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Harte Strafen für ungehorsame Städte

Vor 500 Jahren wollte Böhmenkönig Ferdinand den Oberlausitzer Sechsstädtebund mit dem Pönfall gefügig machen.

Das am Zittauer Alten Gymnasium 1838 eingemauerte Grabmal von Nikolaus von Dornspach. Ab 1549 Bürgermeister, erwies er sich als hervorragender Verhandlungsführer beim Rückkauf der einstigen städtischen Besitztümer.
Das am Zittauer Alten Gymnasium 1838 eingemauerte Grabmal von Nikolaus von Dornspach. Ab 1549 Bürgermeister, erwies er sich als hervorragender Verhandlungsführer beim Rückkauf der einstigen städtischen Besitztümer. © Heike Schwalbe

Der Geist der Reformation breitete sich immer weiter aus: In Zittau begann 1521 Lorenz Heidenreich im Geiste Luthers seine Predigten in deutscher Sprache zu halten. „Das Wort Gottes“ konnte nun von allen Bürgern verstanden werden.

Auch in den anderen Städten des Oberlausitzer Sechsstädtebundes gab es diese Entwicklung, die dem katholischen Klerus keineswegs passte. Zur Wahrung ihres Glaubens schlossen sich darum protestantische Fürsten am 27. Februar 1531 in Schmalkalden zu einem Bund gegen die Religionspolitik Kaisers Karl V. zusammen, der als Verteidiger der römisch-katholischen Kirche galt.

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Daraufhin begann der Regent 1546 einen Krieg in Süddeutschland, der sich in der sächsisch-thüringischen Region fortsetzte. Ihm zur Seite stand sein Bruder, der böhmische König Ferdinand I. Auch die Städte hatten für diesen Krieg Truppen zu stellen. Doch sie weigerten sich konsequent, gegen ihre Glaubensgenossen zu Felde zu ziehen.

In der Schlacht bei Mühlberg 1547 stellte sich der sächsische protestantische Kurfürst mit seinen Verbündeten dem kaiserlichen Heer. Doch er unterlag und geriet in Gefangenschaft. So endete dieser Krieg, der als Schmalkaldischer Krieg in die Geschichte einging, mit dem Sieg des Kaisers.

Doch was hatte dieser Konflikt mit der protestantischen Oberlausitz gemein? Ferdinand I. zwang die Oberlausitzer Städte dazu, Truppen zu stellen zum Kampf gegen ihre Glaubensgenossen. Die Städte weigerten sich lange, jedoch erfolglos. Schließlich stellten sie für einen zuvor festgesetzten Zeitraum von zwei Monaten fünfhundert Söldner.

Am 23. April 1547, einen Tag vor der Entscheidungsschlacht, war diese Frist herum. Die Oberlausitzer Truppen machten sich auf den Rückweg. Man ließ sie auch ziehen. Unmittelbar darauf erging allerdings ein Befehl an die Städte zum Verbleib der Einheit und zur Weiterzahlung des Soldes. Doch der kam nie an.

Als Ferdinand vom Truppenabzug erfuhr, wurde er wütend. Er beschloss, die Städte Bautzen, Görlitz, Kamenz, Lauban, Löbau und Zittau schwer zu strafen. Diese Bestrafung ging als Pönfall in die Geschichte ein. Ferdinand befahl den Räten der Sechsstädte, am 1. September 1547 mit sämtlichen Papieren auf der Prager Burg zu erscheinen. Extra hierfür hatte er ein Strafgericht einberufen, in dem auch die mit den Städten verfeindeten Adligen saßen. Zwölf Anklagepunkte wurden verlesen.

Nicht nur für das Verlassen des Kriegsschauplatzes, auch für andere Vergehen, die teils an den Haaren herbeigezogen waren, wurden die Städte angeprangert. Diese „Vergehen“ wären leicht zu entkräften gewesen, doch eine Anhörung der Räte gab es nicht. So wurde es ein kurzer Prozess. Der böhmische König verurteilte die Oberlausitzer Städte zu harten Strafen: Zahlung hoher Bußgelder, Ablieferung ihrer Waffen, Verlust von Besitz, Privilegien, freier Ratswahl, städtischer Gerichtsbarkeit und Zunftfreiheit. Darüber hinaus wurden sie mit einer ewigen Biersteuer belegt.

Unfähige Kommissare

Zusätzlich wurde ein Strafgeld in Höhe von 100.000 Gulden festgesetzt. Davon entfielen auf Görlitz 40.000 Gulden, auf Zittau und Bautzen je 20.000, auf Lauban 10.000 und auf Löbau und Kamenz je 5.000 Gulden. Bis das Geld in Prag eintraf, wurden die Räte dort festgesetzt.

Es dauerte elf Wochen, ehe man sie wieder nach Hause entließ. Zum Vollzug der anderen Strafen setzte Ferdinand Oberlausitzer Adlige unter Ulrich von Nostitz als Kommissare ein. Der für Zittau zuständige Kommissar nahm die Stadt in Zwangsverwaltung, der Rat hatte seinen Befehlen zu folgen.

Meist erwiesen sich die Kommissare als unfähig. Lebensmittel wurden knapp und teuer, das Fehlen städtischer Landgüter verschlimmerte die Lage. Es dauerte nicht lange, und die Oberlausitzer Städte waren mittellos. Ferdinand brauchte sie aber zur Bekämpfung seiner stetigen Geldnöte stark und finanzkräftig. Also musste er das von ihnen eingezogene Gut schnellstmöglich wieder verkaufen, auch unter Wert.

Für die Sechsstädte war das eine gute Gelegenheit, Verlorenes zu günstigen Preisen wieder zurückzubekommen. Die drei kleineren, darunter Löbau, erhielten ihren Besitz sogar kostenlos zurück. Bald waren die Städte wieder in den Landtagen vertreten, ebenso erlangten sie die freie Ratswahl und die niedere Gerichtsbarkeit zurück. Allerdings wurde die Rückerlangung aller Privilegien teuer, denn die böhmische Hofkanzlei forderte hohe Gebühren für die entsprechenden Papiere.

In Zittau wirkte damals mit Nikolaus von Dornspach ein kluger Kopf. Ab 1549 Bürgermeister, erwies er sich als hervorragender Verhandlungsführer beim Rückkauf der einstigen Besitztümer. Das gelang ihm nach und nach, auch wenn er die Stadt zunächst dafür verschuldete. Deshalb mussten die Bürger auch eine höhere Steuerlast akzeptieren. 1562 hatten die Städte fast ihren früheren Stand erreicht. Im Sechsstädtebund galt Zittau bald wieder als „die Reiche“. Es hatte die Obergerichte wieder, Wirtschaft und Handel florierten und großartige Bauten entstanden in den Zentren. Außerdem veränderte der Pönfall die Beziehungen zwischen den Städten und dem Landadel, der zunehmend der protestantischen Konfession angehörte.

Dank gilt dem Elbe-Museum „Mühlberg 1547“ für seine Unterstützung.

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