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"Zittau mit Zukunft" - ein Aktivist erzählt

Das Aktionsbündnis verbirgt sich in der Anonymität. SZ enthüllt nun einen Teil des Geheimbundes.

Dieses Transparent an der ehemaligen Zittauer Stasi-Villa anlässlich des Mauerfall-Jahrestages war eine der jüngsten Aktionen von "Zittau mit Zukunft".
Dieses Transparent an der ehemaligen Zittauer Stasi-Villa anlässlich des Mauerfall-Jahrestages war eine der jüngsten Aktionen von "Zittau mit Zukunft". © Matthias Weber Archiv

Seine Verbündeten sind die Dunkelheit und die Anonymität, seine Nahrung die öffentliche Aufmerksamkeit - das Aktions-Bündnis "Zittau mit Zukunft". Seit gut vier Jahren agiert die geheime Gesellschaft in der Stadt als eine Art Protest-Guerilla - regelmäßig mit einer Tendenz zum rechten Polit-Spektrum. Wer steckt hinter dieser Truppe? Eine Spurensuche.

Das Aktions-Bündnis betreibt einen regelmäßig gepflegten Internet-Auftritt auf der Social-Media-Seite Facebook - ohne Impressum. Diesen nutzt "Zittau mit Zukunft" gewissermaßen als Bekenner-Plattform für seine Aktionen. Eine davon etwa war im Mai vorigen Jahres das symbolische Zumauern des Gebetsraums der muslimischen Zittauer Al Amal-Gemeinde. Die Aktion unterstellte dem Verein eine Nähe zu den islamistischen Muslimbrüdern - was der Verein bestreitet.

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Mit dieser Styropor-"Mauer" protestierte "Zittau mit Zukunft" gegen den muslimischen Al-Amal-Verein.
Mit dieser Styropor-"Mauer" protestierte "Zittau mit Zukunft" gegen den muslimischen Al-Amal-Verein. © © Markus van Appeldorn

Personal-Verbindung zu Pegida

Auf eine Mauer des Schweigens stößt man weitgehend, fragt man nach den Menschen hinter "Zittau mit Zukunft" und ihren Motiven. Nur einer outet sich SZ gegenüber als einer der Aktivisten - jedenfalls so ein bisschen. In Sachen Protest ist Thomas Walde in Zittau kein Unbekannter. Der Eckartsberger organisiert seit Monaten vor dem Rathaus die Montags-Proteste der "Freunde von Pegida" gegen die staatlichen Corona-Maßnahmen - und die Facebook-Seite von "Zittau mit Zukunft" teilt regelmäßig Fotos von diesen Pegida-Treffen.

"Ich habe auch schon bei Aktionen von denen mitgemacht", sagt Walde - etwa beim Reinigen der Grabsteine von Soldatengräbern anlässlich des Volkstrauertages. Doch sei "Zittau mit Zukunft" kein fest gefügtes Bündnis. "Das sind Bürger, die die selben Interessen vertreten", sagt er. Es gebe keine Mitgliedschaften in dem Sinne. "Bei Treffen sind mal die einen dabei und dann wieder andere", so Walde. Ideen zu Aktionen entstünden spontan aus solchen Gruppentreffen. "Das ist halt, wie man sich unter guten Leuten trifft und da sagt einer, man muss mal wieder etwas machen", erklärt Walde. Man könne die Gruppe nicht auf einzelne Personen eingrenzen. Ja, es gebe einen führenden Kopf - den will Thomas Walde aber nicht nennen.

Anonym aus Angst

Auch das anonyme Agieren von "Zittau mit Zukunft" verteidigt Thomas Walde. Denn die Aktionen der Gruppe würden schließlich regelmäßig nicht auf öffentliches Wohlgefallen stoßen. "Da sind Leute dabei, die sonst womöglich Nachteile in ihrem Beruf erleiden müssten oder dass jemand sagt: Bei dem gehe ich nicht mehr einkaufen", sagt Walde. Nie aber würde das Aktions-Bündnis etwas Verbotenes tun oder Gewalt anwenden.

Gerne erinnert sich Walde auch an die Mauer-Aktion am Gebetsraum - an der er selbst allerdings nicht beteiligt gewesen sei. "Das war eine wunderbare Aktion, bei der niemand zu Schaden gekommen ist - wie bei allen Aktionen von Zittau mit Zukunft", sagt er. Zweck der Aktionen sei es, die Bevölkerung "wachzurütteln". "Die sollen munter werden", sagt Walde. Mit beinahe diebischer Freude denkt Walde auch an eine Aktion aus dem Jahr 2018 zurück - an der er allerdings selbst auch nicht mitgewirkt habe. Damals bekannte sich "Zittau mit Zukunft" dazu, vom Kamin einer ehemaligen Fabrik ein Transparent mit der Aufschrift "Merkelland = Messerland" herabgelassen zu haben. "Die Stadt ist damals auf den Kosten der Entfernung sitzen geblieben, weil der Besitzer des Schornsteins keine Strafanzeige erstattet hat", erinnert sich Walde.

Rätsel um den "Zittauer Totenzug"

Eine Aktion, die zumindest die Handschrift von "Zittau mit Zukunft" trägt, war im Oktober der "Zittauer Totenzug". Vorgeblich satirisch an die mittelalterliche Pestzeit angelehnt zog ein selbsternanntes "Bürgerkomitee Oberlausitz" unter Kutten und Kapuzen verborgen mit einem Sarg durch die Stadt und forderte per Megaphon: "Bringt Eure Toten heraus!" Die Aussage des Corona-Protestes: Die veröffentlichten Zahlen von Corona-Toten könnten nicht stimmen - weil sonst quasi in jedem Haus einer sein müsse.

"Ich habe an dieser Aktion nicht teilgenommen, habe aber vorher davon gewusst und mir den Totenzug deshalb an der Neustadt angeschaut", sagt Thomas Walde. "Zittau mit Zukunft" erwähnt den Totenzug auf seiner Facebook-Seite nicht. Aber: "Da waren Leute dabei, die auch bei Treffen von Zittau mit Zukunft zu sehen waren", sagt Thomas Walde. Einer, der seine Teilnahme am "Totenzug" gegenüber SZ bestätigt hat, ist der AfD-Stadtrat Frank Figula. Nach SZ-Erkenntnissen ermittelt deswegen sogar der Staatsschutz der Polizei gegen Figula. Von einer Zugehörigkeit zu "Zittau mit Zukunft" will Figula von der SZ befragt dagegen nichts wissen. Er kenne das Aktionsbündnis nur vom Hörensagen - und eben von den öffentlich gewordenen Aktionen.

Der "Zittauer Totenzug" sorgte im Oktober für Aufregung in der Stadt.
Der "Zittauer Totenzug" sorgte im Oktober für Aufregung in der Stadt. © © xcitePRESS

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