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Schneller Prozess nach Alkohol-Ausraster

Nur vier Wochen nach Angriffen auf Polizeibeamte kommt ein Zittauer vor Gericht - und findet Gnade für seine Reue.

Wegen Tätlichkeiten gegen Polizisten verhandelte das Amtsgericht gegen einen Zittauer.
Wegen Tätlichkeiten gegen Polizisten verhandelte das Amtsgericht gegen einen Zittauer. © Symbolfoto: Sebastian Schultz

Beißen, Spucken, Treten, Schlagen - und das alles gegen Polizeibeamte. Wegen Widerstands und Tätlichkeiten gegen Vollstreckungsbeamte stand nun ein 40-jähriger Zittauer vor dem Amtsgericht, nachdem er erst vor einem Monat Randale in der Innenstadt geschlagen hatte. Doch im Verfahren wurde schnell klar: Hier stand niemand vor Gericht, dem die körperliche Unversehrtheit von Polizisten einfach egal ist - sondern ein reuiger Mann, dem sein einmaliger Ausraster einer Nacht einfach nur unerklärlich ist.

Schon die Verlesung der Anklageschrift ist dem Angeklagten sichtlich peinlich. Demnach hatte er am Abend des 26. September erst mehrere Scheiben eines leerstehenden Hauses in der Lindenstraße mit bloßen Händen eingeschlagen. Kurz später attackierte er in der Milchstraße zwei Streifenbeamte und noch einmal zwei Stunden später zwei weitere Polizisten - das alles bei einer Alkoholisierung von über 2,5 Promille. Auf Vorhalt erklärte der Angeklagte, sich an diese Vorfälle nicht erinnern zu können - aber da Freunde es ihm so erzählt hätten, müsse es wohl so gewesen sein.

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Er erinnerte sich noch, kurz vor diesen Vorfällen mit Freunden in einem Lokal an der Lindenstraße etwas getrunken zu haben. Mehrere halbe Bier habe er getrunken, außerdem vier Schnäpse und zwei Gin Tonic. Dermaßen alkoholisiert habe er seiner Freundin etwas gesagt, was zum Streit geführt habe. Wütend habe er das Lokal verlassen - und dann offensichtlich in unmittelbarer Nähe die Scheiben jenes Hauses eingeschlagen, wobei er sich erhebliche Schnittverletzungen zufügte.

Noch mehr Randale nach Verbandspause

Die erste Polizeistreife kam dann zufällig des Weges, als ein Freund den Angeklagten auf der Straße beruhigen wollte. Dabei wurde der Mann gleich aggressiv. "Wir wollten nur fragen, ob wir helfen können", schildert ein als Zeuge geladener Polizeibeamter. Er habe geschlagen und sei nicht zu beruhigen gewesen. "Wir haben ihm immer wieder erklärt, dass wir gar nichts von ihm wollen. Aber er müsse wegen seiner Verletzung ins Krankenhaus", erklärte der Polizist. Selbst der Freund habe mithelfen wollen, den Mann zu beruhigen - zwecklos. Schließlich aber habe man ihn doch in einen hinzugerufenen Krankenwagen verfrachten können. Im Krankenhaus seien seine Hände verbunden und auch eine Blutprobe genommen worden.

Doch kaum aus dem Krankenhaus entlassen, kam es zum zweiten dramatischen Akt des Abends. Seine Freundin hatte ihn mit dem Fahrrad aus dem Krankenhaus abgeholt. An der Rosa-Luxemburg-Straße wollte eine Streife der Bereitschaftspolizei die Frau wegen des Verdachts einer Trunkenheitsfahrt kontrollieren. Auch auf diese Beamten ging der Angeklagte los. Als einer der Polizisten ihn zu Boden brachte, biss er ihm in den Oberschenkel. Dem Angeklagten kommen bei diesen Schilderungen der Beamten immer wieder die Tränen. "Ich möchte um Entschuldigung dafür bitten, was ich Ihnen an diesem Abend für einen Ärger gemacht habe", sagte er jedem einzelnen Beamten auf dem Zeugenstuhl.

Weise Lösung des Gerichts

"Es war ein einmaliger Ausrutscher", erklärt die Verteidigerin, "man sieht, dass die Sache den Angeklagten beeindruckt und er es nicht auf die leichte Schulter nimmt. Deswegen und weil nach Auffassung des Richters wegen der erheblichen Alkoholisierung durchaus eine Schuldunfähigkeit im Raume stehe, kamen Staatsanwaltschaft und Gericht überein, das Verfahren gegen eine Geldauflage, Schadenersatz für die zerschlagenen Scheiben und Schmerzensgeldzahlungen an zwei Polizisten einzustellen.

"Sie können froh sein, dass Sie an diesem Abend sehr besonnenen Polizisten begegnet sind", erklärte der Richter. Auch die Zeugenaussagen der Polizisten hätten gezeigt, dass sie ihm nichts Böses wollten.

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