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Schuljahr startet mit "dünner Personaldecke"

Zwar bleiben am Montag in der Oberlausitz weniger Lehrer-Stellen unbesetzt als noch in den Vorjahren. Komplett lässt sich der Unterricht aber nicht überall absichern.

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Symbolbild © dpa

Ingo Elmenthaler hat alles versucht: Er hat einen Lehrer an seiner Schule überredet, trotz Ruhestandsalter noch ein Jahr dranzuhängen. Er hat Kollegen aus Görlitz und Löbau überzeugt, ein paar Stunden nach Zittau abzugeben. Er hat um jeden Bewerber beim Schulamt gekämpft. Aber ganz hat es der Schulleiter des Zittauer Christian-Weise-Gymnasiums nicht geschafft: Für einige Klassen wird das neue Schuljahr am Montag gleich mit Unterrichtsausfall beginnen.

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Mit planmäßigem Ausfall. Das heißt: Einige Stunden sind gleich von vornherein von der Stundentafel gestrichen. Die Schüler in den betroffenen Klassen werden jeweils eine Stunde weniger Biologie oder Chemie haben, als es der Lehrplan eigentlich vorsieht. Um den Unterricht in allen Klassen komplett absichern zu können, reichen die Lehrer nicht. "Wir hätten sehr gerne noch jemanden eingestellt", sagt Ingo Elmenthaler, "aber wir haben einfach niemanden gefunden."

Mit dem Problem steht der Schulleiter des Christian-Weise-Gymnasiums nicht allein. Wie schon in den vergangenen Jahren ist es auch für das neue Schuljahr nicht gelungen, alle offenen Stellen an den Schulen in der Oberlausitz zu besetzen. Zwar bleiben am Montag weniger Lehrer-Stellen frei als noch in den Vorjahren, aber die "Personaldecke bleibt vor allem im ländlichen Raum dünn", wie es Vincent Richter vom Landesamt für Schule und Bildung (Lasub) in Bautzen ausdrückt: Von 140 offenen Planstellen konnten - Stand diese Woche - 126,6 besetzt werden.

Auch wieder 34 neue Seiteneinsteiger

Und nicht jeder der neu eingestellten Lehrer ist auch ein grundständig ausgebildeter Pädagoge. 34 der neuen Lehrkräfte sind Seiteneinsteiger, die einen dreimonatigen Crashkurs absolviert haben und nun unterrichten dürfen, sich nebenbei aber noch weiter für den Beruf qualifizieren müssen. Nicht alle halten das auch durch.

"Wir haben darauf geachtet, die vorhandenen Kapazitäten möglichst bedarfsgerecht zu verteilen", sagt Vincent Richter. Auch würden sich die Schulen in diesem Jahr wieder mit stunden- oder tageweisen Abordnungen von Kollegen aushelfen, zum Teil auch an andere Schularten. So könne das verfügbare Arbeitsvermögen an den Schulen ausgeglichen werden.

"Einige Lehrkräfte haben sich auch dazu bereit erklärt, mehr Stunden als den regulären Stundenumfang zu unterrichten, oder sie haben ihre Teilzeitstunden aufgestockt", sagt Richter. Ihnen sei für diese Bereitschaft genauso zu danken wie den Lehrkräften, die sich vor ihrem Renteneintritt für ein weiteres Jahr im Schuldienst entschieden hätten.

Trotzdem bleibe die Absicherung des Unterrichts schwierig, muss Vincent Richter zugeben. Von krankheitsbedingten Ausfällen ist da noch gar nicht die Rede. Lehrkräftenachwuchs wird in der Oberlausitz an allen Schularten gesucht – von der Förderschule bis zum Gymnasium. Nach wie vor seien Lehrkräfte in den mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern und auch für das Fach Informatik besonders gefragt.

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Die Maßnahmen und politischen Entscheidungen, die in den letzten Jahren getroffen wurden, um langfristig mehr neue Lehrkräfte für Sachsen zu gewinnen – wie die Verbeamtung, Zulagen für Referendare im ländlichen Raum, die Erhöhung der Ausbildungskapazitäten an den sächsischen Universitäten oder die Gründung einer Lehrerausbildungsstätte für Grundschulen in Löbau - würden inzwischen auch wirken, sagt Richter. Allerdings würden diese Maßnahmen vor allem in den Ballungszentren Dresden und Leipzig wirken, nicht aber im ländlichen Raum. So hätten sich im Einstellungsverfahren für dieses Schuljahr 69 Prozent aller Bewerber für diese beiden Ballungsräume beworben.

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