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Wie stark war der Sechsstädtebund?

Das hinterfragt eine Sonderschau der Städtischen Museen Zittau zur Gründung des Bündnisses vor 675 Jahren.

Die Gründung des Sechsstädtebundes erfolgte am 21. August 1346 in Löbau. In dieser Lithographie, entnommen dem „Goldenen Buche vom Vaterland“, (Stadtarchiv Löbau) wurde sie nachempfunden.
Die Gründung des Sechsstädtebundes erfolgte am 21. August 1346 in Löbau. In dieser Lithographie, entnommen dem „Goldenen Buche vom Vaterland“, (Stadtarchiv Löbau) wurde sie nachempfunden. © SZ

Die Gründung des Oberlausitzer Sechsstädtebundes – an diesem Sonnabend jährt sie sich zum 675. Male. Am 21. August 1346 tauschten in Löbau die Vertreter der damaligen königlichen Städte Bautzen, Görlitz, Kamenz, Lauban (heute Lubań), Löbau und Zittau Urkunden über den gegenseitigen Beistand aus. Das war die Geburtsstunde dieses Bündnisses. Obwohl, eine gemeinsame Gründungsurkunde gab es nie. Das habe daran gelegen, dass sich bereits zuvor einige der Städte ihre gegenseitige Hilfe vertraglich zugesichert hatten, erklärt Dr. Gunter Oettel. Er gehört zu den maßgeblichen Initiatoren einer Sonderausstellung, die aus Anlass des Jubiläums gegenwärtig im Heffterbau der Städtischen Museen Zittau gezeigt wird. Ihr Motto: „Gemeinsam stark? Zittau und der Sechsstädtebund“.

Das Fragezeichen im Ausstellungstitel sei ganz bewusst gewählt, betont Gunter Oettel. Denn gemeinsam sei man während all der Jahre nur vorgegangen, wenn es darum ging, gemäß der Weisung des Oberlausitzer Landvogtes (er vertrat den böhmischen König und späteren Kaiser Karl IV.), den Schutz der Region – auch mit Gewalt – zu gewährleisten. Dass die Städte dazu durchaus in der Lage waren, zeigt die stattliche Sammlung von Waffen und Zubehör im Kreuzgang, schon bevor die eigentliche Exposition beginnt. Das Besondere dieser Jubiläumsausstellung liege laut Gunter Oettel darin, dass die Ausstellungsstücke in ihrer Kombination noch nie gezeigt wurden.

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So werden zum Beispiel die Chronikaufzeichnungen des ehemaligen Zittauer Stadtschreibers Johann von Guben zur Zerstörung der Burg Körse mit dem Burgmodell und Fundstücken aus deren Ruinen verbunden. Besagte Festungsanlage war nur eine unter etwa 30 in der Oberlausitz, Böhmen und Schlesien, die auf Geheiß Karl IV. der „Zerstörung preisgegeben“ wurden. Zur Körse heißt es bei Johann von Guben: „Darnach im Jahre 1352 im Monat November zog die Stadt (Zittau) aus und gewann das Haus, welches heißt Kirschau und zerbrach das Haus mit Hilfe der anderen Städte und Herzog Bolko von Schneidwitz war Hauptmann auf dem Felde.“

Frisierte Räubergeschichten und gute Bewirtung

Ebenso noch nie zusammen mit der erwähnten Chronik gezeigt wurden die Urkunden zu den Aktionen der Sechsstädte gegen Neuhaus, ein kleineres, unweit von Görlitz gelegenes und dereinst von eben jenem Bolko II., der dem Bund beigestanden hatte, gegründetes Städtchen. Daraus geht hervor, dass die Görlitzer 1368, nach dem Tode des Herzogs, von den anderen Mitgliedern des Bündnisses eine „Strafexpedition“ verlangten. Ihr Ärgernis war, dass nun viele Fuhrwerke auf ihrer Reise nach Schlesien und Polen dieses Neuhaus als Zwischenstation bevorzugten, anstatt den Weg über Görlitz zu wählen und hier die Salz- und Waidsteuer zu zahlen.

Mit frisierten Räubergeschichten und guter Bewirtung konnten die Görlitzer ihre Partnerstädte herumkriegen, kurz vor Weihnachten das ahnungslose Heidestädtchen zu überfallen, auszurauben und einzuäschern. Bolkos Witwe beklagte sich darüber beim Kaiser. Die nach Prag gerufenen Vertreter der Städte wurden erst einmal festgesetzt. Die Partner schoben alle Schuld auf Görlitz, das dann wohl oder übel ein beträchtliches Bußgeld aufzubringen hatte.

Es konnte also auch innerhalb des Bundes gewaltig ernst werden. Das zeigt nicht zuletzt der Bierkrieg zwischen Zittau und Görlitz 1490/91. Dabei ging es vorrangig um rein wirtschaftliche Interessen. Von weiteren Konflikten berichtet im Jahre 1873 Dr. Alfred Moskau. Er erwähnt, dass Streitigkeiten ausbrachen, „indem die Kamenzer, die nach der 1421 entworfenen Feldzugordnung angewiesen waren, hinter den Löbauern ins Feld zu rücken, mit Gewalt versuchten, Löbau diesen Rang streitig zu machen.“ Dieser Streit sei zwar bis vor König Ladislav gekommen und von diesem zuungunsten der Kamenzer ausgegangen, aber schließlich habe man sich wieder vertragen. Das wurde 1459 auf einem Konvent in Zittau bekräftigt.

Löbauer Konvente: 3 Liter Wein auf Ex

Löbau war nicht nur der Gründungsort des Sechsstädtebundes, sondern wegen seiner zentralen Lage auch der Tagungsort. Löbau war von Beginn an Konventstadt. Die Zusammenkünfte fanden zunächst im „Gasthof zum goldenen Löwen“, nach dem Stadtbrand von 1710 im neuen Rathaus statt. Die Konventstube soll sich im oberen Ratskellerbereich befunden haben. Dass mitunter Themen eine andere Stadt als Treffpunkt erforderten, sahen die Löbauer nicht gern.

Zum Konvent reisten die Stadtvertreter einen Tag vorher an, um am Vorabend gemütlich beisammen sein zu können. Mitunter verhinderten schlechtes Wetter oder schlechte Straßen die Anreise. Für das Essen bei den Treffen war der Löbauer Stadtkoch zuständig. Für den gemeinsamen Umtrunk gab es einen drei Liter fassenden Konventpokal. Die Weinlieferungen kamen vom Löbauer Ratsweinkeller. Für jeden neuen Abgeordneten war es Pflicht, diesen Pokal allein auszutrinken. Als 1597 Kamenz den Wein mitbrachte, sollen wenige Tage später drei Teilnehmer gestorben sein.

Am 23. September 1814 tagte der Sechsstädtebund letztmalig offiziell, denn Görlitz und Lauban gehörten durch die Niederlage Napoleons 1813 nun zu Preußen. Bis 1868 kam man noch als Vierstädtebund zusammen. Für den ersten Konvent der Vier im August 1819 wurde eigens eine Schützenscheibe der Städte angefertigt.

Quelle: Sonderdruck der Löbauer Museumsgesellschaft zum650-jährigen Jubiläum des Sechsstädtebundes 1996 (dd)

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