft noch ausbaufähig. Wie sehr wir uns brauchen, hat auch Corona gezeigt", sagt Michael Kretschmer.

Als Botschafter Polens lebt er manchmal in zwei Welten, berichtete Andrzej Przylebski. "Sprachen sind nicht zu 100 Prozent übersetzbar. Manchmal ist eine Redewendung auf Deutsch viel präziser und manchmal auf Polnisch", sagt er. Jede Nationalsprache eröffnet einem eine andere Kultur. Polnisch sei zudem ein guter Einstieg in slawische Sprachen, fügt er hinzu.

KoKoPol erfasst und unterstützt in den nächsten Monaten erst einmal vorhandene Initiativen zur Förderung der polnischen Sprache in Deutschland. Dabei sollen auch die vielen in der Grenzregion bereits vorhandenen guten Beispiele einer breiteren Öffentlichkeit bekannt gemacht werden.

KoKoPol bietet zudem Sprachkurse an. "Wir wollen nicht der Volkshochschule Konkurrenz machen", sagt  IBZ-Vorstandsvorsitzender Michael Schlitt. Die Sprachkurse sind für besondere Zielgruppen wie Diplomaten, Mitarbeiter von Ministerien, Lehrer, Polizisten usw. gedacht. Demnächst gibt es bereits einen Sprachkurs für eine Firma in Görlitz. 

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