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Wie Schulen in Zittau ihren Anfang nahmen

Die Eröffnung einer Allgemeinen Stadtschule vor 210 Jahren reformierte das Zittauer Schulwesen. Damals war aber noch vieles anders als heutzutage.

Zittaus Mädchenbürgerschule (links) und Zittaus Knabenbürgerschule in zeitgenössischen Darstellungen.
Zittaus Mädchenbürgerschule (links) und Zittaus Knabenbürgerschule in zeitgenössischen Darstellungen. © SZ-Repros

In Zittau ist derzeit ein Anbau an die Parkschule im Gespräch, weil die Stadt zu wenig Platz für Oberschüler hat. Es wäre der erste Schulneubau seit 1990.

Vor rund 200 Jahren hatte das Schulwesen der Stadt ganz andere, tiefgründigere Probleme, denn um die Allgemeinbildung der Zittauer Jugend war es Ende des 18. Jahrhunderts nicht gut bestellt. Zwar besaß das Gymnasium, dessen Zöglinge sich vor allem auf eine spätere Laufbahn als Gelehrte vorbereiteten, einen guten Ruf. Aber damit war es eben nicht getan.

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Einsichtsvolle Pädagogen versuchten daher bereits 1792 mit Billigung von Bürgermeister Just die unteren drei Klassen in eine gemeinnützige Bürgerschule umzubilden. Damit sollte auch Kindern, die später nicht studieren wollten, ein Unterricht zuteil werden, der sie aufs Leben vorbereitete. Allerdings wussten vor allem einflussreiche Geistliche das zunächst zu verhindern. Der Drang nach Veränderung wurde jedoch immer größer. Es mehrten sich die Stimmen, die forderten, eine Mädchenschule im Waisenhaus, eine Knabenschule im Hospital und eine Elementarschule im Gymnasium als dessen Vorstufe einzurichten. Entsprechende Vorschläge wurden schließlich vom Magistrat genehmigt.

Sitzordnung nach Talent und Fleiß

So erging am 7. Dezember 1805 eine „Bekanntmachung an die Bürgerschaft über die Einrichtung einer neuen Schulanstalt“. Als Interimsanstalt oder provisorische Schule wurde sie schließlich Anfang 1806 eröffnet. Dieser Reformprozess setzte sich fort. Die entscheidende Wende brachte eine der gesamten Bevölkerung bekanntgegebene „Erklärung über die neue Einrichtung des Zittauschen Schulwesens“, die die künftige Schulstruktur festlegte, eine Schulkommission vorsah und die Festsetzung des Schulgeldes ankündigte. Darüber berichtete Christian Adolph Pescheck in seiner „Geschichte und Beschreibung der neuen Schulanstalten in Zittau“. Mit Ernst habe man der Bürger- und Einwohnerschaft ihre Pflicht bei der Schulverbesserung eingeschärft, schrieb er und belegte das mit einem Zitat aus der Schulerklärung: „Mit unerbittlicher Strenge wird von Obrigkeitswegen darüber gehalten werden, daß fortan der Schulbesuch mit pünktlichster Genauigkeit erfolge, und daß kein schulfähiges Kind zur Benutzung von den jetzt begründeten Unterrichts- und mit verbundenen Arbeitsanstalten gefließentlich entzogen werde.“ Dennoch, so Pescheck weiter, wollten manche Eltern eigensinnig dieser neuen Anstalt ihre Kinder nicht anvertrauen und den Zwang abwarten.

Die Eröffnung der „Allgemeinen Stadtschule“ erfolgte schließlich am 7. Januar 1811. Da laut Pescheck fast 1.000 Kinder zu unterrichten waren, musste eine Trennung erfolgen. Es entstanden zwei Hauptabteilungen – die Schule der Zahlenden und die der Nicht- oder nur Halbzahlenden. Man bezeichnete sie als Bürgerschule und Freischule. Beide zerfielen wieder in eine Knaben- und eine Mädchenschule. Das Schulalter wurde auf die Zeit von sechs bis 14 Jahren festgesetzt. Nach Ständen wurde nicht unterschieden, auch wenn das manche Eltern wünschten. Die Sitzordnung wurde durch Talent, Fleiß und „Aufführung“ bestimmt. Dazu Pescheck: „So trifft es sich freilich wohl, daß ein künftiges Dienstmädchen weit über ihrer künftigen Herrschaft sitzt; aber eine Ordnung nach den Ständen wäre durchaus unstatthaft gewesen.“ Ferien gab es – zur Erholung für die Lehrer – nur 14 Tage im August. Außerdem waren die „Wochen der hohen Feste“, die Zeit von Weihnachten bis zum 7. Januar und die Hauptjahrmarktstage schulfrei.

Diese Reform erforderte auch neue Schulgebäude. Das schönste Schulhaus war ein neues dreistöckiges Eckgebäude am Topfmarkt (heute Klosterplatz). Es war für die Mädchenklassen der Bürgerschule bestimmt. Für die Knabenklassen hatte man Räume im Gymnasium freigelenkt. Für die Freischule wurde in der inneren Böhmischen Vorstadt ein neues Gebäude errichtet. Es befand sich auf dem Gelände des Hospitals.

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